„Da ist man aufgeschmissen“

Viele Eltern warten derzeit auf Betreuungsplatz für ihr Kind

+
Die Schlosszwerge verfügen derzeit über 24 Krippenplätze. Im Mai will der Verein zusätzlich die Verantwortung für bis zu 48 Kinder über drei Jahre übernehmen. Das Bild zeigt Eltern der Schlosszwerge, die den Tag der offenen Tür nutzten, um gemeinsam für Fastnacht zu basteln.

Heusenstamm - 170 Betreuungsplätze gibt es in der Schlossstadt derzeit für Kinder unter drei Jahren, weitere 553 für jene zwischen drei und sechs Jahren. Der Bedarf ist weit höher, allein bei den Kleinen fehlen aktuell mehr als 120 Plätze. Von Sonja Drücke 

Am Tag der offenen Tür am Wochenende waren die Wartelisten eines der Hauptthemen für die Eltern. Der kleine Siljan springt auf einer Matratze auf und ab. Im nächsten Moment erblickt er ein kleines blaues Spielzeugauto und widmet seine Aufmerksamkeit dann doch lieber diesem. Probleme, sich selbst zu beschäftigen, hat der Dreijährige nicht. „Aber langsam braucht er auch soziale Kontakte“, meint seine Mutter Maria Stojanova.
Beim Tag der offenen Tür aller Kindertagesstätten in der Stadt gab es großen Andrang. Immerhin soll das eigene Kind in die besten Hände gegeben werden. Ob dieser Tag, an dem das Kind dann tatsächlich eine Kita besuchen kann, wirklich kommt, steht für viele Eltern aber in den Sternen.

„Es ist wirklich eine schwierige Situation“, bewertet Dirk Zimmermann die Lage. Er und seine Frau suchen nach Kita-Plätzen für ihre acht Monate alten Zwillinge. Die Ungewissheit, ob sie bis zum Sommer welche gefunden haben, erschwert ihnen so einiges. Planung – vor allem im Arbeitsleben – ist kaum möglich. Ob sie Glück haben, entscheidet sich bis Ende März.

Die Leiterin der Einrichtung des Vereins „Die Schlosszwerge“, Bianca Heid, rät den Eltern, die sich einen Eindruck von der Kita für die Kleinen unter drei Jahren verschaffen wollen: „Melden Sie ihre Kinder so früh es geht an“. Die 24 Plätze dort, die auf zwei Gruppen verteilt sind, sind zwar bereits voll. Im Mai – so die Hoffnung – soll aber der Neubau für den Kindergarten fertig sein, der bis zu 48 Ü3-Plätze bieten wird. Kinder aus der Krippe, die alt genug sind, können dann umziehen, sodass in beiden Einrichtungen neue Kinder aufgenommen werden können. Voraussetzung ist aber die Mitgliedschaft in dem Verein.

Früh angemeldet hat Maria Stojanova ihren Sohn. Seit November 2015 wartet sie auf einen Platz für den fast drei Jahre alten Siljan. „Wirklich aufgeschmissen ist man da“, bringt die alleinerziehende Mutter ihre Situation auf den Punkt.

Vielen Eltern ist es wichtig, dass es in der Einrichtung, in der sie ihr Kind lassen, familiär zugeht. Das ist in der Kinderkrippe neben dem Schloss an der Tagesordnung. Bei offenen Türen können sich die Kinder in den beiden Gruppen besuchen und haben jeweils ein Heft, in dem lustige Momente aus ihrem Alltag in der Kita festgehalten werden. Da lassen es sich die Eltern auch nicht nehmen, sich unterstützend einzubringen. So bastelten sie an diesem Tag gemeinsam die Dekoration für den Fastnachtswagen des Vereins.

So können Eltern das kindliche Selbstbewusstsein stärken

Mit 90 Plätzen im Kindergarten und 20 Plätzen in der Kinderkrippe, geht es aber auch in der katholischen Kita „St. Cäcilia“ recht behaglich zu. Auch sie haben ein offenes Haus. Jede der vier Gruppen im Kindergarten hat leicht unterschiedliche Besonderheiten in ihrem Raum. Die Kinder können sich immer dem widmen, worauf sie Lust haben. „So bilden sich tolle Freundschaften“, erläutert der Erzieher Timo Kopanitsak. Neben der Möglichkeit, sich im Turnraum auszupowern, gibt es auch Werk- und Englischstunden. Zudem haben zwei der Ü3-Gruppen auch integrative Kinder.

Der Wunsch vieler Heusenstammer Eltern ist es, mehr Plätze für ihre Kinder zur Verfügung gestellt zu bekommen. „Dafür müsste auch der Job als Erzieher erstmal attraktiver gemacht werden“, gibt Kopanitsak zu bedenken.

Familie Grulke hat ihren jüngsten Nachwuchs schon vergangenes Jahr im August angemeldet, um in diesem August einen Platz zu erhalten. „Das sind kleine Lebewesen, für die viel Sorge getragen werden muss“, beschreibt es Jens Grulke. Klar ist aber noch nichts. Für die Eltern bedeutet das auf jeden Fall eines: Hoffen, dass sie Glück haben, wenn die Plätze vergeben werden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare