Schutz von Amphibien vor Unfalltod

Vier Tunnel für Kröten: Bauarbeiten an der Rembrücker Straße in Heusenstamm

Tunnel und Leiteinrichtungen für Kröten sollen vom 11. Januar an in einer Länge von 280 Metern unter der Rembrücker Straße gebaut werden.
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Tunnel und Leiteinrichtungen für Kröten sollen vom 11. Januar an in einer Länge von 280 Metern unter der Rembrücker Straße gebaut werden.

Bauarbeiten an der Rembrücker Straße werden von Montag, 11. Januar, an für Verkehrsbehinderungen sorgen. Die Fahrbahn wird jeweils halbseitig gesperrt, Ampeln regeln die wechselseitige Vorbeifahrt. Gebaut wird ein Tunnel, den Kröten und Frösche auf dem Weg zu ihrem Laichplatz nutzen sollen.

Heusenstamm – Eigentlich sollte dieser Amphibientunnel in Höhe des Schermsees bereits 2018 gebaut werden. Doch auf die Ausschreibung des Projekts hatte sich damals nur eine einzige Firma beworben. Nun also kann das Vorhaben, das vor allem die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) in der Schlossstadt schon seit Jahren fordert, endlich umgesetzt werden.

Jedes Jahr sammeln Mitglieder der SDW sowie die Waldjugend und weitere freiwillige Helfer im Winter und Frühjahr, sobald die Temperaturen ein wenig steigen, die Tiere während ihrer Wanderung auf der Waldseite der Rembrücker Straße ein und tragen sie auf die Seeseite.

1019 Kröten, Frösche und andere Amphibien waren es im frühen Jahr 2019. Fünf Jahre zuvor, im Jahr 2014, zählten die Helfer allerdings noch 2563 Tiere, also mehr als doppelt so viele. Und es können auch nicht alle Tiere vor dem Unfalltod bewahrt werden. Wobei übrigens auch das „Überqueren“ der Amphibien mit einem Fahrzeug, ohne sie dabei zu berühren, ihren Tod bedeutet, da unter einem Auto beim schnellen Fahren ein Unterdruck entstehe, der die Lungen der Vierbeiner platzen lasse, wie Dietmar Tinat von der Waldjugend dazu erläuterte.

Gebaut werden sollen nun an der Rembrücker Straße sogenannte Leiteinrichtungen auf beiden Straßenseiten sowie vier Querungen, die als kleine Tunnel unter dem Radweg und der Fahrbahn verlaufen. Die Amphibien sollen damit bei ihren Wanderungen im Frühjahr und Sommer – beim Rückweg in den Wald –  gegen das Überfahren geschützt werden. Die baulichen Anlagen beginnen – von Heusenstamm aus betrachtet – in Höhe der Zufahrt zum Schermsee und erstrecken sich über eine Länge von rund 280 Metern in Richtung Rembrücken.

Das Bauende sollte nach Angaben der Stadtverwaltung Ende April sein. Für die Arbeiten, die in die Fahrbahn hinein reichen, wird die Rembrücker Straße abschnittsweise halbseitig gesperrt. In der letzten Bauphase ab etwa Anfang April sei lediglich eine Fahrbahnverengung notwendig, sodass der Verkehr ohne Baustellenampel in beiden Richtungen fließen könne. Insbesondere zu Spitzenzeiten müsse mit Verkehrsbehinderungen und längeren Fahrzeiten gerechnet werden. Der Radverkehr könne weiterhin auf dem Radweg stattfinden. Behinderungen könne es allerdings auch dort geben, sobald die Querungstunnel unter dem Radweg hergestellt werden.

Neben einer Spende der Fraport AG in Höhe von 25 000 Euro soll das Projekt aus Mitteln des Naturschutzes finanziert werden. Die Gesamtkosten waren im Januar 2019 auf 500 000 Euro beziffert worden. Errichtet wird diese Amphibienschutzeinrichtung in Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach, die zwei Drittel der Kosten übernimmt.

Ein Fangzaun wird die Tiere, die im nächsten Frühjahr während der Arbeiten aus Richtung Martinseewald zu ihren Laichgewässern wandern, schon vor dem Radweg am Waldrand abfangen. Die in Eimern zurückgehaltenen Tiere werden dann von Helfern diesmal noch über die Straße gebracht, solange die Tunnelanlagen noch nicht in Betrieb sind.

Dies geschieht einmal mehr unter Anleitung der Mitglieder der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sowie dem Biologen und Amphibienexperten Andreas Malten, der dieses Projekt schon viele Jahre begleitet. Interessierte Helferinnen und Helfer, die das Aufsammeln der Tiere unterstützen wollen, können sich schon jetzt im Rathaus beim Fachdienst Umwelt per Mail an umwelt@heusenstamm.de melden. (Von Claudia Bechthold)

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