Lieblingsbuch bringt Sieg

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Sahra Yousofzei liest aus ihrem Lieblingsbuch und gewinnt damit den Vorlesewettbewerb an der Adolf-Reichwein-Schule.

Heusenstamm - „Aber es geht noch weiter!“ Daniel blickt verdutzt Lehrerin Simone Richter an, die ihn unterbrochen hat, gerade wo es spannend wird – und Zuhörer „Zugabe!“ rufen! Von Michael Prochnow

Der Sechstklässler würde gerne noch vortragen, wie der zwölfjährige Felix Vorndran den Schülerschreck Frau Schmitt-Gössenwein geschrumpft hat. Schon mit der Vorstellung seines Lieblingsbuchs hat Daniel die Aufmerksamkeit seiner Mitschüler gewonnen. Den Vorlesewettbewerb aber gewinnt die erst zehnjährige Sahra Yousofzei. Seit vielen Jahren beteiligt sich die Förderstufe der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) an dem Wettstreit, mit dem der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Kultur des lustvollen Schmökerns und gepflegten Rezitierens fördern möchte. Wer den Bücherwürmern im Musikraum lauscht, der kann erkennen, dass Lesen bei vielen Mädchen und Jungen angesagt ist. Lehrkräfte fördern das Interesse im Unterricht, wichtiger aber noch sei das Vorbild der Eltern, sagen die Pädagogen.

Das bestätigt Siegerin Sahra. Bei ihr zu Hause wird viel gelesen, da gebe es „immer ein paar Bücher“, verrät sie. So erfahre sie auch viel über Afghanistan, die Heimat ihrer Eltern. Vielleicht hat ihr Lesefutter dazu beigetragen, dass sie schon eine Vorstellung von ihrer Zukunft hat. Da möchte sie in einem Büro arbeiten. Oder bei der Polizei.

Die muss in dem Buch, aus dem sie zitiert, erst einmal außen vor bleiben. „Hände weg von Mississippi“ heißt es, und dreht sich um eine Pferdestute. Sahra liest konzentriert, bemüht sich, die Dialoge passend zu betonen. Ein bisschen hört man den hessischen Akzent heraus, aber das stört die Jury aus pensionierten Deutsch-Lehrerinnen nicht. Je zwei Sieger aus den sechsten Klassen nehmen in dem urigen Ohrensessel Platz: neben der Gewinnerin auch Annabell Auer aus der 6a, Nicole Gruszka und Steffen Fließbach (6b), Daniel Herdt und Yosephine Glende (6c). Zum Bühnenbild gehören auch ein Adventskranz und ein Tisch mit weißen Stühlen drum und Porzellangeschirr drauf. Die Atmosphäre sei Konzept, ebenso die Tatsache, dass die Fünftklässler im Publikum sitzen, erläutert Förderstufenleiterin Richter. Sie könnten schon mal sehen, was nächstes Jahr auf sie zukommt.

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