Versetzt auf einen Walfänger

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Luka Buchele von der Heinrich-Böll-Schule in Rodgau-Nieder-Roden hat den Ost-Kreisentscheid im bundesweiten Vorlesewettbewerb gewonnen.

Heusenstamm - „Neeeiiiin!!“ Ein markerschütternder Schrei zerreißt die Stille. Yuriko stellt sich vor die Harpune, beschwört den Mann dahinter mit einem entsetzten Gesichtsausdruck, ihre Lippen und Naselflügel beben. Von Michael Prochnow 

Für einen Moment war Katharina Heringhaus vom Adolf-Reichwein-Gymnasium Yuriko, das mutige Mädchen aus dem Buch von Federica de Cesco. Und für ein paar Augenblicke verwandelte sie das Parkett des Mozartsaals im Haus der Musik in das Deck eines japanischen Walfängers. Yuriko lebt in einem Fischerdorf im Südosten Japans, liebt Tiere und gewinnt auf eine geheimnisvolle Art ihr Vertrauen. Ein Delfin begleitet das Mädchen täglich beim Schwimmen, bei einem Sturm hat er ihr das Leben gerettet. Jetzt möchte Yuriko unbedingt das ihres Freundes bewahren, aber die Fischer haben beschlossen, alle Delfine in der Bucht zu töten.

Wie das Drama ausgeht, erfahren auch die anderen Schulsieger des Vorlesewettbewerbs und deren Begleiter nicht. Die junge Schlossstädterin hat sich für den Kreisentscheid eine der spannendsten Stellen des bewegenden Romans ausgewählt – und eindrucksvoll vorgetragen. Da klingen die Abenteuer von „Alice im Wunderland“ fast harmlos. Aus dem Buch von Lewis Carroll lesen die Kandidaten den Fremdtext, der bei dem bundesweiten Wettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ebenfalls vorgeschrieben ist. Er geht in diesem Jahr in die 56. Runde.

Die Sechstklässler sollen auch den Inhalt des ausgewählten Werks und den Autor vorstellen. Esra Güles von der Mühlheimer Friedrich-Ebert-Schule hat zu „Hanni und Nanni 3“ ein Plakat mit allen wichtigen Daten angefertigt und an die Wand geheftet. Interessant: Mehrere der zehn Kandidaten haben sich für Klassiker entschieden. Marie Sindern von der Georg-Büchner-Schule in Rodgau ist von „Pippi Langstrumpf“ begeistert, die zwei Jungs über einen schmalen Steg aus einem brennenden Haus rettet. Mit der heiseren Stimme einer Erkältung liest Helene Spottke (FEG, Mühlheim) aus „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“. „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ haben es Leah Termin (Kreuzburgschule, Hainburg) angetan.

Ruhig und gelassen wie die Katze in den „Schrecken der Nacht 1“ erzählt Sahra Yousofzei von der Adolf-Reichwein-Schule aus dem nächsten Krimi. Die Jury aus Organisatorin und Bücherei-Leiterin Katja Richter, Buchhändlerin Monika Küchler, Bibliothekarin Anita Ruppert, der pensionierten Lehrerin Lieselotte Steinweg und Leser Dietmar Ruppert achtet auf Lesetechnik, Interpretation und Textauswahl. Bürgermeister Peter Jakoby hatte zu Beginn daran erinnert, dass die alten Mauern früher die Heusenstammer Schule beherbergten. Am Ende erhalten alle eine Urkunde und ein Präsent vom Börsenverein, ein Buch über Australien. Für den Bezirksentscheid im April in Darmstadt gibt’s nur eine Fahrkarte, und die hat nach vielen Jahren mal wieder ein Junge geholt: Der zwölfjährige Luka Buchele von der Heinrich-Böll-Schule in Rodgau-Nieder-Roden.

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