„Nichts ist nur schwarz oder weiß“

Heusenstammer Nachwuchsautor veröffentlicht Debut

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Nichts ist nur schwarz oder weiß. Wer genau hinsieht, erkennt dies auch auf dem Foto des Autors Felix Kapraun.

Heusenstamm - Alles grau, alles ungewiss: In Felix Kaprauns Debütroman „Nichts ist nur schwarz oder weiß“ suchen Leser das Vorhersehbare und finden bloß offene Fragen nach Moral und Macht. Ein spannender Thriller, nicht nur im Ergebnis. Von Andreas Sanfilippo 

Kapraun musste einige Hürden nehmen, bis er durch eigene Seiten blättern durfte: zum Beispiel seine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Bisweilen blitzen gute Ideen dann auf, wenn keiner sie erwartet. So ging es zumindest Felix Kapraun. „Ich schaute mir einen Film an und bei einer Szene kam mir die Idee für meinen Roman“, sagt der Nachwuchsautor aus Heusenstamm. Das war 2009. Seitdem sind viel Zeit und Mühen vergangen. Nun darf Kapraun endlich an den Buchdeckeln schnuppern, zwischen denen sein eigener Text schlummert. Der Thriller „Nichts ist nur schwarz oder weiß“ ist im Februar im net-Verlag erschienen.

Ein echter Thriller direkt aus Heusenstamm, wenngleich er gar nicht zwischen Schloss und Bannturm spielt, sondern in der fiktiven US-Stadt Dodgeville. Dort gerät Polizist Tom Little in den Hinterhalt einer mafiösen Vereinigung. Eine schier ausweglose Situation, ein klarer Fall von Klischee und Schwarz-Weiß-Denke. Doch schon bald merkt der Leser, dass ein einfaches Schema nicht greift. Denn: Die Geschehnisse in Dodgeville werden nicht nur aus Sicht von Tom Little geschildert, sondern auch die vermeintlich Bösen kommen zu Wort. Schnell ist klar: Nichts ist nur schwarz oder weiß – wie der Titel verrät. Apropos: Eigentlich wollte Kapraun sein Erstlingswerk „Die Illusion der Macht“ nennen, aber es kam ihm ein anderer Autor zuvor. Mit dem Alternativtitel kann er aber gut leben, hat ihn sich selbst ausgesucht. Anstrengender war da der Weg zur Veröffentlichung. Das Werk war bereits 2010 nach neun Monaten fertiggestellt, dann folgte eine längere Pause, und ab 2014 machte sich der Nachwuchsautor an den Feinschliff. Einen Verlag zu finden, gestaltete sich kompliziert, zumal Kapraun an einer Lese-Rechtschreib-Schwäche leidet und die Korrektur des Manuskriptes zeitaufwendig war.

Nach anstrengender Suche erklärte sich der net-Verlag bereit, seinen Text zu überarbeiten und zu drucken. Ein großer Erfolg für den 1986 geborenen Kapraun. Er stammt ursprünglich aus Bayern, 1997 kam er nach Heusenstamm und blieb der Schlossstadt weitgehend treu. Nach seinem Fachabitur absolvierte er seinen Zivildienst beim Ambulanten Dienst der Behindertenhilfe sowie als Integrationshelfer an der Schule am Goldberg. Die Arbeit mit den Kindern hat ihm viel Spaß gemacht. Er entschied sich, ein Studium in Sozialpädagogik an der Fachhochschule Frankfurt zu beginnen. Dieses schloss er erfolgreich mit dem Diplom ab. Seitdem arbeitet er als Sozialpädagoge. Im Studium lernte er Professor Schneider kennen. „Er hat mich motiviert, meinen Roman zu schreiben“, sagt Kapraun. Ein großes Vorbild: Denn auch der Professor leidet an einer Lese-Rechtschreib-Schwäche – und publiziert dennoch äußerst erfolgreich.

Kaprauns Liebe zum Schreiben ist schon älter als sein Studium. Bereits in der Mittelstufe verfasste er erste Gedichte, auch versuchte er sich an einem Drehbuch. Nach dem Diplom blieb die Zeit, sich an etwas Größeres zu wagen – das Ergebnis: „Nichts ist nur schwarz oder weiß“. Dabei soll es nicht bleiben. Kapraun hat weitere literarische Pläne. Im April 2016 wird eine Kurzgeschichte von ihm in einer Anthologie des net-Verlags erscheinen. Für den Moment aber ist der junge Autor stolz auf sein erstes großes Werk und gespannt zugleich, wie es aufgenommen werden wird – die ersten Rezensionen sind vielversprechend.

Fluchterfahrungen von Prominenten und Künstlern

Wer sich für seinen Thriller interessiert, der kann ihn unter der ISBN 978-3957201454 bestellen – oder einfach in „Das Buch“ Heusenstamm, Frankfurter Straße 30, vorbeischauen. Dort stehen ein paar Exemplare in den Regalen und warten auf neugierige Leser, die schwarz auf weiß wissen möchten, dass die Welt eben doch meist grau gestaltet ist.

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