Satzungsantrag abgelehnt / Designierter Bürgermeister kündigt Dialog an

Wald braucht intensive Zuwendung

Zu einer Waldbegehung hatten Anfang Oktober Forstamtsleiter Melvin Mika und Förster Michael Kobras (von links) die Stadtverordneten des Bauausschusses eingeladen. archiv
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Zu einer Waldbegehung hatten Anfang Oktober Forstamtsleiter Melvin Mika und Förster Michael Kobras (von links) die Stadtverordneten des Bauausschusses eingeladen. archiv

Die „Verwüstung in unseren Wäldern“ sei nicht ausschließlich auf Sturm und Klimaveränderungen zurückzuführen, betonte Volker Sedlácek von der SPD-Fraktion zu Beginn der Debatte im Stadtparlament. Deshalb sei eine Satzung für den Wald das richtige Werkzeug, damit könne man die Verwaltung beim Umgang mit dem Wald entsprechend instruieren.

Heusenstamm – Gemeinsam mit Volt hatte die SPD beantragt, für die Stadt Heusenstamm und deren Waldflächen mit Hilfestellung von stadtexternen Fachleuten eine Waldsatzung erstellen zu lassen. Der Antrag wurde bei zehn Ja-Stimmen mit 25 Nein-Stimmen abgelehnt.

Man teile das Ansinnen, den Wald zu erhalten, versicherte Heiner Wilke-Zimmermann, Fraktionssprecher der Grünen. Doch schon jetzt arbeite Hessen-Forst nicht nach Gutdünken, sondern nach den Vorgaben der Stadtverordnetenversammlung, die man allerdings bislang nicht gut genutzt habe. Bezug nahm er damit auf den jährlich zu beschließenden Waldwirtschaftsplan. Bei einer Begehung mit Hessen-Forst Anfang Oktober, bei der die Maßnahmen ausführlich erläutert worden seien (wir berichteten), habe man zudem niemanden von der SPD gesehen.

Marc Waese kritisierte, die Art und Weise, wie der Waldwirtschaftsplan vorgestellt werde, sei nicht nützlich. Aber man müsse eben mehr für den Wald tun.

Und Erster Stadtrat Uwe Michael Hajdu betonte, mit einer Waldsatzung könne man das Klima nicht verändern.

Rund 60 Prozent der Gemarkungsfläche Heusenstamms sei Wald, erläuterte Steffen Ball von der CDU-Fraktion, insgesamt mehr als 1 100 Hektar. Die städtischen Fachleute sagten, der Klimawandel sei im vollen Gange mit Folgen wie Trockenheit und Sturmschäden, Pilzbefall bei Buche und Kiefer oder Borkenkäferbefall bei Fichten sowie der Ausbreitung nicht heimischer Baumarten. Der Wald brauche daher „intensive Zuwendung“, aber nicht durch eine Satzung, zumal die bestehenden Gesetze dazu ausreichten, sondern durch Dialog und entschlossenes Handeln. Der Wald müsse stabiler aufgebaut werden. Das gehe mit Naturverjüngung oder mit passenden Bepflanzungen.

Der designierte Bürgermeister Steffen Ball kündigte in diesem Zusammenhang an, im ersten Quartal des kommenden Jahres gemeinsam mit dem Ersten Stadtrat eine regelmäßige Dialogrunde ins Leben zu rufen. Neben Hessen-Forst und städtischen Fachleuten sollten Landwirte und Jäger sowie Naturschutzorganisationen wie zum Beispiel die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die Waldjugend und der Schutzgebietsbeauftragte Dietmar Tinat daran teilnehmen. „Damit wir entschlossen, aber überlegt im besten Sinne aufforsten.“ Das gehe flexibler und effizienter ohne eine neue Satzung. (Claudia Bechthold)

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