Unzählige Stämme im Wald

Wenn Förster durchforsten

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Riesige Stapel Baumstämme an einem Waldweg nahe der Industriestraße: Das Holz wurde aus der ganzen Umgebung zusammengeholt.

Heusenstamm - „Für uns ist derzeit Erntezeit“, sagt Forstamtsleiter Christian Münch. Die große Menge Holz, die an einem Waldweg nahe der Industriestraße lagert, ist allerdings aus anderen Gründen entstanden. Von Claudia Bechthold 

Die Stämme, die dort fein säuberlich gestapelt wurden, sind das Ergebnis einer sogenannten Durchforstungsmaßnahme im vergangenen Oktober. Sie heißen „Z-Bäume“. Das „Z“ steht für Zukunft. „Wir Förster denken für Generationen“, erläutert Christian Münch, Leiter des auch für Heusenstamm zuständigen Forstamts Langen. Denn Bäume seien nun mal Lebewesen, die vergleichsweise alt werden. Und um den Wald zu erhalten, müssten jene Bäume, die gute Chancen haben, unterstützt werden.

Dazu „durchforsten“ die Fachleute in regelmäßigen Abständen den Wald. Etwa zweimal im Jahrzehnt gebe es solche Aktionen. Dann gehen die Förster von Baum zu Baum und legen fest, welche Bäume ein „Z“ erhalten. „Dabei suchen wir jene Bäume aus, die besonders schön und vital sind, und die eine große Krone haben“, schildert Münch die wichtigsten Kriterien. Vor allem die Krone sei entscheidend, denn die Krone sei – wegen der Photosynthese – das „Kraftwerk des Baumes“.

Sind die „Z-Bäume“ festgelegt, wird begutachtet, ob andere Bäume jene mit Zukunft in irgendeiner Weise bedrängen oder bedrohen. Ist dies der Fall, müssen diese nach und nach gefällt werden. Das gilt auch für Bäume, die kränkeln, die krumm und schief sind.

Trockener Boden

Die Fällaktion im Oktober sei schon mehrere Jahre geplant gewesen, betont Christian Münch. Allerdings müssten dazu auch die Wetterbedingungen stimmen. Und im vergangenen Oktober war es dann endlich so weit. Vor allem der Boden sei trocken genug gewesen, nennt der Forstamtsleiter die wichtigste Voraussetzung. Denn nur wenn der Boden trocken ist, kann der Harvester, so heißen die riesigen Holzerntemaschinen, einzelne Bäume aus den Gebieten herausholen, ohne zum Beispiel die empfindliche Tonschicht im Boden zu beschädigen.

Entgegen der Überzeugung so manchen Spaziergängers seien diese Holzernter übrigens schonender als eine Fällung per Hand, fügt Münch gleich hinzu. Er kennt die Kritik, die immer wieder laut wird. Werde nämlich per Hand gefällt, reißt der stürzende Baum unter Umständen Teile anderen Bäume mit sich. Mit der Maschine werde der Stamm mit dem Kran gehalten, während er abgesägt wird, und dann erst vorsichtig gelegt. „Mit dem Harvester kann man Bäume chirurgisch genau herausnehmen“, sagt Münch. Bei einem Gewicht von etwa 1,5 Tonnen je Kiefer sei der Mensch dazu nicht in der Lage. Bis zu drei oder vier Tonnen kann eine ausgewachsene Kiefer übrigens wiegen.

Die Stämme, die im Oktober gefällt wurden, ließen die Forstleute mit Rückemaschinen an jene Stelle entlang eines Waldweges bringen, der nahe der Dietzenbacher Straße von der Industriestraße abzweigt. „Das sind Stämme aus der ganzen Umgebung“, versichert Christian Münch. Dies habe so geplant, damit die Lastwagen zum Abtransport nur an einer Stelle in den Wald fahren müssen. Zur Zeit ist es den Förstern übrigens zu warm. „Wir brauchen dringend Frost, um den Wald weiter pflegen zu können“, sagt Münch.

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