Der Wald von morgen

Bäume an der Dietzenbacher Straße werden entfernt und ersetzt

+
In den kommenden Wochen werden die Baumstämme entfernt. In ein paar Jahren werden auf dieser Fläche neue Baumarten stehen.

Heusenstamm - Wer in den vergangenen Tagen durch den Wald am Ende der Feldbergstraße gelaufen ist, dem sind die Arbeiten an den Bäumen aufgefallen. Hessen-Forst informiert jetzt mit Schildern über die Maßnahme. Von Patrick Eickhoff

Der Klimawandel sorgt nicht nur für Temperaturschwankungen und Minusgrade im späten März, sondern beeinflusst auch die Natur. Viele Bäume haben mit dem Ausbleiben des Niederschlags im Sommer und den Schwankungen im Winter zu kämpfen. „Deshalb werden diese alten Baumarten nach und nach durch klimastabile Varianten ersetzt“, erklärt der Leiter des Forstamts Langen, Christian Münch. Momentan sind daher die Maschinen im Wald an der Feldbergstraße und der Dietzenbacher Straße unterwegs. „Das ist die spät auslaufende Holzernte.“ Das Wetter machte den Mitarbeitern vorher einen Strich durch die Rechnung. „Der Boden war viel zu nass, daher konnten wir es nicht verantworten das Holz vorher zu entfernen“, erläutert Münch.

Die späten Arbeiten im Stadtwald Offenbach haben in den vergangenen Tagen für ratlose Spaziergänger gesorgt. „Bei uns hat öfter das Telefon geklingelt und es wurde gefragt, was sich da tut.“ Jetzt hat der 42-Jährige Schilder aufgehängt, um vor Ort zu informieren. „Extra mit Reißzwecken, denn die schaden dem Holz nicht.“

Die Maßnahme steht unter dem Titel „Der Mischwald von Morgen“. Auf der Fläche wurden einige Buchen entfernt. „Sie wurden entnommen, um in Teilen Licht für eine junge Baumgeneration zu schaffen.“ Es entstehen sogenannte „Verjüngungsnester“. „Wir passen uns so dem Klimawandel an, damit auch in vielen Jahren noch ein schöner Wald vorhanden ist.“

Christian Münch hat im Wald die Hinweisschilder angebracht und will so über die Arbeiten aufklären.

In den Nestern werden im Frühjahr und Herbst Douglasien, Kiefern und weitere Baumarten angepflanzt, um das Baumartenspektrum zu erweitern. „Es entsteht langfristig ein strukturreicher Lebensraum für die Tiere und ein ansprechendes Waldbild für die Spaziergänger.“ Des Weiteren entwickeln die Förster vor Ort einen klimastabilen Wald, der auch künftigen Generationen als Erholungsort dienen kann.

Das Forstamt Langen ist verantwortlich für die Pflege von rund 15.900 Hektar Wald im Stadt- und Landkreis Offenbach. Prägende Baumarten sind die Kiefer, die Buche und die Eiche. Insgesamt sind dem Forstamt elf Revierförstereien zugeordnet. Neben der Produktion von Holz und der Sicherung der Erholungsnutzung spielt unter anderem der Naturschutz eine wichtige Rolle: „Optimal für die Arbeiten wäre Frost gewesen – den haben wir allerdings zu selten“, erläutert Münch die Probleme denen sich die Förster ausgesetzt sehen. Die gefällten Bäume wurden vorher genau unter die Lupe genommen. „Sie sind zu alt, haben schon eine gewisse Fäule erreicht, die ab einem gewissen Punkt zur Einsturzgefahr werden kann.“ Um das zu verhindern, überprüfen die Förster regelmäßig die verschiedenen Bäume. „Besonders am Straßenrand ist das wichtig.“

Die Arbeiten im Stadtwald werden in einzelnen Phasen abgeschlossen. „Das ist ein bisschen wie bei Löchern im Käse“, sagt Münch. „Wir können und wollen ja nicht den ganzen Wald auf einmal austauschen.“ Abschnittsweise rücken die Maschinen jeweils im Frühjahr und im Herbst an und schaffen die Baumstämme von der Fläche. Teilweise waren diese bis zu 140 Jahre alt.

Großumzug an der Autobahn: Der Beruf des Ameisenumsiedlers

„In fünf bis sechs Jahren sind die neuen Bäume bereits 2,50 Meter hoch und dann sieht es auch nicht mehr so löchrig aus“, erläutert Münch. Ein Großteil des Holzes kommt nach Aschaffenburg. „Vieles bleibt der Region erhalten, da es von der heimischen Industrie verwertet wird.“ Die Äste bleiben zunächst auf der Fläche. „Die können als Brennholz verwendet und abgeholt werden – jedoch nur mit einem festen Termin.“ Interessierte bittet Münch, sich in der Sprechstunde des Forstamts zu melden und einen Termin auszumachen.

Der Forstamtsleiter hofft die Schilder im Wald können einige Ängste der Bürger beseitigen. „Der Wald bleibt natürlich und wird für die Zukunft gerüstet.“ Als hervorzuhebende Mischbaumart des Projektes ist die Douglasie zu nennen, der insbesondere mit Blick auf den Klimawandel eine hohe Anpassungsfähigkeit zugeschrieben wird. „Dies ist durch ihre Bescheidenheit bezüglich Wasser- und Nährstoffhaushalt begründet.“ Sein Herzwurzelsystem verankert den Baum fest im Boden, wodurch er außerdem recht sturmstabil ist. Auch das Holz der Douglasie ist sehr gefragt – so ist das Kernholz sehr resistent gegenüber Insekten- und Pilzbefall. Nichtsdestotrotz soll und wird das Waldbild auch noch in 100 Jahren von Buchen geprägt sein, angereichert mit wertvollen Nadel- und Laubbäumen.

Fragen werden unter Tel.: 06103/ 50090 beantwortet. Weitere Infos gibt es auch auf hessen-forst.de.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare