Kinderbetreuung

Warteliste ist geschrumpft, aber es fehlen weiter Kita-Plätze und Fachkräfte

Vor gut einem Jahr konnte die Kita am Bieberbach an der Rudolf-Braas-Straße eröffnet werden. Das in Containerbauweise errichtete Gebäude steht allerdings auf einem Grundstück, das zunächst für fünf Jahre gepachtet ist.
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Vor gut einem Jahr konnte die Kita am Bieberbach an der Rudolf-Braas-Straße eröffnet werden. Das in Containerbauweise errichtete Gebäude steht allerdings auf einem Grundstück, das zunächst für fünf Jahre gepachtet ist.

Die gute Nachricht ist, dass die einst lange Warteliste für einen Platz in der Kinderbetreuung erheblich geschrumpft ist. Standen vor etwa zwei Jahren noch mehr als 200 Namen auf dieser Liste, fehlen derzeit nur noch 32 U3-Plätze und 24 für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Dies berichtete die zuständige Fachdienstleiterin Kerstin Stanek am Dienstagabend den Mitgliedern des Ausschusses für Jugend, Soziales, Sport und Kultur.

Heusenstamm – Gleichzeitig warnte Kerstin Stanek vor zu früher Freude, denn der allgemeine, bundesweit bestehende Mangel an Fachkräften führt einerseits dazu, dass etliche bereits vorhandene Plätze gar nicht belegt werden können. Und andererseits könnten verschiedene Faktoren dazu führen, dass auch die Zahl der zu besetzenden Plätze in der Schlossstadt wieder sinkt.

So ist es zum Beispiel Vorschrift, dass Erzieherinnen, die ein Kind erwarten, quasi mit dem Tag des Bekanntwerdens ihrer Schwangerschaft aus Sicherheitsgründen sofort aufhören müssen zu arbeiten. Bis dann Ersatz gefunden ist, dauert es freilich. Seit 2019 traf dies in der Schlossstadt auf neun Beschäftigte zu.

Außerdem sind die Kindertagesstätten seit 2013 verpflichtet, Kinder mir Beeinträchtigungen in den Einrichtungen aufzunehmen. Wird ein integratives Kind aufgenommen, muss die Zahl der Plätze etwa einer Ü3-Gruppe von 25 auf 20 Kinder reduziert werden. In Heusenstamm sind aus diesen Gründen im Moment 50 Kita-Plätze nicht belegt. Weitere fünf Kinder möchten gern in einer Regel-Kita betreut werden, aber „das können wir nicht leisten.“ Für Kinder unter drei Jahren stehen aktuell 210 Plätze zur Verfügung, genutzt werden können allerdings nur 156. Für den Nachwuchs im Alter zwischen drei und sechs Jahren sind es 759 Plätze, doch auch diese sind nicht alle belegt.

Dem Mangel an Fachkräften versuche man auf verschiedenen Wegen zu begegnen, versicherte Kerstin Stanek. So schreibe man inzwischen Stellen für Mutterschutz-Vertretungen gar nicht mehr befristet aus. „Das hat gar keinen Sinn, denn auf befristete Stellen bewirbt sich niemand mehr“, erläuterte Hauptamtsleiter Hendrik van Eck. Das Bewerbungsverfahren habe man insgesamt verkürzt, um möglichst schnell reagieren zu können. Gute Erfahrungen habe man zudem mit der eigenen Homepage im Internet (kinder-heusenstamm.de) gemacht, die auch von Bewerbern gern genutzt werde.

Ebenso positive Erfahrungen habe man mit der sogenannten praxisintegrierten vergüteten Ausbildung (PivA) gemacht. 16 Kräfte lernten derzeit allein über dieses Programm den Beruf. Auf beiden Seiten gut angekommen sei auch die Anwerbung von spanischen Fachkräften. Diese fühlten sich wohl und wollten auch bleiben. „Die erste Mitarbeiterin hat gerade ihre offizielle Anerkennung erhalten“, berichtete Kerstin Stanek. Dazu komme die übertarifliche Bezahlung, die aber inzwischen alle Kommunen anbieten, und zusätzliche fachliche Weiterbildungsangebote. Dennoch werde dieser Mangel so schnell nicht behoben sein. Und auch die Konkurrenz durch andere Kommunen bestehe weiter: „Wir fischen alle im selben Teich.“

Dennoch werde der Bedarf an neuen Kita-Plätzen bestehen bleiben, zumal mit der Schaffung neuer Wohngebiete auch mit dem Zuzug junger Familien zu rechnen sei. Nach den Prognosen des Fachdienstes müssen in fünf Jahren rund 100 weitere Plätze für Kinder unter drei Jahren sowie knapp 50 für Drei- bis Sechsjährige geschaffen werden.

Über den nun vorgelegten Kindergarten-Bedarfsplan entscheiden die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Mittwoch, 10. November, um 19 Uhr. (Von Claudia Bechthold)

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