Heusenstammer Ehepaar hilft jungen Flüchtlingen

Wege in die Zukunft bereitet

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Katja Zeiger, Meron Mengisteab und Werkstattleiter Tom Braumann vor dem Autohaus, in dem Meron jetzt arbeitet.

Heusenstamm - Seit zwei Jahren gehen Regine und Ludwig Richter in eine der Unterkünfte für Asylbewerber. Meist gehe es um Post von Behörden, bei der die beiden Heusenstammer ihren Schützlingen helfen müssen. Sie kümmern sich aber auch um die Zukunft der zehn jungen Männer.

Aus Eritrea stammen acht der zehn jungen Männer zwischen 20 und 27 Jahren, die Regine und Ludwig Richter unter ihre Fittiche genommen haben. Die beiden anderen Geflüchteten stammen aus Pakistan und dem Iran.

Die Integration steht für das Ehepaar Richter an erster Stelle. Deshalb führen sie zum Beispiel regelmäßig Gespräche mit den jungen Männern, um das im Deutschkurs Gelernte zu verbessern und zu verfestigen. „Wir reden über alle möglichen Themen“, erzählt Ludwig Richter, „über das Wetter, über den Herbst, aber auch über das Grundgesetz“.

Besonders glücklich ist Ludwig Richter, dass es ihm jetzt gelungen ist, für zwei seiner Schützlinge auch eine berufliche Perspektive zu sichern. Beide genießen den sogenannten subsidiären Schutz – haben also eine Aufenthalterlaubnis – und sind im Besitz einer Arbeitserlaubnis.

Einer von ihnen ist der 24 Jahre alte Zemuy Teklesenbet aus Eritrea. Gemeinsam mit 18 weiteren jungen Männern und Frauen zwischen 16 und 21 Jahren hat er im August eine Ausbildung für den Schreinerberuf begonnen. Sie sind alle Schüler des Berufsgrundbildungsjahres (BGJ) in Holztechnik an der August-Bebel-Schule in Offenbach. Das BGJ-Holztechnik ist eine vollschulische Form des ersten Jahres der Tischlerausbildung.

Ein Jahr lang lernt Zemuy nun in Theorie und Praxis die Grundlagen dieses Berufes. Dazu steht in der Schule auch eine moderne, komplett ausgestattete Werkstatt zur Verfügung. Nach dem BGJ setzen die Teilnehmer ihren weiteren Weg zum Schreinerberuf in Handwerksbetrieben der Innung fort.

Peter Janat ist der Klassenlehrer in diesem Ausbildungsgang: „Unsere Ausbildung ist umfassend und die beste Voraussetzung für eine Karriere im Schreinerhandwerk. Wir sind eine der wenigen Schulen in Hessen, die das BGJ-Holztechnik noch anbieten können. Nur dank der guten und anerkennenden Zusammenarbeit mit der Schreinerinnung ist dies möglich.“

Auch Zemuy sei über diese Chance sehr glücklich, versichert Ludwig Richter. Er wolle noch besser Deutsch lernen, für seine drei Freunde, die alle in Kürze einen Beruf lernen werden, und sich eine gemeinsame Wohnung finden, und einen Betrieb suchen, in dem er im nächsten Jahr seine Ausbildung fortsetzen kann.

Mit einer Einstiegsqualifizierung ist auch Meron Mengisteab, ebenfalls 24 Jahre alt, auf dem besten Weg zu einem Ausbildungsplatz. Der junge Eritreer zählt zu jenen, die davon träumen, Automechaniker zu werden; heute heißt das offiziell Kraftfahrzeug-Mechatroniker. Der anerkannte Flüchtling lebt seit zwei Jahren in Heusenstamm.

Jetzt hat Meron Mengisteab seine berufliche Karriere mit einer von Pro Arbeit geförderten neunmonatigen Einstiegsqualifizierung (EQ) im Autohaus Zeiger in Heusenstamm begonnen. Vorausgegangen war ein Praktikum im gleichen Hause im Herbst vergangenen Jahres sowie ein einjähriger Integrationskurs zum Deutschlernen.

Die Einstiegsqualifizierung sei ein Instrument der Ausbildungsförderung in Form eines sechs- bis neunmonatigen Langzeitpraktikums, erläutert Ludwig Richter. Das zuständige Jobcenter zahle dem Betrieb einen Zuschuss zur EQ-Vergütung. Während der EQ-Zeit kann der Betrieb sich ein Bild von der Qualifikation des Praktikanten machen und ihn an die reguläre Ausbildung heranführen. Der Praktikant besucht in dieser Zeit auch die Berufsschule.

Die Pro Arbeit in Dietzenbach ist überzeugt, dass die Einstiegsqualifizierung für die Betriebe eine gute Chance bietet, sich für die Ausbildung junger Menschen ohne optimale Qualifikation zu entscheiden. „Fachkräfte kann man nicht im Internet bestellen“, sagt Katja Zeiger vom gleichnamigen Autohauses. Seit 50 Jahren bilde man mit Erfolg selbst aus und sehe darin eine gesellschaftliche Verpflichtung.

Regine und Ludwig Richter sind auch ein wenig stolz, dass sie es so weit geschafft haben. „Da steckt viel Arbeit drin“, sagt er. Vor allem Betriebe zu finden, die bereit sind, jungen Menschen einen Ausbildungsplatz zu geben, sei inzwischen immens schwer. Von 80 angeschriebenen Firmen haben nur fünf geantwortet, vier mit einer Ablehnung. (clb)

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