Weinfest in Heusenstamm

Nur der Zoll stört ein bisschen

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Der Freundeskreis Partnerstädte hat den einzigen Stand auf Heusenstamms heute endendem Weinfest, dessen Erlös einem guten Zweck dient. Das Publikum belohnt den Einsatz gerne. Am Freundeskreis-Stand arbeiten Ehrenamtliche in zwei Schichten. Selbstverständlich mit Spaß.

Heusenstamm - Es ist jeden Nachmittag dasselbe. Gegen 17 Uhr kommen Nachbarn mit leeren Gläsern vorbei. Einer aus der Hütte zieht über den Platz und verteilt ebenfalls welche.

Dabei werden ein Gruß und ein paar nette Worte ausgetauscht, an den vergangenen Abend erinnert oder übers Wetter philosophiert. Ginge es nach manchem Schlossstädter, könnte es noch ein paar Wochen so weitergehen. Doch heute wird dieses Ritual zum letzten Mal zelebriert. Das Weinfest geht zu Ende. Bevor die Besucher eintreffen, um sich die besten Plätze zu reservieren, bringen Standinhaber und Helfer die Gläser zurück, die fälschlicherweise bei ihnen abgegeben wurden. Auch Mitglieder des Freundeskreises Partnerstädte beherrschen das Spiel. Sie sind die einzigen, die ihren Verkauf ehrenamtlich betreiben. Mit den Einnahmen werden Gäste aus den befreundeten Orten bewirtet und der Schüler-Austausch mit St. Savin gefördert.

Kürzlich haben acht Jugendliche von der Adolf-Reichwein-Schule Freundschaften in Ladispoli geschlossen. Auch die Reisekosten dieser Gruppe unterstützte der Verein, berichtet Lothar Fella. Der Kommunalpolitiker ist im Verein der Beauftragte für die italienische Partnerschaft – und fürs Weinfest. Mit Willibald Krämer und Heinz Rieth, ebenfalls einstige Berufsschullehrer, zimmerte er vor einigen Jahren aus Tannen- und Fichtenholz den achteckigen Verkaufsstand. Jüngst haben sie noch zwei Ausbuchtungen eingearbeitet. Eine für die Gläser, eine für die Kühlschränke. „Gehört euch der weiße Kühlwagen“, kommt einer der uniformierten Sicherheitsleute auf die Bude zu. Fella erfährt, dass der Wagen leckt. Kein Grund zur Panik, entscheidet der Chef und fährt mit seiner Arbeit fort, räumt Weinflaschen aus den Kisten des Winzers in Schränke. Früher hatten sie ihre Ware im Schlösschen gekühlt, das geht mit dem Wagen viel komfortabler.

Die guten Tropfen kommen allerdings nicht von den Partnern. Obwohl die Region Pitout in der Nähe von Saint Savin ein Weinanbaugebiet ist. Auch Ceveteri, der Nachbarort von Ladispoli, produziert Rebensäfte. Jahrelang bezog der Freundeskreis von dort sein Angebot. Doch die Fortführung scheiterte an der Belieferung. „Für die Ware aus Italien müssen umfangreiche Zollformalitäten erledigt werden“, kritisiert Fella Hürden im EU-System. „Für die Cantina lohnte sich die Spedition nicht, wir sollten die Kisten selbst abholen.“ Heute stammen alle Weine am Partnerstädte-Stand vom „Winzer des Jahres 2013“ mit dem besten Sortiment, von der Kellerei Bretz in Bechtolsheim bei Alzey in Rheinhessen. Die Palette umfasst den beliebten Grauburgunder mit weniger Säure, Riesling, Müller-Thurgau und Sauvignon blanc sowie die roten Dornfelder und Chardonnay, dazu Hausmarke und Prosecco.

Weinfest in Heusenstamm (neue Motive)

Weinfest in Heusenstamm

Beim Bahnhofsfest, vergleicht Fella, machen sie den gleichen Umsatz wie an allen Weinfest-Tagen zusammen. Klar, an der S-Bahn-Station haben sie das „Monopol“ auf den Ausschank. Dennoch genießen sie auch das Treffen am Schlösschen. Rund ein Drittel der 110 Mitglieder packt an, verteilt auf zwei Schichten. Fellas Ehefrau Ingrid dekorierte die Hütte mit großen Schleifen und Weinlaub, deckte die Tische nebendran mit Tischdecken und Blumentöpfchen unterm grünen Zeltdach.

M.

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