Weniger Wurst als gedacht

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Schüler der Hayesbrook School in Tonbridge weilten fünf Tage bei Gleichaltrigen der Adolf-Reichwein-Schule.

Heusenstamm ‐ Einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu ihrem eigenen Profil hat die Adolf-Reichwein-Schule in der vergangenen Woche gesetzt. Von Michael Prochnow

Sieben Jungs von der Hayesbrook School in der englischen Partnerstadt Tonbridge weilten fünf Tage bei Gleichaltrigen der Realschule an der Leibnizstraße.

„Jahrelang haben wir uns um einen Austausch bemüht“, sagt Konrektorin Doris Huber und strahlt. Dass es jetzt geklappt habe, liege am persönlichen Kontakt, den sie nach einem Urlaub in Großbritannien in Kent geknüpft habe.

Zwölf Jugendliche von der Mittelschule hatten sich zunächst für den Austausch gemeldet. Doch neben fehlendem Pass oder Geld sei für manchen Schüler oder seine Eltern wohl auch die Angst vor der ersten Auslandsreise ein Hinderungsgrund gewesen, meinte Özlem Yaman. Die türkisch-französisch-stämmige Deutschlehrerin begleitete die Gruppe der 14- bis 16-Jährigen zusammen mit ihrem irischen Kollegen Louis Callan. „Hitler“ sei bei vielen Briten laut Umfragen noch das erste, was ihnen beim Stichwort Deutschland einfalle.

„Es gibt gar nicht so viel Wurst, wie wir gedacht haben“

„Es sind oft nur negative Assoziationen“, stellte der Pädagoge fest. Ignoranz sei ein Problem, meinte er, vor allem in Familien mit geringerem Einkommen. Das werde sich aber nun zumindest an der Jungenschule ändern: „Die Berichte von den Mitschülern, die in Heusenstamm waren, wirken intensiver als das, was Eltern und Lehrer sagen“, sah Callan beim Abschlussabend das Ende von Vorurteilen an seiner Schule voraus, denn die sieben Jungen Engländer äußerten sich begeistert von ihrer Zeit in Deutschland.

Kälter sei's hier, registrierte der 15-jährige Louis. Die Straßenkünstler auf dem Römer fielen ihm auf, Patrick wunderte sich über die vielen Buchläden. Dan bemerkte, dass die Grundstücke um die Häuser in der Schlossstadt größer seien als bei ihm zuhause. Das gelte auch für die Schulhöfe. Der Unterricht beginne bei ihren Gastgebern viel früher, in England erst um 9 Uhr, lehrte Alex.

Sam bewertete das Programm des Aufenthalts als zu umfangreich, „es gab zu viele Aktivitäten“, fasste er zusammen. Und: „Es gibt gar nicht so viel Wurst, wie wir gedacht haben.“

Auch Özlem Yaman und Louis Callan haben gelernt. Die Führungen durch die Frankfurter Innenstadt und speziell im Goethehaus seien zu viel für die Schüler gewesen.

„Das nächste Mal werden wir mehr Zeit für Sport und Spaß einplanen“, resümierten sie vorm Büfett, das die Gasteltern und die beteiligten Lehrer der Reichwein-Schule zusammengetragen hatten. „Die Kultur kann später kommen.“ Während deutsche und englische Schüler bei den Ausflügen meist unter sich geblieben waren, klappten die Begegnungen in den Familien durchweg sehr gut. „Die Jungs haben sich sofort verstanden und an der X-Box gespielt“, erzählte Mutter Angela Seebauer. Ihr junger Gast Sam feierte gleich am ersten Tag seinen Geburtstag, wurde 15 Jahre alt.

„Freundlich, nett, offen“, charakterisierte Gudrun Müller ihren Besucher von der Insel.

Die Gruppe wurde vom Bürgermeister empfangen, ging Schlittschuhlaufen, maß sich in der Sporthalle in verschiedenen Disziplinen und lernte von Reichwein-Schülern in der Schulküche kochen. Barbara von Knorre vom Freundschaftskreis Tonbridge & Malling kam ebenfalls zum Abschiednehmen und überreichte 400 Euro aus der Vereinskasse an Konrektorin Huber. Das sei ein guter Grundstock für den Gegenbesuch in Kent, der im Mai folgen soll.

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