Glasfaserausbau

Ärger um Werbebriefe aus dem Rathaus in Heusenstamm: „Anschluss an die Zukunft nicht verpassen“

Glasfaser-Ausbau in Heusenstamm: Bereits im Juni 2017 hatte die Telekom begonnen, das Glasfasernetz auszubauen. Dem neuen Kooperationspartner der Stadt geht es um die Verbindung von den Verteilern zu den Häusern.
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Glasfaser-Ausbau in Heusenstamm: Bereits im Juni 2017 hatte die Telekom begonnen, das Glasfasernetz auszubauen – Werbebriefe für die Aktion aus dem Rathaus sorgen jetzt für Ärger bei den Bürgern.

In Heusenstamm bei Offenbach sorgen Werbebriefe aus dem Rathaus für Aufregung. Darin wirbt der Bürgermeister für den Abschluss eines Vertrags zur Internetversorgung.

Heusenstamm – Ein Schreiben des Bürgermeisters haben gestern viele Bürgerinnen und Bürger in ihren Briefkästen gefunden. Darin wirbt Halil Öztas dafür, einen Vertrag mit der Firma Teranet abzuschließen, um den Ausbau des Glasfasernetzes vom Verteiler zu den Haushalten zu ermöglichen. Wie berichtet, hat die Stadt Heusenstamm im März einen Kooperationsvertrag mit dem Kieler Unternehmen GVG Glasfaser GmbH, das unter dem Namen Teranet firmiert, abgeschlossen, um den weiteren Ausbau des Glasfasernetzes zu beschleunigen.

Die GVG Glasfaser sei bereit, 15 Millionen Euro zu investieren, wenn mindestens 40 Prozent der Heusenstammer Haushalte und Firmen einen Vertrag mit ihr abschließt. Der Anschluss ans Haus werde dann für die Eigentümer kostenfrei erfolgen. Die Verträge zur Internetversorgung kosten, je nach Umfang, allerdings mindestens 44,90 Euro im Monat, können aber, vom zweiten Jahr an, auf bis zu 74,90 Euro im Monat steigen. Die übliche Laufzeit solcher Verträge liegt bei zwei Jahren.

In seinem Brief wirbt Bürgermeister Halil Öztas für den Abschluss eines solchen Vertrags. Anlass ist der Start der Vermarktung, die am Montag, 17. Mai, beginnen soll. „Für diese Gelegenheit brauchen wir jetzt Ihre Unterstützung“, heißt es da unter anderem. Und: „Wir sollten diesen Anschluss an die Zukunft nicht verpassen.“ Am Ende des Schreibens macht der Rathauschef schließlich auf die Möglichkeiten aufmerksam, mit Teranet in Kontakt zu treten – unter anderem auch dienstags und donnerstags im Saal für Vereine.

Heusenstamms Bürgermeister Halil Öztas: „Brauchen Unterstützung“

„Von den Folgekosten für Hauseigentümer ist in dem Brief keine Rede“, meint dazu der Heusenstammer Erwin Heberer, der den Brief erhalten hat. Vernünftigerweise müsse man nämlich auch im Haus die vorhandenen Kupferkabel ersetzen, um wirklich schnelles Internet zu erhalten, erläutert der Hausbesitzer. Außerdem finde er es nicht gut, dass mit dem Briefkopf des Bürgermeisters für die Angelegenheit geworben werde und so der Eindruck entstehe, als sei dies eine Aktivität der Stadt Heusenstamm.

Viele seiner Nachbarn seien verunsichert, berichtet ein anderer Bürger: „Die Leute fragen, was das zu bedeuten hat“, sagt der Heusenstammer, der im Sommerfeld lebt. Zudem fragt er, ob der Bürgermeister so offen und deutlich Werbung machen dürfe für ein privates Unternehmen. Andere Empfänger des Schreibens verstehen nicht, ob sie nun einen Vertrag mit der Firma Teranet abschließen müssten.

Heusenstamm: Bürgermeister versteht Aufregung nicht

Bürgermeister Halil Öztas selbst versteht die Aufregung nicht. Die Stadt habe einen Kooperationsvertrag mit GVG Glasfaser, sagt er, in dem auch festgehalten sei, dass die Stadt dem Unternehmen beim Vertrieb behilflich sei. Das Neutralitätsgebot sehe er darin nicht verletzt, der Brief sei seriös und eben die Information darüber, dass der Vertrieb nun starte. Dafür habe er auch die Legitimation des Magistrats. Er möchte die Chance für schnelle Internetverbindungen allen bieten. Gerade während der Pandemie habe man ja gemerkt wie wichtig dies sei. Finanziert habe die Firma das Versenden der Briefe.

Die Kreisverwaltung bestätigte unserer Zeitung gestern jedenfalls auf Anfrage, dass jenes Schreiben der Kommunalaufsicht, die beim Kreis Offenbach ist, bereits vorliege und nun geprüft werde. Dazu werde man auch eine Stellungnahme des Heusenstammer Bürgermeisters einholen, hieß es. (Claudia Bechthold)

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