Wie Kanonenfutter für das Virus

Erzieherinnen fordern baldige Impfung und Verzicht auf Regelbetrieb

Schon zweimal in Quarantäne war die katholische Kita Maria Himmelskron an der Goethestraße. Kinder tragen das Coronavirus in sich, zeigen aber keine Symptome. Erzieherinnen fordern daher eine baldige Impfung.
+
Schon zweimal in Quarantäne war die katholische Kita Maria Himmelskron an der Goethestraße. Kinder tragen das Coronavirus in sich, zeigen aber keine Symptome. Erzieherinnen fordern daher eine baldige Impfung.

Mit drei Anliegen wenden sich die Erzieherinnen und Erzieher der drei katholischen Kindertageseinrichtungen in Heusenstamm in einem offenen Brief an Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, den Sozialminister Kai Klose und den Kultusminister Alexander Lorz. Es geht ihnen um die Situation in diesen und allen anderen Einrichtungen zur Kinderbetreuung durch die Pandemie.

Heusenstamm – Es geht ihnen um eine klare Regelung zur Notbetreuung in den Kitas und wer sie in Anspruch nehmen darf. Angesichts der Mutationen des Virus fordern sie die Verantwortlichen zudem auf, vorerst auf eine Rückkehr zum Regelbetrieb in den Einrichtungen zu verzichten. Und sie fordern die Impfung der dort Tätigen zum nächstmöglichen Zeitpunkt – auch zum Wohle der Kinder und Eltern, wie sie betonen.

„Wir haben wegen der Quarantäne nicht alle Kolleginnen und Kollegen erreichen können“, sagt Christine Seidewitz, die den Brief mit Martina Hartmann-Abass formuliert hat. Die Kita Maria Himmelskron konnte gerade wieder öffnen, die Kita Arche Noah ist derzeit geschlossen, nur St. Cäcilia hatte noch keine Quarantäne. Unterschrieben haben alle Erzieherinnen, die sie erreichen konnten.

„Wir fragen uns“, schreiben sie, warum Minister Lorz Anfang Januar in einem Brief nur erklärt habe, wie die Notbetreuung in den Schulen aussehen soll. „Kitas, die laut Hessischem Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder vonnull bis zehn Jahren ja auch zu den Bildungseinrichtungen gehören, werden in diesem Brief mit keinem Wort erwähnt, genau wie sie in der Öffentlichkeit und den Medien oft vergessen werden.“

Und Bouffier spreche in Interviews davon, dass Schulen und Kitas geschlossen seien, es lediglich eine Notbetreuung gäbe. Der Appell an die Eltern, wenn möglich das Kind nicht in die Einrichtung zu bringen, werde von manchen umgesetzt, von immer mehr Eltern aber nicht mehr beachtet, da jeder auch Argumente finde, warum aus seiner Sicht die Notbetreuung benötigt werde. „Resultat sind immer vollere Gruppen mit oft mehr als der Hälfte aller Kinder“, heißt es weiter in dem Brief. Resultat sei auch, dass die gute Zusammenarbeit mit Eltern, die man auch zum Wohl der Kinder anstrebe, nicht gelingen könne: „Es gibt großes Konfliktpotential durch diese Regelung beziehungsweise Nicht-Regelung, die Eltern und uns Erzieher zusätzlich belastet, das Vertrauensverhältnis auf lange Sicht erschüttert. Es scheint als wolle die Politik es sich nicht mit den potenziellen Wählern verscherzen und bleibt deshalb bei den Regelungen unklar.“

Nachweislich ist mittlerweile bekannt, dass viele Kinder trotz Infektion keine Symptome zeigen und ansteckend sind. Auch wenn die Erzieherinnen Masken tragen und lüften, seien sie oft mit bis zu 20 Menschen in einem Raum, die keine Maske tragen und keinen Abstand halten können, was für Kinder normal sei.

Dazu komme die Mutation des Virus, das sich nachweislich schneller und besonders unter Kindern und Jugendlichen verbreitet.

Die über Monate anhaltende Sorge der Erzieherinnen um die eigene Gesundheit und die der eigenen Familie zermürbe mental und es sei kein Wunder, dass viele Kolleginnen diesen psychischen Druck kaum aushalten.

Und beim einzigen Schutz, der Impfung, der Erzieherinnen wirklich helfen könnte, „nicht wie Kanonenfutter dem Virus ausgesetzt zu sein“, seien sie frühestens im Juni, vielleicht auch erst im Herbst an der Reihe. (Von Claudia Bechthold)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare