„Wir stören doch keinen!“

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Nicht nur die Pferde, auch die beiden Esel des Reit- und Fahrvereins sind beliebt.

Heusenstamm - Leuchtende Kinderaugen, zufriedenes Lachen, alles scheint wie immer beim Ponyreiten des Reit- und Fahrvereins. Doch beim außerplanmäßigen Tag der offenen Tür war außer den unbeschwerten Kindern niemand guter Laune. Von Peter Petrat

Der Verein informierte am Wochenende über das bevorstehende Aus. Eine Abrissverfügung für Stall und Clubhaus bedroht die Reiter. „Wir mussten aktiv werden“, erläutert Sportwartin Diana Holocek, „sonst ist der Verein im nächsten Jahr am Ende.“ Mitglieder und Gönner des Vereins können einfach nicht verstehen, wieso der Kreis als Baubehörde nun so auf den Abriss beharrt. Sie fühlen sich unverstanden, benachteiligt und in ihrer sozialen und kulturellen Bedeutung verkannt.

Wie berichtet, hat der Besitzer des Geländes am Nieder-Röder Weg, Landwirt Markus Wöhl, vom Kreis Offenbach als Bauaufsichtsbehörde eine Abrissverfügung für die Gebäude erhalten, die zum Teil schon vor mehr als 20 Jahren dort ohne Genehmigung errichtet wurden.

„Als Grund genannte Einsturzgefahr können wir widerlegen“

„Seit 40 Jahren sind wir ein aktiver Verein mit vielen Jugendlichen; von 100 Mitgliedern sind 80 Kinder“, betont Holocek, „wir tragen uns selbst, haben die Stadt noch nichts gekostet, wie das viele andere Vereine tun.“ Alles werde in Eigenregie erledigt. Die Stadt habe vom Verein, der regelmäßig auch den „Stern des Sports“ gewinnt, nur Vorteile. Unabhängig vom sozialen und gesellschaftlichen Charakter eines jeden Vereins gäbe es dort vieles, was für Heusenstamm einzigartig sei.

So lernen viele Kinder und Jugendliche im Umgang mit den Tieren zum ersten Mal Verantwortung zu übernehmen. Und auch als Trost und Stütze in der Pubertät seien die Stunden im Stall wichtig. „Öfter kommt es vor, dass sich junge Mädels zu ihrem Pferd setzen und sich die Enttäuschung der ersten großen Liebe von der Seele weinen“, berichtet die Sportwartin. Aber auch behinderte Kinder der Schule am Goldberg sammeln wichtige Erfahrungen mit den Tieren. Ponyreiten, Familienfeste und Schnitzeljagden - jedes Jahr biete der Vereine viele gut besuchte Events an und sei auch bei Veranstaltungen der Stadt gerne gesehen.

Die in der Abrissverfügung als Grund genannte Einsturzgefahr der Gebäude könne man widerlegen. Ein Statiker sei bereits vor Ort gewesen, ein Gutachten könne jederzeit angefertigt werden. Und selbst wenn etwas zu reparieren wäre, würde Landwirt Markus Wöhl in die Zukunft des Vereins investieren. Erst im vergangenen Jahr habe der Stall ein neues Dach bekommen.

Man hofft auf eine Ausnahme

„Wir stören hier doch keinen“, sind sich die Reiter einig. „Die Pferde fügen sich gut in die Natur ein. Viele Bürger wissen nicht einmal, dass dort ein Stall steht. Selbst der bestellte Statiker hatte Mühe, das Vereinsgelände zu finden. An anderen Stellen wird abgeholzt und wir dürfen nicht einmal bleiben?“ Der Verein sei auch bereit, bis vor das Verwaltungsgericht zu ziehen.

Natürlich möchte man, dass die Bauten nun nachträglich legalisiert werden. Zumindest hofft man auf eine Ausnahme, damit der Verein weiterbestehen kann.

Selbst wenn die Stadt ein Ausweichgelände anbieten würde, könnte sich der Verein das nicht leisten. Eine Umverteilung auf andere Ställe sei ebenfalls nicht machbar, Feste und Veranstaltungen nicht mehr möglich und auch das erst vor kurzem angeschaffte Vereinspferd ließe sich dann nicht mehr tragen. Der Verein wäre am Ende.

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