Katrin Rebell

„Da wird jeder gebraucht“

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Katrin Rebell ist seit drei Jahren zweite stellvertretende Wehrführerin der Freiwilligen Brandschützer in Heusenstamm.

Heusenstamm - Sie war im Kreis Offenbach die erste Frau in einer Wehrführung. Aber auch beruflich hat Katrin Rebell inzwischen mit dem Brandschutz zu tun. Im Alter von zwölf Jahren hat sie sich mit dem Feuerwehr-Virus infiziert. Von Claudia Bechthold

Katrin Rebell packt an. Gemeinsam mit ihren Kameraden arbeitet sie während einer Übung an einem Unfallauto. Es gilt, den „verletzten Fahrer“ – es ist eine Puppe – aus dem Fahrzeug zu befreien. Mit Hilfe einer schweren Rettungsschere wollen ihr Kamerad und sie den Holm des Autos durchtrennen, um später das Dach abnehmen zu können. So kann ein Verletzter über ein „Spineboard“ (ein starres Kunststoffbrett) schonend nach hinten vom Sitz gehoben werden.

Die zweite stellvertretende Wehrführerin der Feuerwehr Heusenstamm arbeitet bei dieser Übung wie jedes andere Mitglied der Einsatzabteilung mit. Das ist für Katrin Rebell völlig normal: „Ich muss nicht immer vorne sitzen“, sagt sie, denn einerseits gewinne man Erfahrung nur, wenn man etwas tut, und andererseits habe sie keine Probleme sich unterzuordnen. Denn gerade bei Einsätzen muss es immer eine Person geben, die das Sagen hat, der alle „gehorchen“. Schon wegen der Sicherheit der eigenen Leute ist das Feuerwehrwesen an dieser Stelle sehr hierarchisch organisiert.

Die ganze Familie Rebell ist bei der Heusenstammer Feuerwehr aktiv. Vater Horst ist Vorsitzender des Fördervereins und Mitglied der Einsatzabteilung, Mutter Christina ist gemeinsam mit Petra Klein für die Kinderfeuerwehr verantwortlich und auch Bruder Simon ist aktives Mitglied. Katrin Rebell aber verbindet seit einiger Zeit ihr Hobby auch mit dem Beruf. Und sie ist die erste Frau, die im Kreis Offenbach in Führung einer Wehr gewählt wurde. Bislang gibt es im Kreis mit Vanessa Swiridow nur noch eine weitere Frau in einer solchen Position, in diesem Fall bei der Feuerwehr in Rembrücken.

Vor drei Jahren haben die Mitglieder der Heusenstammer Einsatzabteilung Katrin Rebell in die Führung gewählt. Zuvor hatte sie zwei Jahre als Vertreterin der Aktiven schon viel mit der Leitung zu tun. „Man ist sozusagen das Sprachrohr der Mannschaft“, erläutert die 30-Jährige diese Aufgabe.

Als man sie gefragt hat, ob sie diese Position übernehmen wolle, habe sie sich das gut überlegt: „Ich hatte vor allem das Gefühl, dass die Mannschaft hinter mir steht, und dass es sich lohnt, sich zu engagieren, weil man auch tatsächlich etwas erreichen kann“, erläutert sie ihre Beweggründe zur Zustimmung. Ihr sei aber auch klar gewesen, dass die Übernahme dieser Aufgabe nicht immer ein Zuckerschlecken sei.

Nach Wehrführer Norbert Herdt und erstem Stellvertreter Marco Schmidtke ist sie nun zweite Stellvertreterin. Bereut hat sie diesen Schritt bislang nicht: „Wir ergänzen uns gut und sind in 95 Prozent der Fälle einer Meinung“, versichert sie. „Und in den anderen fünf Prozent finden wir schnell eine gemeinsame Sprachregelung. „Wir reden viel miteinander“, erläutert sie das Erfolgskonzept dieses Dreier-Teams. Zudem habe man die Aufgaben untereinander aufgeteilt. „Wir ergänzen uns fast blind.“

Als Zwölfjährige kam sie erstmals mit einer Klassenkameradin zur Jugendfeuerwehr in Rembrücken. Beim Heusenstammer Pendant gab es damals noch keine Mädchen. Ein wenig vorbelastet durch den Vater, der beim Deutschen Roten Kreuz engagiert war, fing sie schnell Feuer, so sehr, dass sie zwei Jahre später ihren Bruder Simon davon überzeugen konnte.

Bilder: Feuerwehrfest in Heusenstamm

Was ihr gefallen hat? „Egal was man schon kann oder noch nicht beherrscht, es gibt für jeden eine Aufgabe, jeder wird gebraucht.“ 2005 wechselte Katrin Rebell in die Einsatzabteilung, zunächst in Rembrücken, später in Heusenstamm, weil sie dort wohnt. Für den Nachwuchs war sie noch lange als Jugendleiterin und stellvertretende Jugendwartin aktiv. Bis heute ist sie übrigens in der Leitung der Kreisjugendfeuerwehr zuständig für die Organisation von Wettbewerben.

Inzwischen hat die Heusenstammerin ihr Hobby auch zum Beruf gemacht. Sie ist seit mehr als einem Jahr Sachbearbeiterin der Stabstelle Brand- und Katastrophenschutz bei der Stadtverwaltung, „Feuerwehr macht man ganz oder gar nicht“, sagt sie. Frauen sind bei den Brandschützern längst akzeptiert: „Man muss dazu passen und darf sich nicht unterbuttern lassen.“ Und ihr Lebensgefährte? Der ist auch aktiver Feuerwehrmann.

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