Haarschnitt zu Hause

Friseurin schließt ihren Salon und macht mobil weiter

Friseurmeisterin Gaby Kirchner schließt ihren Salon in Heusenstamm bei Offenbach und übernimmt nun mit dem eigens angeschafften mobilen Waschbecken Hausbesuche.
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Friseurmeisterin Gaby Kirchner schließt ihren Salon in Heusenstamm bei Offenbach und übernimmt nun mit dem eigens angeschafften mobilen Waschbecken Hausbesuche.

Die Friseurin Gaby Kirchner schließt ihren Salon in Heusenstamm bei Offenbach. Doch ihren Beruf will sie weiter ausüben. Zukünftig stattet sie Kunden Hausbesuche ab.

Heusenstamm - Ein roter Container an der Frankfurter Straße zeigt an: Im Salon Gaby in der Hausnummer 29 steht Veränderung ins Haus. Die Schaufenster sind mit Folie verhängt und das Ladengeschäft ist so gut wie leer. Ein paar Überbleibsel zeugen noch vom Friseurbetrieb. Ans Aufhören denkt Inhaberin Gaby Kirchner aber noch lange nicht.

Denn Schere, Föhn und Handspiegel haben schon ihren neuen Platz im Auto der 63-Jährigen gefunden. Wenn sich irgendwo eine Salontüre schließt, öffnet sich woanders der Kofferraumdeckel. „Es ist Zeit für etwas Neues“, findet die Inhaberin des Traditionsgeschäfts. Ab Juni verringert sie ihr Arbeitspensum und kommt – sogar ausgestattet mit einem mobilen Waschbecken – zu ihren Kunden nach Hause. Diese Idee sei zwar durch Corona forciert, aber nicht geboren worden. „Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, auf Hausbesuche umzusteigen“, erzählt Gaby Kirchner. „Eigentlich muss ich nicht mehr arbeiten – aber ich kann es auch nicht lassen.“

Heusenstamm bei Offenbach: Friseurmeisterin schon früh in Berührung mit ihrem Beruf

Die Friseurmeisterin kam schon früh in Berührung mit ihrem Beruf. Ihr Vater Franz Sattler gründete den Salon an selber Stelle bereits im Mai 1933. Der „Schnuudebutzer“, wie der Friseur im Alten Ort genannt wurde, erhielt damals Unterstützung von seiner Frau und auch die Tochter packte mit ihren Geschwistern später mit an. Kirchner berichtet: „Ich durfte immer die Handtücher waschen.“ Die Anschaffung einer Schleuder ist der 63-Jährigen besonders im Gedächtnis geblieben. „Das hat natürliches vieles leichter gemacht“, meint die Frohnatur und lacht.

Für Gaby Kirchner war klar, den Beruf des Vaters ebenso erlernen zu wollen. Während es zu der Zeit von Kirchers Mutter noch üblich war, als helfende Ehefrau dem Mann zur Hand zur gehen, konnte die Tochter den Beruf selbst erlernen. „Das habe ich aber ganz bewusst in einem Betrieb in Offenbach gemacht“, erzählt sie. Nach dem Erhalt des Gesellenbriefs im Juli 1975 volontierte die Friseurin noch in anderen Salons, ehe sie im November desselben Jahres ins elterliche Geschäft einstieg. 1980 folgte der Meisterbrief, 1981 übernahm sie den Salon von den Eltern, die sich fortan voll auf die 1971 gegründete Pietät konzentrieren konnten. Zwischendurch kam Sohn Sascha auf die Welt. „Es hat einfach immer alles irgendwie gepasst“, resümiert Gaby Kirchner, obgleich sie weiß, wie viel Ehrgeiz sie in ihren Herzensberuf gesteckt hat: „Mein Mann hat mich in jeder freien Sekunde zur Prüfung abgefragt – der hat den Meister genauso gemacht wie ich.“

Friseurin in Heusenstamm bei Offenbach: Dauerwelle „kann eben nur ein Friseur“

Während sie in der Ausbildung eher mit klassischen Schnitten zu tun hatte, konfrontierten die 1980er Jahre die frischgebackene Meisterin mit Trends wie Dauerwelle, Strähnchen und Föhnfrisur. „Das kann eben nur ein Friseur“, findet sie.

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Doch auch abgesehen vom handwerklichen Geschick nehme diese Berufsgruppe eine weitere wichtige Rolle ein: die des Zuhörers. „Wir wissen oft mehr als die Ehemänner“, sagt die Heusenstammerin und lacht. Darüber hinaus sollte ein Friseur viel Einfühlungsvermögen haben; die Chemie müsse stimmen. „Die richtige Beratung ist das A und O für einen zufriedenstellenden Besuch im Salon.“ Zum Alltag gehöre allerdings nicht nur der Klatsch und Tratsch, sondern auch mal ein ernstes Wort: „Kunden kommen manchmal mit Farb- oder Schnittwünschen, die einfach nicht zu ihnen passen“, sagt Kirchner. Die Kunst bestehe darin, einen ernst gemeinten Rat in liebe Worte zu verpacken.

Friseurbesuche zu Hause in Heusenstamm bei Offenbach

Manche Kunden haben etwas geknickt reagiert, als die 63-Jährige ihre Pläne mit den Hausbesuchen eröffnete: „Viele sehen das als kleinen Wellness-Ausflug in den Salon.“ Und das ist es, was Gaby Kirchner antreibt: Wenn sie sieht, dass ihre Kunden strahlend und zufrieden den Laden verlassen, ist auch sie glücklich. Sie blickt der Veränderung positiv entgegen. „Ich freue mich auf die neue Herausforderung – denn so ein Laden ist ja trotz allem ein bisschen Ballast.“ Aus diesem Grund hat sie auch nicht viele Möbelstücke aus dem „Salon Gaby“ behalten. Lediglich ein Spiegel dient nun zwei Stockwerke weiter oben weiterhin als Frisiertisch.

„Das mit den Corona-Tests war mir einfach zu umständlich“, sagt sie. Die Lösung, lediglich sich selbst zu testen und anschließend Kunden zu besuchen, erwies sich schon als praktikabler. Während die Pietät, die inzwischen Sohn Sascha Kirchner führt, nun in die Räumlichkeiten des Salons zieht, nimmt Gaby Kirchner bereits Terminwünsche unter der Rufnummer 0173 4566777 entgegen. (Lisa Schmedemann)

Monika Heberers Friseursalon in Heusenstamm bei Offenbach hat eine 90-jährige Familiengeschichte.

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