Heusenstammer Kundgebung gegen Antisemitismus

Zeichen der Hoffnung

Mehr als 250 Menschen waren zur Kundgebung am Bahnhof gekommen.
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Mehr als 250 Menschen waren zur Kundgebung am Bahnhof gekommen.

„Es macht Hoffnung“, dass so viele Menschen zusammengekommen seien, um ein Zeichen zu setzen. Gernot Richter, der gemeinsam mit Brigitte und Bernd Fischer die Resolution formuliert hatte, betonte, die Totenruhe des jüdischen Friedhofs in Heusenstamm sei nicht zum ersten Mal gestört worden. Neu sei aber, dass alle politischen Vertreter einstimmig eine solche Tat verurteilen und sich klar bekennen.

Heusenstamm – Mehr als 250 Menschen bekannten sich am Donnerstagabend auf dem Bahnhofsplatz zu einem weltoffenen Heusenstamm ohne Antisemitismus, Hass, Gewalt und Ausgrenzung.

Wie berichtet, war der jüdische Friedhof Anfang vergangener Woche geschändet worden. Nazi-Symbole und Beleidigungen waren auf Grabsteine gesprüht worden. Am Mittwoch hatte das Stadtparlament die Resolution einstimmig verabschiedet. Und die Stadt hatte zu jener Kundgebung eingeladen, die mit einem Gebet des Rabbiners Mendel Gurewitz an jenem Friedhof begonnen hatte.

„Wer immer diese Tat begangen hat, ist nicht Heusenstamm“

„Wer immer diese Tat begangen hat, ist nicht Heusenstamm“ sagte Bürgermeister Halil Öztas, der auch viele Politiker und Vertreter verschiedener Institutionen begrüßen konnte. Die Schlossstadt sei ein sicherer Platz für alle, gleich welcher Religion oder Herkunft.

Als pure Menschenverachtung und puren Antisemitismus bezeichnete Alon U. Meyer, Präsident des jüdischen Sportverbands Makkabi, die Tat. Er dankte den Menschen, die zeigten: „Nicht mit uns“, und forderte, man müsse laut sein für das, was ein friedliches Zusammensein ausmacht.

„Wenn wir schweigen, sehe ich Schwarz für Europa“, fügte Henryk Fridman vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Offenbach, an: „Sie können dazu beitragen, dass sich 1938 nicht wiederholt.“

Die Resolution verlas schließlich Stadtverordnetenvorsteher Peter Jakoby: „Wir wollen damit zeigen, dass wir solche Verbrechen nicht dulden, uns für die Täter schämen und die Toten um Verzeihung bitten.“ (Claudia Bechthold)

Resolution der Stadtverordnetenversammlung

Der jüdische Friedhof in Heusenstamm wurde geschändet. Grabsteine wurden mit Nazi-Symbolen, Beleidigungen und anderen Zeichnungen beschmiert. Die Stadtverordnetenversammlung verurteilt diese Straftat aufs Schärfste.

Die Totenruhe zu stören, ist keine politische Meinungsäußerung. Es ist vielmehr eine Straftat geprägt von Hass und antisemitischen Motiven. Diese stehen im Kontext des in Deutschland verbreiteten Antisemitismus, mit dem Menschen jüdischen Glaubens angegriffen werden.

Für Hass, Gewalt, Ausgrenzung und Antisemitismus ist in Heusenstamm und auch anderswo kein Platz. Hier leben Menschen unterschiedlicher Religionen und Herkunft friedlich miteinander auf der Grundlage gemeinsamer Werte von Demokratie und Toleranz.

Der aktuelle israelisch-palästinensische Konflikt muss mit politischen Mitteln so gelöst werden, dass der israelischen und palästinensischen Bevölkerung ein Leben in Sicherheit und Selbstbestimmung garantiert wird. Dieser Konflikt darf nicht Anlass sein für Angriffe auf Menschen jüdischen Glaubens und ihre Kultur.

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