Bürgermeister-Kandidaten im Gespräch

400 Zuhörer bei großer Podiumsdiskussion

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Großer Andrang herrschte am Donnerstagabend zum Bürgermeisterforum der Offenbach-Post in der TSV-Halle.

Heusenstamm - Kommenden Sonntag, 27. September, hat Heusenstamm die Wahl: Vier Kandidaten – zwei Vertreter der großen Volksparteien und zwei parteilose – kämpfen um das Amt des Bürgermeisters. Von Nina Beck

Beim Bürgermeisterforum unserer Zeitung in der TSV-Halle konnten sich Unentschlossene ein Bild von allen Bewerbern machen und eigene Fragen stellen. „Wir hatten schon damit gerechnet, dass viele Leute kommen. Aber dass es so viele sind, das hätten wir nicht gedacht.“ Als Heusenstamm-Redakteurin Claudia Bechthold diese Worte spricht, hat das Bürgermeisterforum in der TSV-Halle noch gar nicht begonnen – doch schon jetzt ist die Halle bis auf den letzten Platz besetzt. 400 Stühle sind gestellt, mehr Leute dürfen nicht rein. Eine Frau, die noch vor der Tür steht, regt an, dass das eine oder andere Mitglied der politischen „Entourage“ zugunsten von Bürgern, die sich informieren wollen, seinen Platz räumen könnte. Und tatsächlich steht etwa eine Handvoll Leute auf und verlässt die Halle. Das Interesse ist groß, die Erwartungen sind hoch.

Nachdem Uwe Giebl (CDU), Halil Öztas (SPD), Thomas Hartmann und Hans-Peter Löw (beide parteilos) kurz Gelegenheit hatten, sich vorzustellen, wird’s ernst: Redakteurin Bechthold, die gemeinsam mit Mitarbeiter Peter Petrat die Podiumsdiskussion leitet, will angesichts des Haushaltsdefizits der Schlossstadt von den Kandidaten wissen, wo sie konkret den Rotstift ansetzen würden. Einzig Öztas indes wartet tatsächlich mit konkreten Beispielen auf: Auf das Riesenfeuerwerk beim Bahnhofsfest ließe sich verzichten, regt der 38 Jahre alte Rechtsanwalt an. Zudem vergebe die Stadt viele Aufträge an externe Berater, „die wir juristisch auch selbst bewältigen könnten“, ist er überzeugt.

Die Besucher konnten eigene Fragen an die Kandidaten loswerden.

Marketingfachmann Hartmann will zunächst eine Stärken-/Schwächenanalyse „im Gesamtzusammenhang des kompletten Haushalts“ aufstellen. Und er möchte die Bürger beteiligen. Zudem setzt er auf verstärkte interkommunale Zusammenarbeit sowie eine Stärkung des Stadtmarketings und Sponsorings im Kulturbereich. Ähnlich fällt die Antwort Löws aus: Er sehe den Schwerpunkt bei der Ausgabenseite und strebe eine strategische Haushaltskonsolidierung an. Dabei lege auch er Wert auf Bürgerbeteiligung sowie eine „sozialverträgliche Gestaltung“. Giebl schließlich spricht von Pflicht- und freiwilligen Aufgaben, erinnert an das sogenannte Konnexitätsprinzip („Wer bestellt, zahlt“) und sagt, wo er nicht sparen will: beim Brandschutz und im Sozialbereich. Gegebenenfalls, sagt der 55-jährige derzeitige Bürgermeister der Gemeinde Hergatz, könne man in der Verwaltung noch straffen.

Unterstützung für die Feuerwehr

Bedenken, dass ihnen als künftige Bürgermeister Heusenstamms die Hände gebunden sein könnten, wenn im Parlament keine Fraktionsmehrheit hinter ihnen stünde, hat keiner: Hartmann und Löw pochen auf die Vorteile einer Parteiunabhängigkeit und darauf, dass sie jede Fraktion sowie die Bürger frühzeitig informieren könnten. Giebl sagt, er trete „zwar für die CDU an, will aber Bürgermeister aller Bürger sein“. In seiner jetzigen Gemeinde müsse er sich auch Mehrheiten suchen, das sei er gewohnt. Große Aufgaben ließen sich ohnehin nur mit allen Fraktionen gemeinsam lösen. Und Öztas ergänzt, er gehe davon aus, dass „der Wille der Bürger“, die ja den Bürgermeister wählen, zähle. „Die Fraktionen werden das akzeptieren und gedeihlich zusammenarbeiten.“

Auf eine Anfrage von Stadtbrandinspektor Gregor Fanroth sichern alle vier Kandidaten der Feuerwehr ihre Unterstützung zu, wobei Löw explizit auch von der Jugendfeuerwehr spricht. Während Giebl und Hartmann sich Anreize für das Ehrenamt vorstellen könnten wie etwa Freikarten fürs Freibad oder gar kostenlose Kita-Betreuung, äußert Öztas Zweifel, was eine „monetäre Gegenleistung“ anbelangt.

Bilder: Bürgermeisterforum in TSV-Halle

Anreize will er dagegen für junge Familien schaffen, sich in Heusenstamm anzusiedeln. Deshalb plädiert er als einziger für eine Reduzierung der Kita-Gebühren. „Wenn wir zehn Prozent beim Gesamthaushalt kürzen, würde das nicht wehtun. Das Geld könnten wir in der Kinderbetreuung einsetzen“, so Öztas. Für angemessen halten die anderen Kandidaten dagegen die derzeitige Betreuungs- und Kostensituation. Während Löw vorschlägt, Gebühren einkommensabhängig zu staffeln – der Verwaltungsaufwand sei seiner Erfahrung nach kein großes Problem – wendet sich Giebl gegen diesen Vorschlag.

Welches Alleinstellungsmerkmal die Kandidaten für sich in Anspruch nehmen, lautet eine Frage aus dem Publikum. „Ich bin der Jüngste hier“, antwortet Öztas schlagfertig. „Und ich gebe konkrete Antworten, so weit ich kann.“ Hartmann (53) knüpft an, er sei zwar nicht der Jüngste, aber „im Kopf jung geblieben“. Er verweist vor allem auf seine „breite Berufserfahrung“ vom Marketing über die Unternehmensberatung bis zum Kulturbetrieb. Löw nennt seine 30-jährige Verwaltungserfahrung vor Ort als Alleinstellungsmerkmal, in Kombination mit seiner naturwissenschaftlichen Ausbildung. Und Giebl wirbt: „Ab 2. Januar erhalten Sie mit mir einen fix und fertig ausgebildeten Bürgermeister, der keine Einarbeitungszeit benötigt.“ Er kenne noch viele Mitarbeiter der Verwaltung und sei über seine Partei gut vernetzt, mit „direktem Draht nach Wiesbaden“.

Gut zwei Stunden später geben die Vier ihre Schlussstatements ab. Die Halle leert sich so schnell, wie sie sich gefüllt hatte. „Das muss ich jetzt erstmal sacken lassen“, sagt eine junge Besucherin.

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