Vortrag über Professor Thomas Engel

Mit zwei Eimern fing alles an

Wolfgang Schaper und Volker Schneider führten einige der Engel-Erfindungen auch vor.
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Wolfgang Schaper und Volker Schneider führten einige der Engel-Erfindungen auch vor.

Heusenstamm - Große Söhne oder Töchter einer Stadt haben meist berühmte Namen, die jeder kennt. Das ist bei Professor Thomas Engel nicht der Fall. Nicht einmal Wikipedia kennt diesen Mann, dem die Welt so viel zu verdanken hat. Von Claudia Bechthold

„Vom Tellerwäscher zum Millionär“ nannten Dr. Volker Schneider und Dr. Wolfgang Schaper ihren Vortrag über den Heusenstammer, dem diese Art der Traumkarriere gelungen ist. Nicht nur seinem genialen Einfallsreichtum hat Thomas Engel seinen Erfolg zu verdanken. Ihn zeichnen auch Kreativität, Hartnäckigkeit, Neugier und „Bienenfleiß“ aus. Und er hat wirklich als 19-Jähriger nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1946 als Tellerwäscher bei einer in Offenbach stationierten Einheit des amerikanischen Militärs angefangen. Nicht lange, denn schon bald wurde er zum Küchenjungen befördert und war für das Frühstück der Soldaten zuständig.

Als jene Einheit verlegt wurde, war der Job weg. Die Währungsreform nahm ihm das für ein Studium gesparte Geld, ein schwerer Unfall warf ihn zurück, seine Mutter starb. Da fielen ihm eines Tages zwei Eimer in einem Schaufenster auf. Der eine war aus Metall, hatte eine Email-Beschichtung und kostete vier Mark. Der andere war aus Kunststoff und kostete 48 Mark. Dieser immense Preisunterschied hat Thomas Engel neugierig gemacht. Warum war dieser Eimer so teuer? Und es musste doch einen Weg geben, diesen preisgünstiger herzustellen.

Thomas Engel hat recherchiert und nachgelesen, er hat beobachtet und gefragt, und er hat ausprobiert, immer wieder. So machte er Bekanntschaft mit dem Kunststoff Polyethylen (PE).

Rasch war ihm klar, dass dieser Werkstoff als Pulver sehr viel vielseitiger war als in der Form des Granulats, in der das PE meist vertrieben wurde. Doch das Zermahlen des Granulats scheiterte immer wieder an der Hitze, die dabei entstand. Das Polyethylen schmolz und verklebte das Mahlwerk. Bis Thomas Engel herausfand, dass dies bei exakt 70 Grad Celsius nicht passierte. Nun konnte er das Granulat sehr viel günstiger mahlen als die Industrie. Es war sein erstes Patent und brachte die ersten großen Erträge. Dieser Entdeckung folgten weitere, die er ebenfalls als Patente eintragen ließ. Mehr als 120 wurden es im Lauf der Jahre. Dazu zählt die erste Rasenheizung im Münchner Olympiastadion. Thomas Engel wurde zum Millionär.

Zum Vortrag im Haus der Stadtgeschichte war auch seine Familie gekommen. Seine beiden Söhne unter anderem und seine erste Frau. Und Freunde aus früheren Zeiten. Nur Thomas Engel selbst war nicht dabei. Der heute 86-Jährige lebt in der Schweiz und ist gesundheitlich nicht fit genug für eine größere Reise.

Anteil genommen am Vortrag des Heimat- und Geschichtsvereins hat er dennoch. Denn wenige Tage vor dem Termin am Sonntagnachmittag klingelte das Telefon bei Volker Schneider. Thomas Engel war dran und sprach sogleich eine Einladung aus: Schneider und Schaper mögen ihn doch bald besuchen, denn er habe wieder eine große Erfindung gemacht. Die beiden wollen die Einladung annehmen und den Heusenstammern dann berichten, was es Neues gibt vom genialen Tom Engel.

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