Auf Friedhof: Zwölf neue Stelen für Urnen

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Zwölf zusätzliche Säulen mit Nischen für Urnen vollenden nun die zweite Stelen-Insel auf dem Heusenstammer Friedhof.

Heusenstamm - Neue Form der Bestattung wird gut angenommen. Insgesamt stehen nun 40 Säulen aus Betonwerkstein mit vier oder acht Nischen auf dem Friedhof. Von Claudia Bechthold

Der Pizza-Bote fand es offensichtlich völlig normal: Fünf Pizzen auf den Friedhof bringen, lautete der Auftrag, den der junge Mann gestern Mittag ohne mit der Wimper zu zucken erledigt hat. Und die Bestellung war ja auch völlig harmlos. Die Arbeiter, die gesten zwölf neue Urnenstelen auf dem Friedhof aufgestellt haben, mussten ja auch mal etwas essen.

Damit wird die Urnenstelenanlage vollendet, mit der die Stadt seit 2010 eine neue Form der Beisetzung ermöglicht hat. Im ersten Bauabschnitt waren 2010 16 solcher Stelen mit vier oder acht Nischen aufgestellt worden. „Bewusst als eine Art Insel und zueinander versetzt“, sagt Bürgermeister Peter Jakoby, „damit es sich abgrenzt von den Erdgräbern, aber durchschaubar bleibt“. Eine zweite Insel mit zwölf Stelen folgte 2012, die nun mit einem weiteren Dutzend dieser Säulen ergänzt wurde. Vier Stelen haben acht Kammern, acht je vier Nischen. Die Stelen-Inseln sind geplant wie ein kleiner Garten. Büsche und Sträucher säumen die Anlagen, Bäume überspannen die Säulen. Es sind weißblühende Kirschen, die sogenannte „Tokyo-Kirsche“, die etwa Ende März zu blühen beginnt. „Das sieht dann wunderschön aus“, schwärmt der Bürgermeister.

1,6 Tonnen wiegt eine einzige Säule. Von einem Autokran müssen die Stelen daher an den Platz gehievt werden, an dem sie stehen sollen. Sehr genau achten die Arbeiter darauf, dass die Stelen gerade stehen, der Abstand zur Nachbarsäule stimmt und alles fest verankert wird. Aus Betonwerkstein sind sie hergestellt, nehmen farblich den Sandstein auf, der in der Schlossstadt an vielen Stellen zu finden ist. Die Platten, mit denen die Nischen verschlossen werden, sind aus Granit.

Die Grabstätten werden gern genutzt, berichtet Jakoby. Für Angehörige zum Beispiel, die weit entfernt wohnen, sei es doch eine ideale Lösung. Deshalb sollte eigentlich auch nichts an den Kammern angebracht werden, mal abgesehen vom Namensschild. Dennoch stecken Blumen in Ritzen, stehen Schalen mit Pflanzen davor. „Wenn es nicht überhand nimmt oder kaputt ist, sind wir da ein bisschen großzügig“, sagt Jakoby.

Nachgedacht werde derzeit über weitere neue Bestattungsformen, etwa in der Ar eines Friedwaldes. Aber das sei noch völlig offen. Die gesamte Stelen-Anlage hat rund 150.000 Euro gekostet.

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