Kleiderkammer der Karnevalisten

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Leon Obmann und Line Schallmayer, die Moderatoren der TS-Kindersitzung, haben sich für ihren großen Auftritt mit Großmutters Schlafanzügen aus der Requisitenkammer ausstaffiert.

Rödermark - Selbst die ganz Jungen bedienen sich aus den Beständen der Alten. Line Schallmayer und Leon Obmann haben im Kostümkeller der „rod Scheier“ gekramt und zwei Schlafanzüge von anno dazumals samt passender Hauben gefunden. Von Michael Löw

Wir sind dem Beispiel von Line und Leon gefolgt und haben uns mal in den närrischen Kleiderkammern von TS und TG Ober-Roden sowie vom KSV Urberach umgeschaut. Es war eine vergnügliche Zeitreise durch den Rödermärker Karneval.

„Bei 200 Kostümen habe ich aufgehört zu zählen“, sagt Nicole Obmann, die zwischen den ganzen Regalen den Überblick behält. Fast alles ist selbst geschneidert, weil es sich kein Verein leisten kann, Kostüme in Tanzgruppenstärke zu kaufen. Manche der Fastnachtsklamotten hängen seit Jahren unbenutzt an den Kleiderständern. Andere - wie die vor fast 40 Jahren von Sigrid Merker genähten Röcke feuriger Spanierinnen - tauchen immer wieder auf der Bühne der Turnerschaft auf.

Hildegard Löbig betreut den großen Kostümfundus im Keller des KSV-Heims zusammen mit Birgit Lamprecht und Anni Happel.

Karlheinz Weber, Oberkarnevalist der Turngemeinde und Vereinsvorsitzender in Personalunion, hat einen Teil der Fastnachtsrequisiten daheim auf dem Dachboden eingelagert. „Das ist mein Heiligtum. Da darf nicht mal meine Frau was anfassen, weil sie dann was wegwirft“, verteidigt er seine Schätze. An jedem Kostüm hängt auch eine Erinnerung. Die üppig mit Samt und Brokat verzierte grün-weiße Prinzenjoppe zum Beispiel trug Karlheinz Weber, als er 1972 mit seiner Frau Ulrike die Ober-Röder Narren regierte. Aus der Hoch-Zeit der TG-Hexenrummel stammt ein Satz knielanger Oma-Unterhosen, die die Damen damals noch zubinden mussten. Die Riesendessous werden heute immer noch gern für Preismaskenbälle verliehen. Da sind sie echte Hingucker. Doch sonst hält Karlheinz Weber die Sachen unter Verschluss - sicher ist sicher.

Frühere Fußballer-Umkleide dient als Lager

Auch Hildegard Löbig, Birgit Lamprecht und Anni Happel, die den Kostüm-, Hüte- und Maskenfundus des KSV unter ihren Fittichen haben, lassen kaum etwas verkommen. Knallrote Umhänge etwa, die eines Tages eines Elferrates nicht mehr würdig waren, waren zu schade für die Altkleidersammlung und wurden in Kleidchen für die Mini-Garde umgenäht.

TGO-Chefkarnevalist Karlheinz Weber hat den Dachboden daheim zur närrischen Kleiderkammer ausgebaut. Sucht er dort oben etwas, muss er einen Kniefall vor der Fastnacht machen - was durchaus seine Berechtigung hat. Denn da lagern mindestens 4x11 Jahre Ober-Röder Karnevalshistorie.

Mongolen, Toreros, Can-Can-Tänzerinnen, Marsmännchen, Clowns und Inkas könnten sich im Keller des KSV-Heims von Kopf bis Fuß ausstaffieren. Die frühere Umkleide der Fußballer dient schon lange als Lager. Anfangs habe es ihrer Fastnachts-Wohnstubb noch ziemlich nach Sportlerschweiß gemüffelt, erinnern sich die drei Damen. Doch nachdem der Bauausschuss Schränke raus- und Kleiderstangen reingeräumt hatten, möchten Hildegard Löbig, Birgit Lamprecht und Anni Happel am liebsten auch zwischen Aschermittwoch und dem 11.11. dort bleiben. Ein Blick durchs Fenster verrät den Grund...
Die KSV-Karnevalistinnen verleihen einige ihrer Kostüme an ganz unterschiedliche Kunden. Eine Offenbacher Frauengruppe holt sich für Umzüge das passende Outfit. Und schon so manchen Fastnachtsmuffel, der von seiner Frau zur Fremdensitzung mitgeschleppt wurde, haben die Hüterinnen des KSV-Fundus notfalls mit sanfter Gewalt närrisch ausstaffiert.

Unzählige schöne Stunden hätten sie da unten schon erlebt, berichten sie. Aber auch im Urberacher Karneval gibt es traurige Momente. Anfang der Neunziger verunglückte eine ihrer Narrenschwestern aus der Gymnastikabteilung kurz vor der Kampagne auf tödlich mit dem Auto. Das für sie genähte „Wildecker Herzbuben“-Kostüm hängt seit diesem Tag unberührt auf seiner Stange.

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