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2 000 Besucher beim Recruiting Day der Deutschen Flugsicherung in Langen

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Von: Nicole Jost

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Beim Recruiting Day der DFS bekamen die künftigen Bewerber Einblick in das richtige Lesen von Geodaten.
Beim Recruiting Day der DFS bekamen die künftigen Bewerber Einblick in das richtige Lesen von Geodaten. © jost

Die Deutsche Flugsicherung sucht Nachwuchs. 150 Fluglotsen sollen im nächsten Jahr ihre Ausbildung in Langen beginnen. Beim Recruiting Day ermöglicht das Unternehmen, dass die jungen Leute in den verantwortungsvollen Beruf rein schnuppern, und auch mit den aktuellen Azubis reden können.

Langen - „Seit ich zwölf Jahre alt bin, habe ich einen Flugsimulator auf meinem Rechner installiert. Ich bin flugzeugverrückt und der Job im Tower an einem Flughafen ist mein Traumberuf“, erzählt Jannik Bergmeier mit glänzenden Augen. Der 16-Jährige ist mit seinem Vater zum Recruiting Day der Deutschen Flugsicherung (DFS) nach Langen angereist. Er hat mit der Wahl seines Berufs noch Zeit, das Abitur steht erst in zwei Jahren an – er will aber die Gelegenheit nutzen, um sich an der DFS-Akademie zu informieren, wie er sich auf eine Bewerbung vorbereiten kann.

Dazu bietet die Flugsicherung viele Möglichkeiten: Rund 2 000 Anmeldungen hat das Unternehmen für den Recruiting Day bekommen – mehr als jemals zuvor. „Wir sind froh, dass das Interesse so groß ist, denn wir wollen im kommenden Jahr wieder 150 Auszubildende einstellen. Zehn von ihnen beginnen ein Duales Studium Airtraffic Management an der Universität in Worms. Nach dem Bachelor folgt die praktische Fluglotsenausbildung hier bei uns“, erläutert DFS- Pressesprecherin Kristina Kelek.

Es ist nicht leicht, zu jenen 150 Abiturienten zu gehören, die in Zukunft an den 15 Towern der großen Flughäfen in ganz Deutschland die Starts und Landungen überwachen oder in den vier Centern in Deutschland zu sitzen und die Maschinen zwei Minuten nach dem Abflug zu übernehmen und sie im gesamten Luftraum im Auge zu behalten. Es ist eine höchst verantwortungsvolle Aufgabe: „Der Job der Fluglotsen ist es, die Flugzeuge in einem sicheren Abstand zu halten. Horizontal wie vertikal. Der Pilot kennt seinen Weg von Frankfurt nach Hamburg. Dabei braucht er keine Hilfe. Aber er weiß nicht, was im Luftraum los ist – das ist die Aufgabe der Lotsen“, erklärt Kristina Kelek.

Die Auswahlkriterien der DFS sind streng. Von den rund 6 000 jungen Menschen, die jährlich den Bewerbungsprozess in mehreren Stufen durchlaufen, schaffen es etwa 150, an der begehrten Akademie zu beginnen. „Die aber haben fast eine Jobgarantie. Im Gegensatz zu den Piloten müssen Fluglotsen kein Geld mitbringen. In der theoretischen Ausbildung verdienen sie 1 200 Euro und bekommen bis zu 400 Euro Wohngeld im Monat. Nach eineinhalb Jahren beginnt das Training-on-the-job in Center oder Tower, da sind es dann schon 50 000 Euro im Jahr. Unsere Quote bei der Abschlussprüfung nach drei bis vier Jahren insgesamt ist hervorragend, das schaffen fast alle“, sagt Mirco Krausch vom Personalmarketing der DFS. Danach locken Einstiegsgehälter von rund 100 000 Euro im Jahr.

Was braucht er nun, der ideale Fluglotse, von denen übrigens rund 30 Prozent weiblich sind – Tendenz steigend: Abitur, gutes Englisch. „Dann kommen Begabungen dazu: schnelle Auffassungsgabe, hohe Konzentrationsfähigkeit, gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Unsere Leute müssen stressresistent sein, teamfähig und eine große Lust auf Luftfahrt mitbringen“, verrät Manfred Pessinger, Leiter der Towerausbildung bei der DFS. Nach der Theorie an der unternehmenseigenen Akademie in Langen trainieren die angehenden Lotsen in Lufträumen, in denen nicht ganz so viel Verkehr ist. Später geht es in dichteren Flugverkehr: „Das gibt es dann schon mal ein paar Ringe im T-Shirt unter den Achseln“, erzählt der Ausbildungsleiter mit einem Lächeln.

Besonders begehrt am Recruiting Day sind die Blicke hinter die Kulissen. Der 380- Grad-Trainingssimulator, der das Treiben am Frankfurter Flughafen eins zu eins abbildet, ist ein Renner. Die Plätze für die Führungen sind schnell ausgebucht. Dort stellt sich Martin Diehl, Fluglotse und Towerausbilder, den Fragen der potenziellen Bewerber. Was denn die kritischsten Momente im Tower in Frankfurt für ihn gewesen seien? „Zum Glück gibt es sie sehr selten und sie sind alle gut ausgegangen“, betont der erfahrene Fluglotse. Jetzt im Frühjahr gibt es Vogelschläge, auch geplatzte Reifen kommen vor. „Das ist alles kein Problem, so ein Flugzeug hat ja nicht nur einen Reifen. Dann stellen wir uns auf eine Notlage ein und die Feuerwehr fährt raus“, so Diehl. In einem der vergangenen Winter sei es vorgekommen, dass eine kleine Maschine, die sicher gelandet ist, bei der Abfahrt von der Bahn gerutscht ist. „Das Heftigste, das ich erlebt habe vor einigen Jahren, war ein brennendes Triebwerk schon direkt nach dem Start. Die Maschine ist umgedreht und konnte sicher landen.“

Auch die aktuellen Azubis sind interessante Ansprechpartner für die Gäste: „Die DFS ist ein toller Arbeitgeber, die Bedingungen sind optimal und familiär“, sagt Daniel Harms, der in Zukunft die Starts und Landungen am Flughafen Köln/Bonn oder in Düsseldorf lotsen möchte.

Von Nicole Jost

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