Neuer Geschäftsführer des Krankenhauses im Interview

15 Millionen für Klinik-Erweiterung

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Geschäftsführer Jan Voigt sieht die Asklepios Klinik gut aufgestellt, weiß aber auch, dass es großer Anstrengungen bedarf, konkurrenzfähig zu bleiben.

Langen - Die Asklepios Klinik Langen ist das einzige Krankenhaus im Westkreis Offenbach mit einem Einzugsgebiet noch darüber hinaus. Viele Jahre lang war Volkmar Bölke Geschäftsführer des Krankenhauses, nach seinem Abschied vergangenen März folgte Steffen Vollrath – allerdings nicht für lange.

Seit Anfang des Jahres nun ist Jan Voigt (31) nicht nur Geschäftsführer in Langen, sondern auch Sprecher der Geschäftsführung der Asklepios Kliniken in Langen und Seligenstadt. Knapp drei Monate nach seinem Amtsantritt stellte sich Voigt nun den Fragen von Redakteur Markus Schaible.

Herr Voigt, Sie sind seit Kurzem neuer Geschäftsführer der Asklepios Klinik Langen. Wie ist das Krankenhaus aus Ihrer Sicht aufgestellt?

Zuerst einmal habe ich mich sehr gefreut, die Geschäftsführung der Langener Klinik zu übernehmen. Ich komme gebürtig aus dem Taunus und habe in Frankfurt Abitur gemacht. Der Wechsel aus Mittelhessen [Anm. d. Red: Voigt arbeitete zuletzt in Lich] in das Rhein-Main-Gebiet war also fast ein bisschen wie nach Hause kommen. Die Klinik hat seit der Privatisierung eine enorm positive Entwicklung genommen und sich einen überregionalen Ruf erarbeitet, auf den alle Mitarbeiter stolz sein können.

Nun ist die Konkurrenzsituation gerade im Rhein-Main-Gebiet enorm. Wie wollen Sie sich behaupten? In welche Richtung wird sich die Klinik entwickeln?

Aus Patientenperspektive muss man klar festhalten, dass eine Vielzahl an Krankenhäusern die Versorgung sicherstellt. Ich gehe aber davon aus, dass wir in den nächsten Jahren eine Spezialisierung sehen werden. Nicht mehr jede Klinik wird alles machen, sondern die Kliniken werden neben und in der Notfallversorgung Schwerpunkte ausbilden. Hierzu werden wir in Langen gemeinsam mit dem Land Hessen in den nächsten drei Jahren mehr als 15 Millionen Euro in den Umbau und die Erweiterung unserer Klinik investieren.

In der Asklepios Klinik ist ja in den vergangenen Jahren bereits umfangreich saniert und erweitert worden. Wie sehen denn die nächsten Schritte konkret aus?

Verdiente Chefärzte auf dem Weg in den verdienten Ruhestand: Professor Ernst Hanisch...

Im Mittelpunkt stehen vor allem unser diagnostischer Bereich und die Funktionsambulanzen. Wir werden unsere Kardiologie erweitern und für die Zukunft als überregionalen Schwerpunkt ausbauen. Wir schaffen eine neue Zentrale Notaufnahme, ein neues Labor, eine neue Endoskopie, bauen die Praxisräumlichkeiten des Ärztlichen Bereitschaftsdienst aus und erweitern unser Bettenhaus, um den steigenden Bedarf an komplexen Krankheitsbildern auf höchstem Niveau versorgen zu können. Der medizinische Fortschritt wird hier einfach über die nächsten Jahre große Chancen bieten, die wollen wir für die Region, unser Krankenhaus und unsere Patienten nutzen.

Die Asklepios Klinik steht auch vor großen personellen Herausforderungen, immerhin treten nächstes Jahr gleich zwei Chefärzte, darunter der Ärztliche Direktor, in den Ruhestand. Wie wollen Sie die Qualität der medizinischen Versorgung sichern?

Die Kollegen haben sehr renommierte Abteilungen geschaffen. Die Versorgung der Patienten erfolgt auf höchstem Niveau und in einer Region sowie an einem Klinikstandort, der eine große und positive Perspektive hat. Hierzu gebührt Professor Hanisch und Professor Olbrich großer Dank und Anerkennung für ihren Einsatz, ihr Engagement und ihren damit verbundenen Erfolg. Wir bereiten schon jetzt durch unser Netzwerk und unsere Erfahrungen in der Chefarztnachfolge eine strukturierte Analyse für die Personalrekrutierung vor. Nicht zuletzt beraten uns die beiden Kollegen, die ja noch bis Herbst 2018 bei uns sind, sowie die anderen Chefärzte bei den Nachfolgebesetzungen. Mit den beiden Nachfolgern soll dann die Weiterentwicklung der medizinischen Bereiche erfolgen. Ich bin mir sicher, dass wir dies gemeinsam sehr gut lösen werden.

Neben den Ärzten spielt das Pflegepersonal eine wichtige Rolle im Krankenhausalltag. Haben Sie ausreichend Personal? Was tun Sie, um qualifizierte Leute zu halten und neue zu gewinnen?

...und Professor Hans-Georg Olbrich werden die Asklepios Klinik im Herbst 2018 verlassen

Der Fachkräftemangel insbesondere im Bereich der Pflege wird eine der bestimmenden Herausforderungen für alle Krankenhäuser und es ist unsere Pflicht, schon heute Maßnahmen einzuleiten. Wir bauen dazu unser eigenes Ausbildungszentrum fortlaufend aus. Aktuell bilden wir 90 Gesundheits- und Krankenpfleger aus, bieten Fort- und Weiterbildungen in sämtlichen Bereichen an und bieten staatlich anerkannte Qualifikationen wie beispielsweise Praxisanleitung, Fachkrankenpflege für Anästhesie- und Intensivmedizin sowie Psychiatrie an. Wir kooperieren mit umliegenden Bildungseinrichtungen, um bereits ganz früh junge Menschen für einen Karriere- und Lebensweg im Gesundheitswesen zu begeistern. Wir erweitern aber auch die Optionen für unsere Mitarbeiter, sich zu entwickeln und in die immer komplexeren Aufgaben hineinzuwachsen. Eine Tatsache trifft nämlich noch immer zu: Wir suchen Menschen mit einer Passion. Nur unter rationalen Gesichtspunkten trifft man seine Entscheidung für einen Weg im Gesundheitswesen nicht. Wer sich hier engagiert, kann für sich und die Patienten viel erreichen!

Viele Krankenhäuser beklagen eine enorme Zunahme der Patienten in der Notfallambulanz, auch, weil Kranke ohne echten Notfall etwa nachts oder am Wochenende kommen. Ist das auch bei Ihnen ein Problem oder entspannt die Tatsache, dass der Hausärztliche Bereitschaftsdienst seine Räume ebenfalls in der Klinik hat, die Situation?

Die Notfallversorgung ist ein hoch komplexes, vor allem aber auch ein sehr emotionales Thema. Wer sich selbst oder einen Angehörigen in Not sieht, erwartet schnell und kompetent Hilfe. Neben der Diskussion zur Belastung der Notaufnahmen findet auch nahezu jede Dokumentation, jede Serie einen Schwerpunkt in der Notfallversorgung. Eine Ausnahmesituation, Blaulicht, Martinshorn und schnelle Hilfe sind Themen, die uns bewegen. Im Übrigen auch im Ausland. Eine der bekanntesten amerikanischen TV-Serien heißt ja sogar Emergency-Room. Ich glaube, dass wir die Diskussion positiv sehen sollten. Wir reden über die Notfallversorgung. Für Krankenkassen, Krankenhäuser, die Kassenärztliche Vereinigung und die Politik ist dieses Thema bereits auf vielen Ebenen gegenwärtig vertreten und präsent. Vor allem auch, weil eben nicht alles optimal ist. Krankenhäuser übernehmen einen wichtigen Anteil an der Patientenversorgung, der ohne die Notaufnahmen gar nicht mehr zu leisten wäre. Die Wertschätzung für diese Leistung findet aber bei vielen Partnern zu wenig Anerkennung. Teilweise werden die Krankenhäuser gar dafür kritisiert, dass sie schnell helfen. Das geht nicht und muss sich ändern.

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Die Räumlichkeiten des Hausärztlichen Bereitschaftsdienstes sind nicht optimal, es wurde bereits vor Jahren über eine Vergrößerung gesprochen. Sie haben die Maßnahme eingangs erwähnt – wann wird es dazu kommen?

Ich halte das Modell, wie der Ärztliche Bereitschaftsdienst, also die Vertretung der Praxen außerhalb der regulären Sprechzeiten, mit der Notaufnahme in Langen für ein sehr gutes Konstrukt. Patienten mit weniger schweren Erkrankungen, die nicht in eine Notaufnahme gehören, finden dort schnelle Hilfe. Gleichzeitig können schwere Fälle ohne Wegezeiten oder Kommunikationsschwierigkeiten sofort durch die Notaufnahme übernommen werden. Wir arbeiten hier Hand in Hand. Die hohe und in den vergangenen Jahren deutlich gestiegene Fallzahl bedingt Investitionen in die gemeinsame Struktur. Ohne Platz und Geräte geht es einfach nicht. Wir beginnen unseren Umbau im Spätsommer 2017 und wollen die neuen Räume im ersten Quartal 2018 eröffnen.

Welchen Stellenwert hat nach Ihrer Ansicht die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten? Und wie soll sie sich entwickeln?

Die Zusammenarbeit zwischen Praxen, Krankenhäusern und gerade auch dem Rettungsdienst ist ganz entscheidend für eine optimale Versorgungsleistung. Patienten brauchen schnelle, direkte und abgestimmte Hilfe. Ein Arzt- und Diagnosemarathon hilft niemandem. Ein Beispiel für die Zusammenarbeit der Zukunft ist das Prinzip der Tumorkonferenzen. Niedergelassene Kollegen, Chirurgen und Diagnostiker der Klinik sowie Spezialisten aus umliegenden Häusern diskutieren hier jeden Fall mit einer Tumordiagnose. Man legt gemeinsam fest, welchen Weg der Behandlung man dem Patienten empfiehlt. Der Informationsverlust wird reduziert und der Patient bekommt eine Behandlung aus einer Hand. Ich bin ganz sicher, dass dies der richtige Weg ist, den wir gemeinsam weitergehen werden.

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