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Zum 200. Mal spielt Kantorin Elvira Schwarz in der Stadtkirche

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Kantorin Elvira Schwarz greift morgen für eine ganz besondere Orgelmusik zur Marktzeit in die Tasten: Zum 200. Mal gibt es das kleine Konzert am Samstagvormittag.

Langen - Die Klänge der Stadtkirchen-Orgel sorgen bei Gottesdiensten und Kirchenkonzerten im „Dom der Dreieich“ für den guten Ton. Einmal im Monat lässt Kantorin Elvira Schwarz das Instrument zudem bei der Orgelmusik zur Marktzeit erklingen – am morgigen Samstag zum 200. Mal. Von Markus Schaible 

Rund um den Vierröhrenbrunnen herrscht samstags Hochbetrieb: Ein Bauernladen, ein Gemüsehändler, ein Metzger und andere Stände mehr bieten ihre Waren feil, Essensbuden und ein Weinhändler laden die Besucher des Altstadtmarktes zum Konsumieren und Verweilen ein. Drinnen in der Stadtkirche dagegen geht es einmal im Monat besinnlich zu: Elvira Schwarz, Kantorin in Diensten der Evangelischen Kirchengemeinde Langen, greift zur Orgelmusik in die Tasten. Sie tut das seit fast 18 Jahren – und darf morgen ein beachtliches Jubiläum feiern: Es ist die 200. Orgelmusik zur Marktzeit.

Um die Jahrtausendwende herum, der Altstadtmarkt wurde gerade installiert, machten sich Verantwortliche der damals noch eigenständigen Stadtkirchengemeinde Gedanken, mit welchen Aktionen sie den neuen Markt unterstützen könnten. Gemeinsam mit dem heutigen Dekan Reinhard Zincke, seinerzeit noch Vollzeit-Gemeindepfarrer, „haben wir dann die Idee der Orgelmusik ausgeheckt“, erinnert sich Schwarz. Am 15. April 2000 fand das erste kleine Samstagvormittag-Konzert statt und stieß gleich auf Anklang. Aus anfänglich drei bis vier Mal im Jahr wurde schon bald ein monatlicher Turnus und so sitzt Schwarz nun jeden zweiten Samstag im Monat von 11 bis 11.30 Uhr auf der Orgelbank. „Und da ich alle meine Programme durchnummeriere, weiß ich ganz genau: Jetzt steht die 200. Orgelmusik an.“

Morgen setzt sich das Programm natürlich aus festlichen Stücken zusammen, ansonsten passt sich die Kantorin gerne an die jeweilige Jahreszeit an. Meistens gibt es dabei naturgemäß kirchliche Klänge zu hören – „Orgelwerke sind eben fast immer für die Kirche geschrieben“. Immer wieder streut sie aber auch Stücke ohne kirchlichen Hintergrund oder aber Bearbeitungen ein, etwa zur Fastnachtszeit. „Es ist eine bunte Mischung durch die gesamte Musikgeschichte“, sagt sie – wobei ein Komponist besonders oft vorkommt: „Ich habe einige große Bach-Fans im Publikum, die sich beschweren, wenn ich mal keinen Bach spiele.“

Einige Zuhörer kommen ganz gezielt zu den Marktkonzerten, andere schlendern mal eben nach dem Einkauf mit ihren vollen Taschen herein, um auf den Kirchenbänken eine kurze, musikalisch untermalte Pause zu machen. „Es ist ein Kommen und Gehen“, berichtet Schwarz. „Aber plus minus 40 Zuhörer sind es jedes Mal.“

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Was die nicht mitbekommen, ist, dass die Kantorin oben auf der Empore durchaus anstrengende Arbeit leistet. Denn die Orgel ist sehr schwergängig. „Ich muss ganz schön Kraft aufwenden, um die Tasten runterzudrücken“, sagt die 49-Jährige. Zudem häufen sich die Defekte: „Sie ist eine ewige Baustelle, wie ein Oldtimer.“ Und deshalb steht eine Entscheidung an, wie es weitergeht: „Die Orgel müsste auf jeden Fall dringend komplett überholt werden. Da sie aber ein großes Instrument ist und das viel Handarbeit erfordert, kostet das richtig viel Geld.“ Und deshalb ist auch die Anschaffung einer neuen Orgel im Gespräch.

Egal, wie die Entscheidung letztlich ausfällt: „Geld braucht man für eine Orgel immer.“ Und deshalb kommt der Erlös der Orgelmusik zur Marktzeit seit dem ersten Tag dem Instrument zugute. Eintritt wird dabei nicht verlangt, aber um eine Kollekte gebeten. „Wir sammeln jetzt seit 18 Jahren, alles geht auf ein spezielles Konto, denn wenn die Orgel was hat, wird es immer gleich teuer.“

Morgen steht aber erst einmal das Jubiläum im Vordergrund. Ab 11 Uhr präsentiert Kantorin Elvira Schwarz festliche Orgelwerke von Johann Sebastian Bach und Théodore Salomé, darunter die berühmte Toccata und Fuge d-Moll von Bach, die sie auch bei der ersten Orgelmusik vor 18 Jahren gespielt hat. Auch dieses Mal ist der Eintritt frei und die Kollekte für die Orgel bestimmt. Weitere Infos: www.langen-evangelisch.de.

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