Schuld war der nasse Frühsommer

2016 geht beim Bienenzuchtverein als Jahr der Honigflaute in die Annalen

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Schön fürs Auge, aber diese Bienen sammelten zur Reifezeit der Sonnenblumen ausschließlich für sich, die hiesigen Imker schauten in der zweiten Jahreshälfte in die Röhre. Auf ein Neues im nächsten Jahr, vielleicht wird’s dann ja auch wieder was mit der Spättracht.

Langen/Egelsbach - Hobbyimker waren dieses Jahr nicht zu beneiden. Nach einem guten Start ins Jahr und einer stattlichen Frühtracht, bereitete der stürmische Juni der Honigernte ein relativ jähes Ende. Von Cora Werwitzke 

So auch beim Bienenzuchtverein Langen und Umgebung, der daher eher mit Aktivitäten rund um die Imkerei punktete als mit großer Ausbeute. Neuester Streich: ein Einsteigerkurs ab dem 4. November – für alle, die im Frühjahr durchstarten wollen. Wenn es nass und stürmisch ist, bleibt jeder gern in der Stube. Wer kann’s Bienen also verübeln, wenn sie es bei Mist-Wetter genauso halten? Sturm und Regen führten im Frühsommer nicht nur dazu, dass es sich die Insekten in ihrer Beute gemütlich machten, sondern auch, dass Blütennektar ringsherum im großen Stil abgewaschen wurde. Davon kann die Vorsitzende des Bienenzuchtvereins aus eigener Erfahrung berichten: „Die Spättracht ist so gut wie ausgefallen“, sagt Verena Jakel. Bei ihren eigenen Völkern seien somit nur um die 20 Kilo Honig zusammengekommen. Beim Gros der Vereinsmitglieder sah es ähnlich aus. „Deshalb waren wir dieses Jahr auch nicht mit einem Stand beim Langener Markt präsent“, erzählt Jakel. Viele Hobbyimker hätten über ihren eigenen Kundenkreis hinaus keinen Honig mehr zum Verkauf übrig gehabt. „Die Nachfrage ist eigentlich immer höher als das Angebot, aber dieses Jahr erst recht“, so die 39-Jährige.

Eine maue Honigernte heißt freilich nicht automatisch, dass es den Bienen schlecht geht. Im Gegenteil: „Die Völker haben sich gut gemacht“, bilanziert Jakel. Die als Bienen-Plage bekannte Varroamilbe habe sich nur langsam entwickelt. Insofern freut den Vorstand, dass auch die diesjährigen Probe-Imker, die im Frühjahr in die Bienenzüchterei eingestiegen sind, ihre ersten Völker gut durchgebracht haben. „Fünf Leute sind bei der Stange geblieben“, berichtet Jakel. Im Tandem arbeiteten die Neulinge an insgesamt vier Völkern. „Unser Konzept sieht vor, dass sie relativ schnell selbstständig werden“, erläutert die Vorsitzende. So werden die Handgriffe am Bienenstock vorher besprochen, dann gehen die Probe-Imker unter den Augen der Experten selbst zu Werke. Im Anschluss gibt’s eine Feedback-Runde.

Inzwischen ist das Bienenjahr abgeschlossen, die Völker sind aufgefüttert, wie es im Fachjargon heißt – und damit bereit für den Winter. Die Jung-Züchter können eins der Völker übernehmen oder ein weiteres Jahr als „Imker-Azubis“ Erfahrung sammeln. „Das Angebot wird gut angenommen“, sagt Jakel. Durch das Probe-Imkern seien in den vergangenen Jahren viele neue Vereinsmitgliedschaften entstanden. „Wir kratzen an der 100er-Marke“, so die Vorsitzende. Auch der Frauenanteil sei inzwischen merklich gestiegen.

Mann mit 45 Kilo schwerem Bienenschwarm bedeckt

Unter den Imkern der jüngeren Generation sind zur Freude des Vereins auch astreine „Multiplikatoren“ – etwa Martin Höhn, Schulleiter der Wilhelm-Leuschner-Schule, oder Erzieherinnen der Kita Am Wald. An beiden Einrichtungen gibt’s inzwischen Bienenpopulationen, die vom Nachwuchs durchs Jahr begleitet werden. „Die Vorschulkinder in der Kita Am Wald haben ein bisschen Honig ernten können“, erzählt Jakel. Die Wilhelm-Leuschner-Schule ist bereits seit 2014 im Bienen-Fieber. Die Schulimkerei ist dort bestens in den Sachunterricht integriert. In einer Bienen-AG lernen etliche Schüler den Umgang mit den kleinen Nutztieren von der Pike auf.

Verena Jakel freut sich über diese Erfolge und hofft, dass der Stellenwert der Bienen weiter ins Bewusstsein dringt. Für sie gibt’s kein vergleichbares Hobby: „Der schönste Moment ist, wenn einem beim Öffnen des Bienenkastens der Duft von Wachs und Honig in die Nase steigt“, verrät die Imkerin.

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