Neues Buch

66 Gräber und ihre Geschichten: Heimatkundige erstellen Dokumentation zum jüdischen Friedhof Langen

Ein Stück Langener Geschichte: Diese Altgräber dienten als Buchcover.
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Ein Stück Langener Geschichte: Diese Altgräber dienten als Buchcover.

Der jüdische Friedhof in Langen ist einer der wenigen, die von der Verwüstung durch die Nazionalsozialisten verschont wurden. Die Heimatkundigen des Verkehrs- und Verschöngerungsvereins widmen ihm nun einen 157 Seiten dicken Bildband.

Langen – Es sind Sätze, bei denen schon auf den ersten Blick klar wird, dass sie aus einer längst vergangenen Zeit stammen. Mit Worten wie: „Hier ist begraben die gelobte Dame, eine tüchtige Frau, die Zierde ihres Mannes und die Zierde ihrer Söhne, die teure Levet.“ Oder: „Hier ist begraben Abraham, Sohn des Menasse. Seine Seele sei eingebunden im Bündel des Lebens.“ Sie sind auf den Grabsteinen des jüdischen Friedhofs zu finden – und nun gut dokumentiert in einer neuen Veröffentlichung der Langener Heimatkundigen im Verkehrs- und Verschöngerungsverein (VVV).

Die drei Kulturpreisträger Gabriele Klein, Reinhold Werner und Heribert Gött haben einen umfangreichen Bildband über den Friedhof erstellt. Er trägt den schlichten Titel „Jüdischer Friedhof Langen“ und ist ab sofort erhältlich. Die Stadt und der VVV unterstützten die drei fleißigen Autoren beim Druck. „Der jüdische Friedhof in Langen ist einer der wenigen, die die Verwüstung durch die Nazis überstanden haben. In der Region gibt es sonst nur noch sehr wenige, kleine jüdische Friedhöfe. Der in Langen ist sehr gepflegt – deswegen war er uns diese Dokumentation wert“, erklärt Werner.

In monatelanger Arbeit hat das Trio nicht nur zahlreiche bisherige Veröffentlichungen über den Friedhof zusammengetragen, sondern auch einige neue Texte verfasst. So erfährt der Leser auf stolzen 157 Seiten Wissenswertes über das jüdische Leben und seine Begräbnisriten, über die Bedeutung der religiösen Abkürzungen, die auf den Grabsteinen des jüdischen Friedhofs zu finden sind, dazu Anmerkungen zur jüdischen Zeitrechnung und Zitate, die die Grabsteine schmücken. Der Zentralrat der Juden hat einen Text zu Tod und Trauer im Judentum beigesteuert.

Auch die Ergebnisse ihrer eigenen Recherchen haben Werner, Klein und Gött zu Papier gebracht, etwa ihre Ausführungen zum Schmetterling, der als Symbol der Auferstehung gilt und auf gleich vier Grabsteinen des jüdischen Friedhofs in Langen zu finden ist. Der Geschichte, warum die geschichtsträchtige Ruhestätte an der Südlichen Ringstraße überhaupt noch existiert, ist ein eigenes Kapitel gewidmet, zu dem der in Langen geborene Heimatforscher Gerd J. Grein einen wichtigen Beitrag geleistet hat.

Das Autorentrio: Reinhold Werner, Gabriele Klein und Heribert Gött (von links).

Ein wesentlicher Bestandteil des Bildbands ist zudem die Dokumentation aller 64 Grabsteine und zwei Gedenktafeln des Friedhofs. Jeder Stein ist einzeln mit einem Foto abgebildet, darunter findet sich die hebräische Inschrift inklusive ihrer deutschen Übersetzung. Grundlage dafür war eine Auftragsarbeit von Dr. Jacob Nordhofen, einem einstigen Studenten der Frankfurter Goethe-Universität, der im Jahr 2000 auf Bitte der Stadt Langen einen detaillierten Überblick über die Grabsteine des jüdischen Friedhofs angefertigt hatte. Die letzten Lücken im Text und bei den Fotos haben die Heimatkundigen nun geschlossen. „Eine Sisyphusarbeit“, wie Werner erzählt.

Zu guter Letzt findet sich in dem Buch auch eine Kartographie der gesamten Grabanlage, mit deren Hilfe Besucher die vielen persönlichen Geschichten bei einem Rundgang nachvollziehen können. Dort sind auch einige Regeln zum Besuch des Friedhofs aufgelistet, der – 1876 eingeweiht und bis 1935 genutzt – anders als die Synagoge in der Dieburger Straße aber während der Pogromnacht 1938 nicht zerstört worden ist.

Der jüdische Friedhof in Langen ist nicht öffentlich zugänglich. Für eine Besichtigung kann in Absprache mit der Friedhofsverwaltung jedoch der Schlüssel ausgeliehen werden.

Das Buch ist ab sofort für 24,50 Euro in der Buchhandlung Litera und im Buchladen am Lutherplatz erhältlich. Im Internet ist auch eine Leseprobe zu finden: dazu einfach die ISBN-Nummer 978-3-7504-6180-2 in die Adresszeile des Browsers eingeben. (Von Manuel Schubert)

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