Unfall auf Autobahn

A661: Crash mit Drogen, aber ohne Führerschein

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Symbolbild

Drogen am Steuer sind per se keine gute Idee. Wenn dann noch ein Unfall passiert, wird es für den Konsumenten doppelt schmerzhaft: Unfallschäden, hohe Kosten und obendrauf noch ein Eintrag ins Bundeszentralregister.

Langen – Ein 48-jähriger Schreiner aus dem fränkischen Mönchsroth hat noch eins drauf gelegt und seinen Peugeot ohne gültige Fahrerlaubnis auf der A 661 geschrottet. Er selbst wurde dabei leicht, seine Beifahrerin schwer verletzt.

Dieser Fall landete nun auf dem Pult von Amtsrichter Volker Horn: Der Crash am 11. August 2018 war kurz hinter der Anschlussstelle Langen in Fahrtrichtung Egelsbach passiert. Gefährdung des Straßenverkehrs, fahrlässige Körperverletzung und Fahren ohne Fahrerlaubnis – für dieses Dreierpack muss der Monteur 4800 Euro Geldstrafe zahlen, die Prozesskosten ausgleichen und ein Jahr warten, bis er nach erfolgreicher MPU seinen Führerschein zurückerlangen darf.

Der anwaltlich vertretene Franke versucht gar nicht erst, irgendetwas zu verharmlosen. Verteidiger Holger Hahn ergreift für ihn das Wort: „Mein Mandant räumt alle Vorwürfe ein, es tut ihm sehr leid, besonders, dass die Lebensgefährtin verletzt wurde. An den Unfall selbst kann er sich nicht mehr erinnern.“

Unfall auf A661: Zeuge sagt aus

Ein Zeuge aus Obertshausen kann den Fahrverlauf des Mittelklassewagens dagegen genau beschreiben: „Er fuhr vor mir auf der rechten Spur, mit vielleicht 100 Stundenkilometern. Ich überlegte noch, zu überholen. Gut, dass ich das gelassen hab!“ Denn plötzlich sei der Peugeot von der Fahrbahn abgekommen, über den Seitenstreifen in den Grünstreifen geschossen, leicht die Böschung hochgefahren und wieder zurück quer über die Fahrbahn in die Mittelleitplanke gekurvt. Dort habe er sich überschlagen und sei auf der linken Fahrbahn liegen geblieben. „Ich habe mit meiner Frau sofort die Unfallstelle gesichert, dann kamen weitere Helfer dazu“, so der 58-Jährige.

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Horn will vom Angeklagten wissen, was er denn in der Region gewollt hatte und warum er sich überhaupt ans Steuer setzte – und das nicht der Frau überließ. „Ich war hier ein ganzes Jahr zur Montage. Ich weiß auch nicht, warum ich gefahren bin. Liegt wohl daran, dass ich was genommen hatte“, ist der Versuch einer Erklärung. Zum „was genommen“ kann der toxikologische Sachverständige Professor Stefan Tönnes genauere Angaben machen. „Die Blutprobenuntersuchung ergab keine Alkoholwerte, dafür das Mehrfache einer einfachen Kokaindosis. Als aufputschende Rauschdroge ist sie sicher für ein unkritisches Fahrverhalten, Koordinationsstörungen und Enthemmung verantwortlich!“, erläutert der Gutachter.

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Damit soll jetzt endgültig Schluss sein. Der Schreiner behauptet, nach vielen Jahren des unregelmäßigen Konsums von Heroin und Kokain nun endlich den kalten Entzug geschafft zu haben. Und zwar in der JVA Weiterstadt. Dort sitzt er nämlich seit dem 8. Juli ein, weil er an dem Tag nicht zur ursprünglich angesetzten Gerichtsverhandlung in Langen erschien. Normalerweise lässt Richter Horn fehlende Angeklagte polizeilich vorführen, bei weiten Entfernungen aus anderen Bundesländern greift er aber zur Möglichkeit des Haftbefehls. Nach dem Urteil ist der Franke nun wieder auf freiem Fuß, muss selbstständig für die Abholung seiner Habseligkeiten in Weiterstadt sorgen.

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Unfall auf A661: Lebensgefährtin sitzt gelassen auf Zeugenstuhl

Fehlt noch die Lebensgefährtin. Die Physiotherapeutin kennt den 48-Jährigen schon zwei Jahrzehnte und sitzt vollkommen gelassen auf dem Zeugenstuhl. „Ich hatte eine Halswirbelfraktur, einen Nasenbeinbruch und ein paar Platzwunden. Ich war vier Tage im Krankenhaus und drei Monate krankgeschrieben“, so die 51-Jährige. Zum Unfall fehle ihr jegliche Erinnerung, sie wisse auch nichts vom Drogenkonsum des Mannes vor der Fahrt. Horn: „War Ihnen denn bekannt, dass der Mann keinen Führerschein hatte?“ Die Antwort: „Ich wusste, dass er ihn irgendwann abgeben musste, hab das aber nicht weiter verfolgt.“

VON SILKE GELHAUSEN

Bei einem anderen Unfall auf der B 486 bei Langen wurde eine schwangere Frau leicht verletzt. Sie wollte einen SUV überholen, krachte dann jedoch in sein Heck. 

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