Brand in der Friedrichstraße

Feuer-Prozess: Ex-Freundin sagt überraschend aus

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Archivbild vom Brand in der Friedrichstraße mit drei Schwerstverletzten im Januar.

Langen - Im Prozess zum Brand vom 18. Januar 2017, der derzeit vor dem Darmstädter Landgericht läuft, gab es am Freitagmorgen eine überraschende Wendung. Mit der Ex-Freundin des Angeklagten – der 21-Jährige soll das Feuer in der Friedrichstraße gelegt haben, um die junge Frau und ihren 14 Jahre alten Bruder zu töten – sagt einzige Augenzeugin aus.

Am zweiten Verhandlungstag hieß es, die heute 21-Jährige halte sich im Ausland auf. Dementsprechend überraschend war es gelungen, sie zur Anhörung vor die Große Strafkammer zu bringen. Bis in den Nachmittag hinein hörten Richter Marc Euler, Staatsanwaltschaft und Verteidigung sie an. Der Angeklagte, der frühere Lebensgefährte der jungen Frau, soll aus Eifersucht versucht haben, sie und ihren 14-jährigen Bruder und sich selbst durch das Feuer umzubringen. Weil sie ein Verhältnis mit dem türkischen Vermieter gehabt haben soll, habe sich das Paar getrennt.

Eine andere Vermutung lieferte die Zeugenaussage von Polizisten: Sie hatten vor Gericht erzählt, dass die türkische Besitzerfamilie des heruntergekommenen Hinterhofgebäudes „warme Sanierung“ plante. Dafür spreche, dass allen legalen Mietern des Hauses zum 31. Dezember des Vorjahres gekündigt worden war. Was in den beiden Stockwerken des nach der Friedrichstraße gelegenen Gebäudes vorging, darüber wollte die Besitzerfamilie nichts wissen. Die als Besitzerin eingetragene Frau gab zu verstehen, das Gebäude hätte leer gestanden, sollte verkauft werden. Mann und Sohn wüssten mehr. Daraufhin vernahm Richter Euler den Sohn der Vermieter als Zeugen. Als er dem Angeklagten und der jungen Frau gegenübersaß, behauptete er: „Die kenne ich überhaupt nicht. Wenn sie das Gegenteil behaupten, lügen sie.“

Das mochten weder die schwer verbrannte Frau noch der Angeklagte auf sich sitzen lassen. Die Zeugin, die nach dem Feuer sechs Monate in einer Spezialklinik in Ludwigshafen behandelt worden ist, blieb vor Gericht bei ihrer Aussage: Der Sohn des Vermieters habe, wie sein Vater, 500 Dollar Miete pro Monat von ihr kassiert. Zum Teil auf „spezielle Weise“. Dies, ebenso wie ihr Verhältnis zu ihrem Chef sollen der Grund für die Eifersucht des Angeklagten gewesen sein. Davon ist die Anklage überzeugt.

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Mit der Beziehung sollte auch das Leben enden

Die junge Frau, die zwei Kinder mit dem Angeklagten hat, bestätigte, dass sie diesen aus der gemeinsamen, von ihr bezahlten, Wohnung geworfen hat. „Weil der nie gearbeitet hat.“ Am Vortag der Brandstiftung sei es besonders schlimm für sie gewesen: Da habe er abends noch in Boxershorts auf dem Bett gelegen, als sie von der Arbeit kam. Als er nicht mit ihrem Bruder zu Abend essen wollte, sondern nur Zigaretten von ihr forderte, wollte sie, dass er aus der Wohnung verschwindet.

Weil er angeblich an Epilepsie leide, untersuchte Gutachter Peter Haag den Angeklagten. Er fand für diese schwere Krankheit keine Anhaltspunkte. Aber der 21-Jährige hatte ihm von einem Zauberritual in seiner bulgarischen Heimat erzählt. Dabei sei er verhext oder von einem Fluch geheilt worden. Vor Gericht erklärte der Angeklagte, in Bulgarien als Jockey erfolgreich gewesen zu sein. Nach Deutschland sei er 2015 gekommen, um hier berühmt zu werden und im Reitsport Karriere zu machen. (sc)

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