Nach 14 Jahren

Dekan Reinhard Zincke geht in den Ruhestand

Kirche mal anders erleben: Ein Beispiel dafür sind die beliebten Tauffeste am Langener Waldsee – das Bild zeigt Dekan Reinhard Zincke während der Predigt 2019.
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Kirche mal anders erleben: Ein Beispiel dafür sind die beliebten Tauffeste am Langener Waldsee – das Bild zeigt Dekan Reinhard Zincke während der Predigt 2019.

Dreimal hatten die Mitglieder der Kirchensynode im Evangelischen Dekanat Dreieich mit überwältigender Mehrheit für Reinhard Zincke als Dekan votiert. Als er im Mai 2017 zu seiner dritten Amtszeit antrat, war klar, dass der Langener Pfarrer die Stelle bis zu seiner Pensionierung innehaben würde. Nachdem zum Jahreswechsel die Fusion mit dem Nachbardekanat Rodgau vollzogen ist – für das vereinigte Dekanat Dreieich-Rodgau wird ein neuer Dekan gewählt – ist die Zeit des Abschiednehmens gekommen.

Langen – Reinhard Zincke wird am 1. Februar in den Ruhestand eintreten, Pröpstin Karin Held entpflichtet den 65-Jährigen von seinem Dienst. Bis dahin vertritt er als lebensältester Dekan das fusionierte Dekanat.

Aufgewachsen in einem Pfarrhaus im rheinhessischen Dalsheim, war Zinckes spätere Berufswahl naheliegend. Zum Theologiestudium ging der gebürtige Wormser nach Marburg, anschließend führte ihn sein Vikariat nach Rüsselsheim sowie ans ökumenische Institut des Weltkirchenrates in Bossey bei Genf. Neun Jahre blieb er auf seiner ersten Pfarrstelle in Ginsheim bei Mainz. Es folgten sieben weitere in Schwalbach am Taunus, bevor er als 43-Jähriger im Juli 1998 sein Amt in der Langener Stadtkirche aufnahm.

Seit August 2006 war er als Dekan für die evangelischen Kirchengemeinden in Dreieich, Egelsbach, Langen und Neu-Isenburg zuständig. Daneben wirkte er weiter als Pfarrer in Langen, außerdem engagierte er sich als Notfallseelsorger im Kreis. „Es war eine Freude, mit ihm zusammenzuarbeiten“, sagt Frauke Grundmann-Kleiner. „In seiner ruhigen, humorvollen Art war er stets bereit, sich mit seiner ganzen Kraft zu engagieren“, so die Präses der Dekanatssynode. „Und immer bereit, anderen Verantwortung zu übertragen.“

Vereinigung der vier Langener Einzelgemeinden aktiv mitgestaltet

Während seiner mehr als 14 Jahre dauernden Amtszeit als Leiter des Kirchenkreises wollte der Theologe die Zusammenarbeit der Gemeinden fördern, gerade angesichts abnehmender Mitglieder und Ressourcen. So hatte er die Vereinigung der vier Langener Einzelgemeinden 2015 als „mutigen Schritt und gutes Beispiel für andere, Synergieeffekte zu nutzen“ bezeichnet. Als Vorsitzender des Kirchengemeindeverbandes hatte er den Prozess aktiv mitgestaltet und anschließend als Dekan begleitet.

Auch interkultureller und interreligiöser Dialog liegen Zincke am Herzen. So wurde der beliebte deutsch-ägyptische Jugendaustausch im Dekanat unter seiner Leitung um einen Fachkräfteaustausch für Erzieherinnen erweitert. Unvergessen sind auch die Treffen zwischen Pfarrern und Imamen, bei denen sich Christen und Muslime zu Fußballspielen auf dem Sportplatz der Dreieichschule trafen.

Neue Veranstaltungsreihe in Langener Stadtkirche etabliert

Zahlreiche neue Projekte wurden unter seiner Führung begründet: Etwa die Tradition der Predigtreihen in der Stadtkirche, bei der Persönlichkeiten aus Politik und Kultur auf die Kanzel stiegen. Ihm lag an der Öffnung des Gotteshauses für ungewöhnliche Veranstaltungsformate, darunter das „Sternenmahl“, bei dem Besucher im frei geräumten Kirchenschiff unter der Sternenkuppel des „Doms der Dreieich“ ein Essen mit biblischen Sternengeschichten und Musik genießen und so die Kirche einmal anders erleben konnten. Spektakulär waren die drei Tauffeste am Langener Waldsee, bei denen sich 2011, 2015 und 2019 insgesamt mehr als 150 Menschen unter freiem Himmel taufen ließen. Jeweils rund 1000 Menschen feierten gemeinsam in einem Zelt am Seeufer einen großen Taufgottesdienst in unvergesslicher Atmosphäre.

Unter Zinckes Ägide ging zum Jahresbeginn 2018 die Trägerschaft für die evangelischen Kitas in Dreieich, Langen und Neu-Isenburg an das Dekanat über. Im neu eingerichteten Arbeitsbereich wird seither ein Großteil der anfallenden Verwaltungsaufgaben erledigt. Für ihn eine Win-Win-Situation: „Die Kita-Leitungen haben mehr Zeit für pädagogische Arbeit, die Pfarrinnen und Pfarrer können sich stärker den drängenden Fragen der religiösen Vielfalt in den Kitas zuwenden.“ Der Theologe förderte auch die Entstehung von Familienzentren in Egelsbach, Langen und Dreieich und die Weiterentwicklung der Familienbildung im Kreis. In der jüngeren Vergangenheit hatten die Vorbereitungen des Zusammenschlusses beider Dekanate einen wesentlichen Arbeitsschwerpunkt Zinckes dargestellt. In dem nicht immer ganz einfachen Prozess sah er aber stets auch „Chancen, die einzelnen Arbeitsbereiche auf den Prüfstand zu stellen und neu zu justieren“.

Zincke, der verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern ist, hat nun mehr Zeit für seine Hobbys: Er ist begeisterter Jazz-Fan und liebt die Berge. Den Auszug aus dem Pfarrhaus hat er bereits hinter sich: Gemeinsam mit seiner Frau wohnt er seit Längerem in Bad Soden.  (stk)

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