Seit 50 Jahren

Abwasserverband: Mit Hightech gegen Dreck

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Stolz auf die hochmoderne Kläranlage: Werner Hötzel, seit 1983 Geschäftsführer des Abwasserverbands Langen, Egelsbach, Erzhausen.

Langen/Egelsbach - Für die Bürger ist die Angelegenheit mit dem Druck auf die Toilettenspülung erledigt. Für die Mitarbeiter der Kläranlage fängt die Arbeit dann erst an. Von Markus Schaible

Die feiern dieses Jahr ein Jubiläum: Vor 50 Jahren, im April 1964, wurde der Abwasserverband gegründet – zunächst von Langen und Egelsbach. 1990 kam die Gemeinde Erzhausen dazu.

Das Ziel vor einem halben Jahrhundert war klar umrissen: Die Stadt Langen und die Gemeinde Egelsbach wollten Know-how bündeln und die Ausgaben für die aufwendige Abwasserreinigung im Zaum halten. Der Zusammenschluss, erst zu zweit, dann zu dritt, habe sich gerade unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit bewährt, sind sich die drei Bürgermeister Frieder Gebhardt (der Langener Rathauschef ist auch Verbandsvorsteher), Jürgen Sieling und Rainer Seibold (Erzhausen) einig. Die „vorbildliche interkommunale Zusammenarbeit“ bewirke eine erhebliche Kosteneinsparung, die den Gebührenzahlern zugutekomme.

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Auch aus Umweltschutzgründen habe sich die Kooperation bewährt. Zwar sei darauf vor 50 Jahren noch kein so großes Augenmerk gelegt worden, sagt Werner Hötzel, der den Verband seit 1983 leitet. Gleichwohl habe Langen schon in den 1950er Jahren bei der Abwasserreinigung weit vorne gestanden: Die 1957 eröffnete Kläranlage (die, wie Hötzel gehört hat, der damalige Bürgermeister Wilhelm Umbach ohne Genehmigung in Auftrag gegeben habe) sei für die damalige Zeit hochmodern gewesen. Sie arbeitete mit einem zweistufigen Schlammbelebungsverfahren, das erstmals im süddeutschen Raum angewandt wurde. Allerdings entfernte es nur die sichtbaren Stoffe, alles unter zwei Millimeter (und damit 70 Prozent der Gesamtverunreinigung) blieb im Abwasser.

Mit Millionenaufwand komplett modernisiert

Bau des zweiten Faulturms zur Nachbehandlung des Klärschlamms im Jahr 1966.

Immer wieder erweiterte der Verband die Zentralkläranlage; in den Jahren 1995 bis 1997 wurde sie mit Millionenaufwand komplett modernisiert. Das war nötig, um die damals noch vorhandenen Phosphor- und vor allem Stickstoffverbindungen, die in den Meeren das Algenwachstum fördern, aus dem Abwasser zu entfernen. Platz spielte dabei nie eine Rolle, denn das Gelände mit der wohlklingenden Adresse „Prinzessin-Margaret-Allee 1“ wurde in einer Zeit angelegt, als Langen nach den Planungen 80.000 und Egelsbach 40.000 Einwohner haben sollte, weiß Hötzel. Heute leben im Einzugsgebiet des Abwasserverbandes rund 55.000 Menschen.

Zum fünfjährigen Bestehen des Abwasserverbands 1969 kam hoher Besuch: Bürgermeister Hans Kreiling (von rechts) begrüßte Dr. Tassillo Tröscher (Hessischer Minister für Landwirtschaft und Forsten) gemeinsam mit Egelsbachs Bürgermeister Wilhelm Thomin und Bürgermeister a.D. Wilhelm Umbach. 

Auf dem Areal im Wald westlich von Oberlinden finden sich die Becken zur Abwasserreinigung, der Klärgasspeicher und die Schlammbehandlung mit dem großen Faulturm. Unterhalb der Oberfläche erstreckt sich in den Rohrkellern ein kilometerlanges Netz für Kommunikation, Energieversorgung und Transport von Wasser und Schlamm. Statistisch gesehen wird ein Wassertropfen bei trockenem Wetter drei Tage in der Zentralkläranlage „behandelt“, um ihn anschließend sauber in die Natur zu verabschieden. Auf die mechanische Reinigung mit Rechenanlage, Sand- und Fettfang sowie die Vorklärung folgt die „Biologie“ mit Belebungsbecken und Nachklärung. Anschließend führt der Hundsgraben das saubere Wasser zum hessischen Ried (das Trinkwasserreservoir für das Rhein-Main-Gebiet) und in Richtung Rhein. Wenn es nicht regnet, reinigt die Anlage rund 10.000 Kubikmeter Wasser am Tag. 6,2 Millionen Euro kostet der Betrieb im Jahr; die Ausgaben werden über Gebühren finanziert.

Rund um die Uhr überwacht

Alle Anlagenteile werden rund um die Uhr überwacht. Insgesamt hat der Abwasserverband 19 Mitarbeiter. „Unsere Kläranlage arbeitet sicher, sparsam und effizient“, betont Werner Hötzel. Beispielsweise bereite eine Hightech-Microfiltrationsanlage gereinigtes Abwasser zu hygienisch einwandfreiem Brauchwasser auf. Es werde zum Spülen und zum Reinigen sowie im Sommer zur Bewässerung verwendet.

Verbandsanlagen südlich von Schloss Wolfsgarten auf der Gemarkung Egelsbach und am westlichen Ortsrand von Erzhausen sammeln das Abwasser aus den jeweiligen Einzugsgebieten und pumpen es über Druckleitungen zur Zentralkläranlage. Das weitverzweigte Kanalnetz der drei Mitgliedskommunen ist seit seinen Anfängen in den 1950er Jahren auf eine Gesamtlänge von knapp 200 Kilometern gewachsen. In Egelsbach und Erzhausen ist der Abwasserverband Eigentümer der Kanäle und damit zuständig für die Wartung, Sanierung und Erweiterung. In Langen gehören sie der Stadt beziehungsweise den Kommunalen Betrieben.

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