Ärger über O2

Die stille Allianz der Abzocker

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Nicht unbedingt kundenfreundlich verhielt sich der Mobilfunkanbieter O2 gegenüber dem Kunden Olaf Herrmann aus Langen.

Langen - Wo telefoniert wird, lauern Abzocker. Sie operieren oft genug jenseits geltenden Rechts – und allem Anschein nach in stillem Einvernehmen mit dem Netzbetreiber. Diese verhängnisvolle Allianz ist zumindest für Olaf Herrmann zweifelsfrei bewiesen. Von Holger Borchard

Was der Langener in den vergangenen Wochen mit dem Mobilfunkanbieter O2 und der Firma Jesta Digital, einem sogenannten Drittanbieter telefonischer Mehrwertdienste, erlebt hat, soll anderen helfen, gar nicht erst in Abo-Fallen dieser Machart zu tappen, beziehungsweise sich in ähnlichen Fällen mit aller Vehemenz auf die „Hinterbeine“ zu stellen. „Deutliche Ansagen gegenüber dem Drittanbieter“ hätten ihm letztlich aus der Abzockfalle geholfen, bilanziert Hermann inzwischen wieder entspannt. Dass sein Netzbetreiber ihn aber allein im Regen stehen ließ, hat der Fotograf nicht vergessen: „Der O2-Vertrag ist gekündigt.“

Wie es so weit kam? Anfang Oktober bemerkte Hermann, dass seit Mitte Juli mit seiner Mobilfunk-Rechnung wöchentlich 4,99 Euro für ein angeblich bei der Firma Jesta Digital abgeschlossenes Web-Abo von seinem Konto abgebucht worden waren. „Ich bin beruflich auch im Ausland unterwegs. Dass meine Abrechnungen in der Höhe schwanken, ist insofern normal und ich hab’s auch nicht immer sofort kontrolliert“, merkt Hermann an. Aber das definitiv nicht abgeschlossene, in keinster Weise dokumentierte „Abo“ fuchste ihn, zumal die zweieinhalb Monate schon einen Geldverlust von rund 50 Euro bedeuteten.

Erste Gegenmaßnahme: der Anruf bei der O2-Hotline. „Die haben nur geantwortet, da sei ich selbst dran schuld, weil ich das irgendwie abgeschlossen hätte. O2 erhalte bloß den Auftrag zur Abrechnung durch den Drittanbieter“, schildert Hermann. Weiterer Telefon-, E-Mail- und SMS-Verkehr mit der O2-Hotline folgte – und schürte Hermanns Fassungslosigkeit und Wut erst recht: „Anfangs hieß es bei O2, ich hätte das Abo per SMS gebucht. Das konnte ich per Einzelverbindungsnachweis glasklar widerlegen. Dann erklärte man mir, bis zu meiner Post noch nie etwas von Jesta Digital geschweige denn von deren Praktiken gehört zu haben“, so Hermann weiter. „Das war mit einer simplen Recherche im Internet als Lüge enttarnt. Es gibt ganze Foren, in denen sich Abzocke-Opfer austauschen. Da konnte ich lesen, dass viele bereits mit O2 und Drittanbietern wie Jesta Digital im Clinch lagen – und durchaus Geld zurückerhalten haben.“ Einen E-Mail und SMS-Verkehr vom Januar 2012, in dem O2 explizit mit den Jesta-Praktiken konfrontiert wurde, hat Hermann sich als Beweis ausgedruckt –„so viel zum Thema, man wisse von nix...“

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Nach „zwei guten Gesprächen“ mit der Verbraucherzentrale in Frankfurt sowie einem befreundeten Anwalt suchte Hermann das finale Gespräch mit Jesta Digital – und erlebte gleich zwei Überraschungen: „Erstens war deren Hotline im Gegensatz zu der von O2 sofort erreichbar. Und zweitens trat mein Gegenüber sofort den Rückzug an, als ich betonte, seine Firma müsse den Beweis antreten, dass ich willentlich diesen Abo-Vertrag geschlossen habe.“ Dies nebst der Stichworte Anwalt und Mahnverfahren habe Wunder gewirkt: „Ich sehe der Rückerstattung von 91 Euro entgegen.“

Hermanns Fazit: Ich bin der Kunde meines Providers, nicht dessen Feind. Da betrügt eine Firma wissentlich und O2 deckelt das Ganze noch, indem es die Leute in der Hotline abbügelt.“ Gelernt habe er zudem: „Es gibt eine sogenannte Drittanbieter-Sperre, die man bei jedem Telekom-Anbieter einrichten lassen kann. Das ist mein erster Tipp an alle, damit sie erst gar nicht in meine Situation kommen.“ Und: „So lange am anderen Ende der Leitung alle gut mit und von diesen verbotenen Praktiken leben, darf man als Kunde nicht zögern, sich mit aller zur Verfügung stehenden Unterstützung zur Wehr zu setzen!“

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