Ärztemangel in Langen

Gemeinsam zum Wohl der Patienten

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Gemeinsam gegen den Ärztemangel (von links): Volkmar Bölke (Geschäftsführer der Asklepios Klinik), Dr. Matthias Scholz (Vorsitzender MQLD), Dr. Karin-Ute Schüllermann, Professor Hans-Georg Olbrich (Chefarzt Asklepios Klinik) und Professor Klaus York, Gründer des MQLD.

Langen - Wer krank ist, geht zum Arzt. Dies ist im Westkreis angesichts vieler Praxen ohne Schwierigkeiten möglich – noch. Von Markus Schaible

Denn der Ärztemangel ist nicht länger ein Problem in dünn besiedelten ländlichen Gegenden, sondern auch im Ballungsraum, wissen die Verantwortlichen von Medizinischem Qualitätsnetz Langen-Dreieich (MQLD) und Asklepios Klinik. Um diesem speziell im Bereich der Hausärzte entgegenzuwirken, haben sie nun einen Weiterbildungsverbund gegründet.

Gegenwärtig stehen bundesweit etwa 3 000 Hausarztpraxen leer; allein in Hessen werden bis zum Jahr 2020 zirka 45 Prozent aller Allgemeinmediziner ihre Praxen aus Altersgründen an jüngere Kollegen über- oder (mangels Nachfolger) ganz aufgeben müssen. Auch in Langen und Dreieich suchen Ärzte dringend Nachfolger. Ist eine Praxis nicht zu verkaufen, wird sie von der Kassenärztlichen Vereinigung unwiederbringlich geschlossen, weiß Dr. Matthias Scholz, Vorsitzender des MQLD. Für ihn ist klar: „Die medizinische Versorgung einer immer älter werdenden und damit auch immobileren Bevölkerung wird langfristig eines der größten gesundheits- und gesellschaftspolitischen Probleme darstellen.“

Gründe für das fehlende Interesse von jungen Ärzten

Die Gründe für das fehlende Interesse von jungen Ärzten an einer Praxisübernahme im Westkreis sind unterschiedlich. Viele ziehen das sichere Angestelltenverhältnis in einer Klinik vor, andere scheuen aus Angst vor Regressforderungen den Schritt in die Selbstständigkeit. Zudem ziehe die junge Generation gerne in die Großstädte, weiß Scholz.

Diese Probleme treiben nicht nur das Ärztenetzwerk um, sondern auch die Leitung der Asklepios Klinik. „Wir profitieren voneinander, von einer gewachsenen Kooperation“, sagt Geschäftsführer Volkmar Bölke. Der nun geschlossene „Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin“ soll langfristig eine stabile Patientenversorgung im Bereich Langen/Dreieich/Egelsbach aufrechterhalten. Kernstück ist die Schaffung eines koordinierten Weiterbildungspaketes zum Facharzt in der Allgemeinmedizin. Nach dem Universitätsabschluss müssen sich die Ärzte drei Jahre in einem Krankenhaus und zwei Jahre in Praxen weiterbilden. Und dies wollen MQLD und Asklepios Klinik im Verbund anbieten. Damit soll eine immer flexibler werdende Generation an die hiesige Region gebunden werden.

Ausbildung in der ambulanten hausärztlichen Versorgung

Die Regelung sieht nach der Weiterbildungszeit in der stationären Behandlung an der Asklepios Klinik eine zweijährige Ausbildung in der ambulanten hausärztlichen Versorgung bei einer der Mitgliedspraxen vor. 80 Stunden in psychosomatischer Grundversorgung, die durch die Zusammenarbeit mit der Uniklinik Frankfurt ermöglicht werden, sind ebenfalls integriert.

In der Realität sei es oft so, dass sich die Weiterbildung über einen Zeitraum von neun oder gar mehr Jahren hinziehe, weiß Dr. Karin-Ute Schüllermann, Allgemeinmedizinerin aus Dreieich: „Wir aber können anbieten, dass die Ärzte bei uns erheblich schneller zum Ziel kommen.“

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

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„Darüber hinaus leisten wir nach der Facharztausbildung Hilfestellungen bei der Finanzierung für Niederlassungswillige, bieten ein hohes Freizeitangebot durch den gut funktionierenden Ärztlichen Notdienst und eine optimale Vernetzung der Kollegen“, sagt Scholz. Und in Zusammenarbeit mit den Kommunen, dies habe er mit den Bürgermeistern besprochen, könne Unterstützung bei der Suche etwa nach Kindergartenplätzen, Wohnungen oder Schulen geboten werden. „Wir offerieren den jungen Ärzten also ein Paket, das nach einer abgestimmten Ausbildung hier in einer Praxis münden kann“, so der MQLD-Vorsitzende.

Derzeit seien fünf junge Ärztinnen und Ärzte in den Weiterbildungsstellen Allgemeinmedizin an der Asklepios Klinik tätig. „Wir hoffen, einige von ihnen durch unsere Unterstützung und Initiative in der Region halten zu können“, betont Bölke.

Ärztemangel im Westkreis

„In Langen und Dreieich gibt es bereits jetzt etliche Ärzte, die händeringend Nachfolger für ihre Praxen suchen“, sagt Dr. Matthias Scholz, Vorsitzender des MQLD. Ein Blick auf die Altersstruktur untermauert dies: In Langen sind vier Haus- und sechs Fachärzte zwischen 61 und 65 Jahre alt, ein Hausarzt ist sogar schon 66. Noch höher sind die Zahlen in Dreieich: Dort sind sieben Haus- und zwei Fachärzte 61 bis 65 Jahre alt, drei weitere Haus- und ein Facharzt zwischen 66 und 70.

Aber selbst die Mediziner, die jetzt stark auf die 60 zugehen (in Langen insgesamt acht, in Dreieich sieben), müssen sich schon so langsam Gedanken über eine Nachfolge machen, zumal dann, wenn sie planen, sich früher als mit 65 zur Ruhe zu setzen. Etwas besser sieht es in Egelsbach aus: Zwei der dort tätigen Allgemeinmediziner sind unter 50, die anderen drei zwischen 51 und 63 Jahre alt.

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