Kahlschlag für den guten Zweck

Alter Steinbruch in Langen: Maßnahmen zum Schutz von Fröschen und Fledermäusen

Sieht schlimmer aus, als es ist: Die Maßnahmen dienen laut Forstamt dem Artenschutz.
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Sieht schlimmer aus, als es ist: Die Maßnahmen dienen laut Forstamt dem Artenschutz.

Der Alte Steinbruch auf dem Steinberg wurde ausgebaggert. Der etwas wüste Anblick sorgt für wilde Gerüchte in den sozialen Netzwerken: Wird die Fläche etwa auch bebaut? Das Forstamt Langen gibt Entwarnung.

Langen – Wo sonst die Frösche quaken und auch mal ein Reiher landet, herrscht dieser Tage Stille. Der Alte Steinbruch auf dem Steinberg, zwischen Naturfreundehaus und A 661 gelegen, ist kaum wiederzuerkennen: Kahl sieht er aus, fast ein bisschen nackt. Die Grube wurde ausgebaggert, das Wasser ist verschwunden. Bäume wurden gefällt, Äste und Wurzeln gekappt, Gebüsch und Gestrüpp entfernt. Schwere Baufahrzeuge haben im Schlamm tiefe Furchen hinterlassen.

Der Kahlschlag hat in den vergangenen Tagen die Gerüchteküche in den sozialen Netzwerken zum Brodeln gebracht. Wird im Alten Steinbruch etwa gebaut? Hier auch noch?

Peter Sturm gibt Entwarnung. Der Leiter der Bereiche Dienstleistung und Hoheit beim Forstamt Langen, das für den gesamten Wald in Kreis und Stadt Offenbach zuständig ist, erklärt, es handele sich um eine reine Renaturierungsmaßnahme. „Wir haben den Steinbruch wieder den Bedingungen zugeführt, die die Amphibien brauchen“, sagt er. „Wir haben ihn zurückgeführt auf das günstige Niveau, das er vor sieben, acht Jahren mal hatte.“

Der Alte Steinbruch ist nicht nur als Naturdenkmal, sondern auch als sogenanntes FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) ausgewiesen. Und der zweite Titel bringt einige gemeinsam mit der EU festgelegte Verpflichtungen mit sich, um die vorhandenen Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Im Steinbruch sind etwa der Spring-, der Gras- und der Wasserfrosch sowie der Kammmolch heimisch. Die jetzigen Maßnahmen dienten allein dem Zweck, die Amphibien, die schon seit langer Zeit im Steinbruch heimisch sind, zu schützen, betont Sturm.

„Das war eine sehr verwilderte Situation“, betont der Forstexperte. Durch die vielen Pflanzen hätten sich zwei Probleme ergeben, klärt Sturm auf: Zum einen hätten die Frösche gar keinen Zugang mehr zum Gewässer gehabt. Und zum anderen hätten die Bäume und Büsche für derart viel Schatten gesorgt, dass der Weiher im Frühjahr relativ kalt blieb. „Das Gewässer wurde nicht mehr hinreichend warm, der Laich konnte sich nicht mehr entwickeln“, berichtet Sturm. Je länger die Froscheier im Wasser lägen, desto größer sei die Gefahr, dass sie von Fischen oder Libellen gefressen werden. „Wenn man da ein paar Jahre lang nur zusieht, ist die Population irgendwann abgestorben“, verdeutlicht der Fachmann.

Die zweite Tierpopulation, der die umfangreichen Maßnahmen zugute kommen sollen, sind die verschiedenen Fledermausarten, die im Steinbruch – insbesondere in den Steilwänden – leben. Durch das Zurückschneiden der Gewächse habe man ihnen nun einerseits Flächen für die Jagd geschaffen, erzählt Sturm. Und andererseits habe man den Zugang zu den kleinen Höhlen im Gestein erleichtert, in denen die Fledermäuse sowohl ihre Winterquartiere aufschlagen, als auch sogenannte „Wochenstuben“ einrichten, in denen sie ihre Jungen großziehen.

Zu guter Letzt hat das Forstamt noch die Gunst der Stunde genutzt und im Steinbruch einige Neophyten entfernt – der Begriff beschreibt Pflanzen, die sich in einem Gebiet ausbreiten, in dem sie natürlicherweise nicht vorkommen. „Sie machen sich breit und sind stärker als die heimischen Arten“, erklärt Sturm. Auf dem Steinberg war das beispielsweise die Kanadische Goldrute. Zum Schutz der Langener Fauna wurde das nordamerikanische Gewächs entwurzelt.

So trocken wie jetzt soll der Alte Steinbruch indes nicht bleiben. Weitestgehend ausgetrocknet sei er im Sommer von alleine, sagt Sturm. Der Regen werde ihn bis zum Frühjahr aber wieder füllen. „Da sind wir absolut optimistisch.“ Im Zuge der aktuellen Maßnahmen wurde die Wasserfläche außerdem vertieft und erweitert – damit sich künftig wieder ein richtiger See im Steinbruch bildet und nicht nur ein, zwei kleine Tümpel wie zuletzt. Auch die Pflanzen werden nach Ansicht des Forstamt-Mitarbeiters von alleine wiederkommen: „Im Frühjahr wird man sehen, wie rasch sich die Fläche wieder begrünt“, so Sturm. „Das geht ganz schnell.“ (Von Manuel Schubert)

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