Bauausschuss befürwortet veränderte Westtrasse

Alternativroute für Zubringer zum Radschnellweg

Im Vergleich zur früheren Planung macht der westliche Zubringer (grüne Linie) zum Radschnellweg (Rot) einen „Knick“ über die Lortzigstraße. Die Trasse sollte weitgehend entlang der Bahn und ins Loh führen. Doch dafür fehlt ein Grundstück. Die gelbe Linie markiert die vorhandenen Radwege ins Gewerbegebiet Neurott. grafik: stadt
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Im Vergleich zur früheren Planung macht der westliche Zubringer (grüne Linie) zum Radschnellweg (Rot) einen „Knick“ über die Lortzigstraße. Die Trasse sollte weitgehend entlang der Bahn und ins Loh führen. Doch dafür fehlt ein Grundstück. Die gelbe Linie markiert die vorhandenen Radwege ins Gewerbegebiet Neurott.

Östlich der Bahnlinie laufen die Vorarbeiten für den Bau des Radschnellweg-Abschnitts in Langen. Beim Radweg auf der Westseite – der sogenannten „Sommerroute“ – mussten die Planer im Rathaus aber noch mal nachbessern: Weil ein Schlüsselgrundstück von einer privaten Eigentümerin nicht zum Verkauf steht, musste der Streckenverlauf für den „Zubringer“ zum Radschnellweg geändert werden.

Langen – Der neue Verlauf führt vom Bahnhof kommend – wie bereits vorgesehen – auf dem unbefestigten Weg hinter den Gärten der Friedrich-Ebert-Straße entlang. In Höhe der Fußgängerbrücke über die Bahnlinie zweigt er dann aber ab und verläuft über die Lortzingstraße und die Berliner Allee ins Loh. Die Lortzingstraße soll in diesem Zuge zur Fahrradstraße werden, ebenso das südlichste Teil der Berliner Allee (nach dem Ende des Rad-/Fußweges an der Schneise, die zum Waldstadion des FC Langen führt).

Der erste Entwurf sah vor, dass die Strecke – von Norden aus gesehen – vom Monzapark entlang der Bahn, am Bahnhof vorbei und entlang der Gleise bis ins Loh führen sollte. Dieser Idee von Bürgermeister Jan Werner hatte die Stadtverordnetenversammlung im September zugestimmt – unter den zwei Bedingungen, dass Fördermittel genutzt werden können und die Stadt die erforderlichen Grundstücke nahe der Lohschneise kaufen kann.

Auch Fahrradstraße wird gefördert

Erstere ist nach wie vor erfüllt: Hessen Mobil hat der Stadt eine Förderung in Höhe von etwa 70 Prozent in Aussicht gestellt. Werden die erforderlichen Planungsunterlagen bis Mai fertiggestellt, kommen noch mal zehn Prozent aus dem Sonderprogramm „Stadt und Land“ des Bundes hinzu. Die Stadt könne so mit kleinem finanziellen Aufwand großen Nutzen erzielen – gerade durch die ebenfalls geförderte Fahrradstraße. „Mit dieser Routenführung wäre der Sportpark Oberlinden mit geplanter Kita optimal mit dem Fahrrad erreichbar“, argumentiert Bürgermeister Jan Werner. Das Südende der Berliner Allee ist im Rahmen des Sportparks-Umbaus zur Umgestaltung vorgesehen. Die Straßen werden trotzdem für den Autoverkehr in beide Fahrtrichtungen befahrbar bleiben und ausreichend breit sein.

Die Streckenführung über Lortzingstraße und Berliner Allee biete Vorteile für Radfahrer ohne gravierende Nachteile für den Autoverkehr, glaubt der Rathauschef. Auch die Baukosten seien im Vergleich zur Ursprungsvariante deutlich geringer und die Umsetzung früher möglich. Eine Führung über Friedrich-Ebert-Straße, In den Tannen und die Wagnerstraße ins Loh war verworfen worden, weil diese Straßen relativ schmal sind und für eine Fahrradstraße einseitig Parkplätze wegfallen müssten.

SPD hält Trassenverlauf für „nicht sinnvoll“

Die genannten Punkte überzeugen auch die Mehrheit des Ausschusses für Umwelt, Bau und Verkehr, der am Mittwochabend tagte. „Die Anbindung des Sportparks ist ein wichtiges Argument“, sagt Dr. Andreas Keppeler (CDU). Auf der Westseite sei weniger Verkehr als auf der Ostseite und Radlern bleibe der Kreisel an der Berliner Allee erspart. Rainer Schöner (Grüne) bedauert zwar, dass die Strecke weitestgehend an der Bahnlinie entlang nicht geklappt hat. „Aber das ist eine gelungene Alternative.“

Zwei Fraktionen sind nach wie vor nicht begeistert von der Planung: Die SPD – die im Herbst mit FWG-NEV und den Stadtverordneten Marianne Wurm (Linke) und Joost Reinke gegen den Zubringer votiert hatte – hat Gegenargumente. Die Fußgängerbrücke und die Bahnhofsunterführung taugten nicht als „Anschlüsse“ für Radler, kritisiert Frank Gottschling. „Da muss man absteigen und schieben.“ Die Umgestaltung der Lortzingstraße zur Fahrradstraße sei zwar prinzipiell eine gute Sache. „Aber es gibt andere Straßen in Langen, die dringender zu Fahrradstraßen werden müssten und aus Kostengründen zurückgestellt sind“, so der Sozialdemokrat. Seine Fraktion halte die Trasse für nicht sinnvoll.

„Sicheres Angebot für Radfahrer“

Heike Gollnow, Leiterin der städtischen Fachdienste Bauwesen und Stadtplanung, stellt klar: „Wir wollen natürlich auch weitere Radstrecken im Stadtgebiet bauen. Aber für diese spezielle würden wir nun mal Fördergelder durch die Raddirektverbindung erhalten.“ Die Anschlüsse mit Brücken seien sicher nicht optimal, aber man müsse eben mit den vorhandenen Gegebenheiten arbeiten. „Insgesamt ist dieses Projekt förderlich für den Radverkehr.“ Erster Stadtrat Stefan Löbig (Grüne) betont: „Es wird sicher nicht jeder die Fußgängerbrücke nutzen, aber wir schaffen so ein sicheres Angebot für Radler.“

Die NEV, die von Anfang an eine Strecke an der Bahn entlang präferiert – was aus Gründen des Naturschutzes nicht ging – kann die Umplanung nicht überzeugen. „Radfahrer suchen sich den schnellsten Weg“, betont Heinz-Georg Sehring. Das sei der Abzweig der Friedrich-Ebert- über die Lortzingstraße sicher nicht. Deshalb wolle die NEV nicht zustimmen.

Für die Anwohner der Lortzingstraße hat die Schaffung einer Fahrradstraße übrigens den Vorteil, dass die Fahrbahn saniert wird. Zudem wirkt sie geschwindigkeitsreduzierend – zuletzt hatte es etliche Beschwerden von Anwohnern über Raser gegeben. Dieser Ausbau sei ohne Fördergelder nicht machbar. Das überzeuge vielleicht auch etwaige skeptische Anwohner, meint Löbig.

Am Ende votieren die Vertreter von CDU, Grünen, FDP und UWFB für die Vorlage, die FWG-NEV stimmt dagegen und die SPD enthält sich. Den Beschluss über die geänderte Trassenführung soll die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung am 18. Februar fällen.

Von Julia Radgen

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