Fälle, so bunt wie das Leben

Amtsgericht Langen besteht seit 200 Jahren

Das frühere Domizil des Amtsgerichts in der Darmstädter Straße im Jahr 1975. Heute sind dort Musikschule und Vhs untergebracht.
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Das frühere Domizil des Amtsgerichts in der Darmstädter Straße im Jahr 1975. Heute sind dort Musikschule und Vhs untergebracht.

Vor genau 200 Jahren, am 20. Juli 1821, wurde das Amtsgericht Langen eröffnet. „Wir sind die erste Instanz für alle Anliegen der Bevölkerung“, sagt Richterin Anja Möller.

Langen – „Die Entwicklung der vergangenen 200 Jahre hat gezeigt, wie wichtig die Gerichtsbarkeit für das Leben der Menschen vor Ort ist“, sagt Richterin Anja Möller. Als stellvertretende Direktorin des Amtsgerichts Langen freut sie sich, dass das Gericht heute auf den Tag genau auf sein mittlerweile 200-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Auch wenn eine gebührende Jubiläumsfeier aufgrund der aktuellen Corona-Situation nicht stattfinden kann. Schließlich sei das Gericht derzeit noch immer nur eingeschränkt für den Publikumsverkehr zugänglich.

Doch wie sieht er eigentlich aus, der Alltag am Amtsgericht Langen? Mit seinen zehn Richterinnen und Richtern sowie vier Verhandlungssälen handelt es sich Möller zufolge „eher um ein kleines Amtsgericht“. Dennoch fänden täglich Verhandlungen „in nahezu allen Bereichen“ statt.

Ein Großteil entfalle dabei auf die drei großen Bereiche Familien-, Straf- und Zivilrecht. Bei ersterem werde etwa über Scheidungen, Unterhaltszahlungen oder das Umgangsrecht verhandelt. Das Strafrecht wiederum biete Fälle, die „so bunt gemischt sind wie das Leben“. Im Bereich des Zivilrechts seien vor allem Miet- und Wohnungsfragen vorherrschend. Ebenfalls in den Tätigkeitsbereich fiele zudem das Betreuungsrecht, sämtliche Fragen rund um die Themen Grundbuch, Nachlassreglung und Zwangsvollstreckungen sowie die Beratungshilfe durch die insgesamt elf Rechtspflegerinnen- und Pfleger. Nur das Handelsregister und die Insolvenzabteilung sind nicht mehr vor Ort, „die sind mittlerweile am Amtsgericht Offenbach angesiedelt“, so Möller.

Gerichtsbarkeit vor Ort: Das Amtsgericht hat seinen Sitz im Behördenzentrum in der Zimmerstraße.

In ihrer alltäglichen Arbeit gebe es „Erfreuliches und weniger Erfreuliches“. Doch im Unterschied zu anderen Instanzen der Gerichtsbarkeit zeichne sich die Tätigkeit am Amtsgericht durch die große Nähe zu den Leuten aus. „Wir sind die erste Instanz für alle Anliegen der Bevölkerung und dadurch einfach sehr, sehr nah an den Menschen“, beschreibt die Richterin die Besonderheit ihrer Institution. Im Gegensatz zu höheren Instanzen gehört es auch zur Besonderheit eines Amtsgerichtes, dass für viele Verfahren kein Anwaltszwang besteht. „Dennoch“, so die Richterin, „holen sich aber auch hier in der Regel 90 Prozent der Leute im Verlauf einer Verhandlung anwaltliche Hilfe. Allein schon, um ihre Rechte zu kennen.“

Dass diese Möglichkeit auch nach 200 Jahren noch immer besteht, ist dabei alles andere als eine Selbstverständlichkeit. „Zukunftsangst im Amtsgericht“ titelte unsere Zeitung bereits im Februar 2010 anlässlich der von der Landesregierung beschlossenen Schließung und Zusammenlegung kleinerer Gerichte. Die damals in der Belegschaft vorherrschende Frage: „Wird es das Amtsgericht Langen auch in zehn Jahren noch geben?“

Auch Anja Möller erinnert sich an die damalige Diskussion über Sparmaßnahmen, denen jedoch weder das Langener noch das Seligenstädter Amtsgericht zum Opfer fielen. „Es ist erfreulich, dass diese Strukturen so weiter bestehen und es auch keine weiteren Bestrebungen gibt, daran etwas zu ändern.“

Genauso wie vor zwei Jahrhunderten stelle das Amtsgericht für viele Menschen vor Ort auch heute noch einen wichtigen Anlaufpunkt dar. „Denn es ist noch immer ein Ort, an dem man wirklich noch hergelaufen kommt und nicht erst 50 Kilometer weit fahren muss, um Gehör für sein Anliegen zu bekommen“, verdeutlicht Möller die Bedeutung des Amtsgerichts Langen. (Joel Schmidt)

Geschichte des Amtsgerichts Langen 

Als Ergebnis der Neuordnung der hessischen Landesregierung und der damit einhergehenden Trennung von Verwaltung und Justiz erhielt Langen am 20. Juli 1821 zunächst ein eigenes Landgericht. Im Jahr 1879 wurde es in Amtsgericht Langen umbenannt. Bis in die frühen 1990er Jahre war die Institution im Gerichtsgebäude in der Darmstädter Straße 27 untergebracht. Seit 1991 befindet sich der Sitz im Langener Behördenzentrum in der Zimmerstraße 29. Zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts gehören heute Dreieich, Egelsbach, Langen und Rödermark. (jsc)

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