Landesweites Pilotprojekt für Senioren

Langen ist neuer Standort der „Digital-Lotsen“

Freuen sich über Mitstreiter: Projektkoordinatorin Caroline Jendricke von der Evangelischen Kirche und Rolf Müller, der sich für das Ehrenamt interessiert.
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Freuen sich über Mitstreiter: Projektkoordinatorin Caroline Jendricke von der Evangelischen Kirche und Rolf Müller, der sich für das Ehrenamt interessiert.

Online-Bestellungen, WhatsApp-Nachrichten an die Familie oder auch die Beantragung eines Impftermins: Vieles geht heutzutage über das Internet schneller und einfacher – sofern man sich auskennt. Was für die Jüngeren Alltag ist, bereitet so manchen älteren Menschen Schwierigkeiten. Hier will das Projekt „Digital im Alter – Di@-Lotsen“ der Hessischen Staatskanzlei ansetzen.

Langen – Ehrenamtliche bringen Senioren dabei die digitale Welt näher. Langen ist nun neuer Standort der Pilotphase des Projekts. Angedockt wird der neue Stützpunkt des Digital-Lotsen-Projekts an die „Innovative Erwachsenenarbeit 55 Plus“ des Evangelischen Dekanats Dreieich-Rodgau in Langen. Carolin Jendricke, Leiterin der Projektstelle, hat schon Erfahrung darin, Menschen die Berührungsangst vor digitaler Technik zu nehmen. Bei dem vom Land finanzierten „Smartphone entdecken“-Kurs der Evangelischen Kirche war Langen vor zwei Jahren dabei. Während des Lockdowns hat Jendricke die Video-Treffen „Happy To Meet You“ geleitet. Wie wichtig digitale Teilhabe ist, habe nicht zuletzt diese Zeit vor Augen geführt, meint sie. „Meiner Erfahrung nach sind die meisten älteren Menschen sehr aufgeschlossen, was das angeht“, sagt Jendricke. Aus ihrer Arbeit weiß sie, wie froh Senioren sind, wenn sie etwa mit den Enkeln in Australien skypen können. Viele seien dankbar, nicht digital „abgehängt“ zu werden.

Die Arbeit der „Digi-Lotsen“ schließt daran an: Meist ältere Menschen schulen ihre Altersgenossen kostenlos und wohnortnah im Umgang mit Tablet, Smartphone und Co. Das kann einmalig oder regelmäßig sein – das machen die Lotsen mit ihren Schützlingen flexibel aus. Anlaufstelle für die Ehrenamtlichen ist der Stützpunkt – in Langen im Haus der Kirche in der Bahnstraße. Dort macht die Projektleitung das Angebot bekannt, koordiniert die Nachfrage und stellt Tablets oder Smartphones bereit. Bisher gebe es zwei interessierte Digital-Lotsen, sagt Jendricke. Ein halbes Dutzend Ehrenamtliche wäre ein guter Start. Im November erhalten die Interessierten eine einführende Schulung, dann geht es los.

Einer von ihnen ist Rolf Müller. Der 64-jährige Rentner hat lange in der EDV gearbeitet. „Mir fehlt das Thema“, sagt er. Sein Renteneintritt ist in die Pandemiezeit gefallen, auch er hat die Vereinsamung mitbekommen. Deshalb will er gerne anderen helfen, fitter im Umgang mit dem Internet und smarten Geräten zu werden. „Ich bin schon gespannt, wie es wird“, sagt Müller, der in der Kirchengemeinde und im Dekanat aktiv ist und so auf das Projekt aufmerksam wurde.

Erster Standort im Rhein-Main-Gebiet

Langen ist der hessenweit siebte Stützpunkt des Digitallotsen-Projekts – und der erste im Rhein-Main-Gebiet. Bisherige Standorte sind Oestrich-Winkel, Taunusstein, Gießen, Kassel, Schotten und Ebersburg/Gersfeld. Durch verschieden große Orte sollen in der Pilotphase in den kommenden zwei Jahren unterschiedliche Erfahrungen gesammelt werden. Die Federführung für das im Juli begonnene Programm liegt bei der Staatskanzlei. Das Sozialministerium finanziert die Schulung der Lotsen, das Digitalministerium stellt die Technik. Das Institut für Medienpädagogik und Kommunikation schult die Lotsen und bietet Sprechstunden an. Für das Programm stellt das Land 2021 insgesamt rund 100 000 Euro bereit. Interessenten melden sich bei Caroline Jendricke, unter 0151 21786149 oder carolin.jendricke@ekhn.de (jrd)

Für die Landesregierung ist das Projekt auch ein Instrument, um auf die alternde Gesellschaft zu reagieren. Das niedrigschwellige Angebot solle auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen, wünschte sich Staatsminister Axel Wintermeyer bei der Urkunden-Übergabe zum Projektstart. „Alle Menschen mitzunehmen und ihnen die digitalen Möglichkeiten nahezubringen ist uns wichtig“, sagt Wintermeyer. Egal ob es um Online-Banking oder das Einrichten des neuen Computers oder Fitnessarmbands geht.

Jendricke freut sich, dass sie mit dem Projekt – auch durch die gewachsene Reichweite des fusionierten Dekanats – digitale Erfahrung in der Region weiter vorantreiben kann. „Unsere Angebote können auch Türöffner sein, durch die Menschen weitere Kurse besuchen, beispielsweise bei der VHS“, sagt sie.

Von Julia Radgen

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