Anbandeln mit der Natur

Aktionen für Klein und Groß: Tag der Nachhaltigkeit in Langen

So schön weich: 20 Kinder der Langener Kita Steinberg waren im Wald auf Naturexpedition mit Marion Bredemeier.
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So schön weich: 20 Kinder der Langener Kita Steinberg waren im Wald auf Naturexpedition mit Marion Bredemeier.

Während der Pandemie zieht es die Menschen vermehrt in den Wald. Auch Selbstversorgung mit Obst und Gemüse wird für viele attraktiver. Dabei sollte ein Leben in Einklang mit der Umwelt stets selbstverständlich sein. Dafür wirbt der Tag der Nachhaltigkeit – auch Langener Akteure machen mit.

Langen – Sie sind nicht zu übersehen mit ihren Kappen in knalligem Orange: Vorsichtig laufen die Kinder der Kita am Steinberg über den knackenden Boden des Koberstädter Walds. Hier gibt es viel zu entdecken für die drei- bis sechsjährigen Knirpse, vor allem herumliegende Äste stehen hoch im Kurs. Aber Pflanzenexpertin Marion Bredemeier weiß sich Gehör zu verschaffen. „Was brauchen Bäume?“, fragt die Naturführerin. Zuerst kurzes Zögern, aber dann ist klar: Wasser.

Auch, was der Baum daraus macht, können die Kinder, die bei der letzten Kita-Waldwoche gut aufgepasst haben, beantworten: „Sauerstoff!“ Das nenne man Fotosynthese, weiß ein Junge. „Das kenne ich aus den Büchern von Peter Wohlleben“, fügt er stolz hinzu. Die Kinder kennen den lebenswichtigen Kreislauf. „Wir leben in einer Beziehung mit den Bäumen, sie geben uns etwas und wir müssen ihnen was zurückgeben“, betont Bredemeier.

Kinder sollen Beziehung zur Natur entwickeln

Bei der Naturerlebnisexpedition, die die Leiterin der Langener Natur- und Heilpflanzenschule Mitwelt aktiv mit dem hiesigen BUND anbietet, sollen die Kleinsten spielerisch die Natur kennen und schätzen lernen. „Ziel ist, dass sie eine Naturbeziehung entwickeln“, so Bredemeier. Sie erklärt den Kindern, wofür welche Pflanze gut ist: Der gewöhnliche Odermennig etwa für die Stimmbänder, Efeu wirkt hustenlösend.

Dahinter steht der Gedanke, dass dies die Generation ist, die sich für den Erhalt des gebeutelten Planeten einsetzen muss. „Menschen sollen lernen, wie sie den Zins der Natur nutzen, ohne sein Kapital anzutasten“, wünscht sich Bredemeier. Für die Kinder ist der Gedanke in einen aufregenden Tag mit Spielen verpackt: Sie suchen Tierspuren und müssen Rätsel lösen.

Gerade schlängelt sich die Gruppe zwischen Brombeerhecken entlang zum ausgetrockneten Bachbett. Hier dürfen die Kids in Zweierteams mit verbundenen Augen Bäume ertasten. Jonathan hat seinen Liebling schon gefunden. „Der ist so schön weich“, sagt der Fünfjährige und zeigt auf die moosbewachsene Rinde. Und er kann ihn richtig zuordnen, denn ein ähnlicher wächst auf dem Kitagelände. „Das ist eine Eiche“, weiß der Junge.

Da wächst ordentlich was: Gärtnerin Van Dang mit einer Kalebasse im Gemeinschaftsgarten „Essbarer Quadratmeter".

Ortswechsel: Im Gemeinschaftsgarten „Essbarer Quadratmeter“ in der Georg-August-Zinn-Straße, leben die Teilnehmer ein Stück Nachhaltigkeit – und wollen andere dafür begeistern. Im Frühjahr hat Udo Rach das Projekt initiiert, mittlerweile bewirtschaften 30 Hobbygärtner auf dem Privatgrundstück Parzellen. Hier wachsen Tomaten, Kürbisse und Gurken, aber auch jede Menge Kräuter und Blumen. Ein kleiner Dschungel im Wohngebiet.

Ein Hingucker ist das Beet von Van Dang, auf dem sich die exotische Kalebasse von der Bambushalterung herabrankt. Die tropische Frucht, auch Flaschenkürbis genannt, gedeiht gut, aber die Hobbygärtnerin muss etwas nachhelfen. „Ich muss die Blüten manuell bestäuben, die hiesigen Insekten lassen sie links liegen“, erzählt sie lachend. Mit Kurkuma, Ingwer und Zitronengras in unmittelbarer Nähe wächst hier der Grundstock für leckere vietnamesische Gerichte.

Ums insektenfreundliche Gemeinschaftsbeet kümmern sich Sigrid und Hans Szegfü vom NABU und Eleonore Thomin (rechts).

Ein paar Beete weiter klappt das Insektenanlocken besser: Hier haben Mitglieder von VVV, NABU, BUND und Naturgarten-Verein ein insektenfreundliches Beet angelegt. Lavendel, Fette Henne und Wollziest und Co. sorgen dafür, dass es schwirrt und summt. Die fünfköpfige Gruppe teilt sich den Dienst. „Die Leute halten unwahrscheinlich gut zusammen und helfen sich gegenseitig“, lobt Sigrid Szegfü vom NABU. „Das ist eine feine Sache!“

Auf den ersten Blick verwundert, warum manche Beete zarten Flauschflaum haben. „Das ist rohe Schafwolle“, erklärt Christina Lev. „Die mulcht, düngt und sorgt dafür, dass die Feuchtigkeit nicht so schnell raus geht.“ So wird der Nachschub vom Schafzüchter des Vertrauens schon sehnlichst erwartet.

Von Julia Radgen

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