BUND will Antrag beim Verwaltungsgerichtshof Kassel stellen

Rodungen am Waldsee: Gericht entscheidet pro Sehring

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Langen/Kassel - Nachdem das Verwaltungsgericht Darmstadt einen Antrag des BUND abgelehnt hat, die Abholzung von Bäumen am Waldsee in Langen zu stoppen, wollen die Naturschützer jetzt in die nächste Instanz gehen.

Das Verwaltungsgericht (VG) Darmstadt hat zugunsten der Firma Sehring entschieden und den aktuellen Stoppantrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) abgelehnt. Die Naturschützer hatten damit den Sofortvollzug der Rodung einer Teilfläche von 8,1 Hektar Bannwald, bei dem es sich ihren Angaben zufolge überwiegend um alte Waldbestände mit einem hohen Vorkommen an Fledermäusen handelt, verhindern wollen. Doch der BUND will es damit nicht bewenden lassen. Nachdem dem Verband die Darmstädter Entscheidung am Montag zugestellt worden hat, hat er heute einen Stoppantrag beim Verwaltungsgerichtshof Kassel gestellt. Thomas Norgall, stellvertretender Geschäftsführer des BUND, kritisiert das Urteil: „Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Darmstadt ist für uns überraschend, weil es anders als andere Verwaltungsgerichte die Klagemöglichkeit von Naturschutzverbänden gegen bergrechtliche Hauptbetriebspläne grundsätzlich verneint hat. Das Bergrecht erweist sich einmal mehr als kaum durchdringbares Gespinst, in dem Kläger über Jahre hinweg und in mehreren Verfahrensstufen gleichzeitig gegen unterschiedliche Betriebspläne kämpfen müssen, bis ihre Argumente überhaupt durch ein Urteil gewürdigt werden.“

Der BUND will nun in der höheren Instanz beim Verwaltungsgerichtshof Kassel erneut vortragen, dass die Rodung des Bannwalds zur Zerstörung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten von Fledermäusen, Vögeln und Eidechsen führen werde, ohne dass dafür ausreichende neue Lebensräume geschaffen wurden. Die vom BUND seit Jahren vorgetragenen Argumente seien bisher trotz der langen Laufzeit der Auseinandersetzung noch nie in einer ordentlichen Gerichtsverhandlung diskutiert worden, denn das Verwaltungsgericht habe, als es kurz vor Weihnachten 2015 über den Planfeststellungsbeschluss urteilte, ausdrücklich festgehalten, dass es den gesamten Artenschutz zum damaligen Zeitpunkt nicht prüfen könne.

Alles zum Waldsee in Langen in der Übersicht.

Die jetzige Entwicklung bestätige den BUND in seiner schon damals geäußerten Kritik am Urteil des VG Darmstadt. „Es ist ein nicht akzeptabler Nachteil für die Natur, wenn ein Gericht eine Genehmigung für rechtmäßig erklärt, ohne sich mit den vom Kläger vorgetragenen Artenschutzkonflikten überhaupt zu beschäftigen“, bemängelt Thomas Norgall. Insgesamt geht es um eine genehmigte Fläche von 63,8 Hektar, auf der die Firma Sehring Sand und Kies fördern will. 11,7 Hektar sind bereits gerodet; im August hatte das Regierungspräsidium den jetzt beklagten weiteren Teilabschnitt freigegeben. (ble)

Die Ostgrube des Waldsees in Langen: Bilder

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