Art Promenade wieder gut besucht

Kunstgenuss im siebten Himmel

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Die Kindergärten stellten nicht nur die Kunstwerke aus, sondern luden auch zu Mitmachaktionen ein.

Langen - Bildende Kunst möchte gesehen werden. Und wo ginge das besser als auf dem viel besuchten Langener Markt? Jährlich lädt die Künstlergruppe der Langener Art People dort zu ihrer Art Promenade ein. Von Timo Kurth 

Bereits zum siebten Mal konnten sich die Besucher des verkaufsoffenen Sonntags auf der Bahnstraße in der Romorantin- und Long-Eaton-Anlage über die Bilder von gut 30 ausstellenden Künstlern freuen. Dieses Mal stand die Ausstellung, die auch schon am Vorabend geöffnet ist, passend dazu unter dem Motto „Art Heaven Number Seven“.

„Die Künstler werden bei der Gestaltung ihrer Werke nicht eingeengt. Sie müssen nicht zwingend mit dem Motto in Verbindung stehen“, sagt Mitorganisatorin Susanne Link. Im Gegenteil. Absolute Freiheit ist für die meisten Künstler in ihren inspirierten Phasen von entscheidender Bedeutung. „Meine Bilder entstehen einfach so aus dem Moment heraus“, verrät Antje Schmitt vor ihren abstrakten Ölgemälden. Seit die gelernte Sekretärin vor sieben Jahren aus ihrem Job ausschied, war sie auf der Suche nach einem neuen Hobby. Gefunden hat sie es in der Malerei – dabei lag das nicht mal auf der Hand. „Vorher hatte ich mit Malen nichts am Hut. Ich war auch in der Schule nicht sonderlich gut in Kunst“, erzählt das heutige Mitglied des Orga-Teams der Art Promenade. „Ich habe mich dann einfach mal am Malen versucht und gemerkt: Mensch, so schlecht sieht das doch gar nicht aus“, sagt sie lachend. Die meisten ihrer Gemälde hängen in ihrer Wohnung und in dem Atelier, das sie sich inzwischen in ihrem Haus eingerichtet hat. „Wenn heute eins verkauft wird, dann habe ich wieder eine Stelle an der Wand frei. Dann wird ein neues Werk gemalt.“

Das Spektrum der ausgestellten Werke könnte weiter kaum sein. Die 200 Meter lange Kunstmeile hat Collagen, Skulpturen, aber auch verschiedene Fotografien zu bieten. Verzierte lange Holzstelen mit Bembel-Motiv erweisen sich als Blickfang. Gestaltet wurden sie von Gabriele Teichmann-Reimer. „Ich wollte die Langener Ebbelwoi-Kultur in meine Werke einfließen lassen“, erzählt die pensionierte Kunstlehrerin. „Die Stelen sind natürlich besonders für den Garten geeignet. An dunklen Herbsttagen hat man so wenigstens etwas Farbe im nassen Grau.“ Zahlreiche Stelen und andere Kunstwerke hat sie auf dem Langener Markt bereits verkauft. Ihr Portfolio reicht von künstlerischen Techniken an Keramik und Speckstein bis hin zur klassischen Acrylmalerei. Trotzdem spielt der finanzielle Anreiz keine große Rolle. „Wenn einige Werke nicht verkauft werden, ist das doch kein Drama.“ Denn von der Kunst zu leben bleibt für die meisten Künstler leider ein Wunschtraum. „Das ist ein Nullsummenspiel. Niemand bezahlt mir das Material und die Stunden, die ich allein an einem dieser Werke sitze. Hauptberufliche Künstler können sich meist nur über Wasser halten, wenn sie Kurse oder Vorträge halten“, sagt die erfahrene Kunstpädagogin.

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Erstmals sind auf der Art Promenade auch minderjährige Künstler zugange. Gleich drei Kindertagesstätten stellen Werke ihrer Kinder aus. Zahlreiche Kids der Kita am Steinberg haben gar ein ganzes Jahr lang Holzstühle mit den verrücktesten Mustern bemalt. Vom Stuhl mit aufwendig verziertem Eintracht-Frankfurt-Muster bis hin zum rosaroten Prinzessinnenthron waren der Kreativität der Kinder keine Grenzen gesetzt. „Es ist für die frühkindliche Entwicklung einfach wichtig, Platz für kreativen Raum zu geben“, sagt Erzieherin Nicole Nietschke am Stand der kleinen Kunstschaffenden. Die Kooperation mit den Art People sei die perfekte Gelegenheit, bei den Kindern eine Begeisterung fürs Malen zu wecken. „Das motiviert unsere Kinder extrem, wenn sie mit ihren Eltern vorbeikommen und ihre eigenen Werke ausgestellt sehen.“ Und wer weiß: Vielleicht wächst so ja bereits eine neue Generation der Art People heran.

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