In der Asklepios Klinik

Dreist eine Verstorbene beklaut

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Symbolbild

Langen - Eine Familie hat in der Langener Asklepios Klinik nicht nur eine Angehörige verloren, sondern auch den Glauben an die Zuverlässigkeit des Personals. Denn die Wertgegenstände und die Kleidung der Verstorbenen sind bis heute spurlos verschwunden. Von Cora Werwitzke 

Die Geschäftsleitung des Krankenhauses kann sich den Verlust der Sachen nicht erklären und bedauert den Vorfall. Über ein Jahr nach dem Tod seiner Mutter hat Christof Zimmermann noch immer Schriftwechsel mit Behörden und Versicherungen. Die jüngste Nachricht vonseiten der Polizei ist, dass sie die Ermittlungen gegen Unbekannt eingestellt hat. Damit ist die Hoffnung der Familie gänzlich geschwunden, dass sie die Wertgegenstände der Verstorbenen je wiedersieht. Das ist nach den Worten von Christof Zimmermann deshalb so bitter, weil seine Mutter zwei Ringe trug, die vor allem ideellen Wert haben. „Unter anderem ein Erbstück ihres Vaters.“ Zu Zimmermanns neunjähriger Tochter hatte die Großmutter stets gesagt, dass sie diesen Ring später mal bekommen solle.

Doch der Reihe nach: An einem Novembertag 2014 bekommt Zimmermanns 78-jährige Mutter einen Herzinfarkt. „Wir haben zu spät reagiert. Als der Krankenwagen eintraf, musste meine Mutter bereits 20 Minuten reanimiert werden.“ In kritischem Zustand kommt sie in die Langener Klinik, in der sie noch in der folgenden Nacht verstirbt. An die Kleidung und die Wertgegenstände verschwendet die Familie in dieser Nacht keinen Gedanken. Erst als die Vertreter des Beerdigungsinstituts anmerken, dass sie die Frau nur im Krankenhaushemd abgeholt hätten, fällt der Verlust auf.

Mehrfach fahren Zimmermann und seine Frau daraufhin in die Klinik. „Beim ersten Mal suchten wir die Notaufnahme mit ab“, erzählt er. Die Geschäftsleitung sei hilfsbereit gewesen, habe ihnen aber erstmal nur ein Schadensformular aushändigen können. Zimmermanns versuchen daraufhin, die entscheidenden Stunden zu rekonstruieren: „Meiner Frau ist es gelungen, mit einem der Erstversorger im Krankenwagen zu sprechen. Der sagte, dass sie bei der Reanimation nur die Zahnprothese entnommen haben – und diese im Krankenhaus mit auf der Trage übergeben hätten.“ Seine Mutter sei so gekleidet gewesen, „wie man im Winter eben angezogen ist“.

„In der Notaufnahme können zu viele Leute ein- und ausgehen“

Die Familie lässt sich daraufhin anwaltlich beraten und schaltet die Polizei ein. Die beginnt mit den Ermittlungen, lässt sich Dienstpläne zeigen und befragt das Personal. Herausgekommen ist dabei nichts: „In der Notaufnahme können einfach zu viele Leute ein- und ausgehen – der Vorfall ließ sich nicht mehr rekonstruieren“, hat Zimmermann dem Schreiben der Polizei entnommen, in dem die Beamten die Einstellung des Verfahrens bekanntgeben. Was der Familie jetzt noch bleibt, ist der Schriftverkehr mit der Versicherung des Krankenhauses, um zumindest den wirtschaftlichen Schaden ersetzt zu bekommen. „Vielleicht kann ich meiner Tochter für einen Teil davon wenigstens einen ähnlichen Ring kaufen“, sagt Zimmermann.

Die seltensten Krankheiten der Welt

Die Frage, ob es sich bei den Vorkommnissen um einen bedauerlichen Einzelfall handelt, kann ein Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen einordnen: „Solche Fälle kommen immer mal wieder vor“, sagt er auf Anfrage. Das gelte nicht spezifisch für Langen, sondern auch für andere Krankenhäuser. „Ich habe einen Fall mit dieser Wertigkeit in den vergangenen 14 Jahren noch nicht erlebt“, sagt dagegen Volkmar Bölke, der Geschäftsführer der Asklepios Klinik, im Gespräch mit unserer Zeitung. Was ihm aus seiner jahrelangen Praxis geläufig sei, sei eher, dass zum Beispiel Hörgeräte vermisst werden: „Moderne Modelle sind sehr klein, teils transparent und sehr teuer“, so Bölke. „Wenn es dann manchmal um Leben und Tod geht, ist es schon vorgekommen, dass so ein Hörgerät abhanden gekommen ist.“ Aber der Verlust im beschriebenen Stil hat nach Bölkes Worten auch die Geschäftsleitung betroffen gemacht. Zur Aufklärung habe man der Polizei natürlich zugearbeitet. „Als Geschäftsleiter muss ich aber natürlich auch darauf hinweisen, dass die Sachen ,irgendwo‘ weggekommen sind“, deutet Bölke an, dass sich der Verlust nicht zweifelsfrei im Krankenhaus verorten lässt. Gleichwohl wolle die Klink den wirtschaftlichen Schaden wiedergutmachen, der emotionale Verlust sei nicht zu ersetzen.

Im Regelfall bekommen Angehörige von Verstorbenen in der Klinik einen Kleidersack und eine Schachtel mit den Wertsachen übergeben. Dasist nach den Worten von Bölke lückenlos zu verfolgen. Was im Fall von Zimmermanns Mutter schieflief, lässt sich auch aus Sicht der Geschäftsleitung nicht mehr nachvollziehen.

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