Klimaschutzheld des Monats Januar

Bitte keine Halbherzigkeit

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Langen - Klimaschutz beginnt im Kleinen – in jeder Wohnung, an jedem Arbeitsplatz, bei jedem Einkauf. Und weil Vorbilder in diesem Zusammenhang gut tun, hat die städtische Umweltberatung die Kampagne „Klimapaket in Langen“ ins Leben gerufen.

Jeden Monat kürt sie einen Klimaschutzhelden; den Auftakt machte Bürgermeister Frieder Gebhardt, Held des Monats Januar ist Franz Scheidel – bekannt vor allem als Organisator der Mahnwachen gegen Atomkraft am Lutherplatz.

Klima- und Umweltschutz gehören zu den wichtigsten Themen der Gegenwart. Unser Verhalten ist maßgeblich für die Klimaprobleme in der Zukunft. Welche Meinung haben Sie persönlich zum Klimaschutz?

Mir liegt das Thema Klimaschutz im Zusammenhang mit unserer gesamten Energiepolitik am Herzen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Lösung der Energiefrage eine Grundbedingung für unser Überleben in der Zukunft darstellt. Wir müssen weg von Kohle, Öl und Atom. Unsere Energiezukunft liegt in den erneuerbaren Energien. Jede Halbherzigkeit in dieser Frage bedeutet ein Zurückweichen vor den Interessen der großen Energiekonzerne. Die Zukunft liegt in einer weitgehend dezentral organisierten Energiewirtschaft auf der Basis von Wind, Sonne und Wasserkraft.

Womit tragen Sie persönlich zum Klimaschutz bei? Und in welchen Gebieten wollen Sie sich in Zukunft noch stärker engagieren?

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Jeder kann ein Klimaheld sein

Mein Engagement gilt der Initiative „Langen gegen Atomkraft“. Seit dem Reaktorunfall in Japan organisieren wir monatlich eine Mahnwache gegen Atomkraft, wobei wir die klimaschädliche Kohle nicht ausklammern. Aus der Überzeugung heraus, dass es nicht genügt, gegen etwas zu sein, arbeite ich auch im Verein „ByeByeBiblis – Energiewende in der Region e.V.“ mit. Dieser Verein macht sich stark für die erneuerbaren Energien und versucht gerade, das lokale Handwerk für diese Technologien zu gewinnen und zu begeistern. Bereits zweimal haben wir die Messe „RegioEnergie Dreieich“ erfolgreich veranstaltet. Für dieses Jahr planen wir die Messe in Neu-Isenburg. Unser Ziel ist es, Hersteller, Vertreiber, Handwerker, Umweltorganisationen und Verbraucher in den Dialog zu bringen und Ideen für den eigenen Beitrag zur Energiewende zu finden. Ganz nebenbei sehen wir darin auch einen Beitrag zur Wert-schöpfung in der lokalen Wirtschaft. Auch für den privaten Haushalt habe ich mir Gedanken gemacht, stromsparende Elektrogeräte und LED-Beleuchtung angeschafft. Da ich kein Auto fahre, mache ich die meisten Wege in Langen mit dem Fahrrad, was auch mein bevorzugtes Transportmittel ist.

Welche Botschaft zum Klimaschutz würden Sie gerne an die Bürgerinnen und Bürger in Langen weitergeben?

Lassen Sie sich nicht verunsichern von den unterschiedlichen Beiträgen zum Klimawandel. Alle Leugner dieses Phänomens erweisen sich bei genauerer Betrachtung als interessengesteuert und auch von Interessengruppen bezahlt. Es stimmt: Der einzelne Beitrag erscheint so winzig. Dennoch ist er wichtig und sinnvoll. Wir brauchen insgesamt ein Umdenken und das wird immer von Einzelnen angeschoben. Bis die geänderte Sichtweise irgendwann Gemeingut ist. Ich denke es ist eine vernünftige Denkweise, die Endlichkeit von Ressourcen zur Kenntnis zu nehmen. Es ist vernünftig, sich Gedanken über eine Gesellschaft im Gleichgewicht zu machen. Nicht alles, was machbar ist, muss auch umgesetzt werden. Das Miteinander in der Gesellschaft kann und muss gestärkt werden. Wir wissen nicht, wie viel Zeit wir insgesamt noch haben, um den Klimawandel zu verhindern (abzumildern), aber wir wissen, die Uhr tickt. Es wäre wünschenswert, wenn die Menschheit nicht erst nach eingetretener Katastrophe zum Umdenken gezwungen würde.

Wie der Treibhauseffekt funktioniert

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Klimaschutzheld im Kurzporträt

Franz Scheidel wohnt seit 19 Jahren in Langen, hat zwei Kinder und drei Enkel. Etwa 30 Jahre lang war er bei der Dresdner Bank in Frankfurt tätig, davon viele Jahre freigestellt als Betriebsrat. Seit März 2011 organisiert Scheidel gemeinsam mit verschiedenen interessierten Anwohnern Anti-Atomkraft-Mahnwachen in Langen – anfangs wöchentlich, mittlerweile monatlich. Meistens nehmen um die 40 Personen daran teil. „In 2014 werden wir unsere 50. Mahnwache begehen“, blickt der Atomkraftgegner voraus.

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