Gebührenbescheide auf neuer Datenbasis versandt

Auch Regenwasser geht ins Geld

+
Symbolbild

Langen - Am gestrigen Freitag sind die Bescheide verschickt worden, die ersten Adressaten dürften sie schon heute im Briefkasten vorfinden.

Mehr als 7 000 Haus- und Grundstückseigentümer erhalten von der Stadt die Gebührenberechnung fürs Regenwasser (zählt zu den Grundbesitzabgaben). Die Kommunalen Betriebe (KBL) haben diese Gebühr auf aktualisierter Datengrundlage des Jahres 2017 berechnet. „Das wird im neuen Gebührenbescheid zu abweichenden Kosten führen – mal weniger, mal mehr“, kommentiert KBL-Leiter Manfred Pusdrowski. Seine Bitte in diesem Zusammenhang: „Nicht jeder, der Fragen hat, sollte gleich am Montag um 10 Uhr zum Telefon greifen, sonst wird die zuständige Mitarbeiterin im Rathaus ihres Lebens nicht froh.“.

Ganz besonders gilt dieser Appell für jene gut 600 Langener, die bislang noch gar nicht auf die mehrfache Informationspost vom Sommer und Herbst vergangenen Jahres reagiert haben. „Für sie ist der Zug keineswegs abgefahren“, beruhigt der KBL-Chef. „Allerdings ist nach wie vor ihre Eigeninitiative gefragt. Nur wenn sie anzeigen, dass die anhand der Luftaufnahmen aus dem Frühjahr 2017 ermittelte versiegelte Grundstückfläche und die daraus resultierende Gebührenforderung so nicht zutrifft, können die KBL in ihrem Sinne nachbessern.“

Die Realität abbilden und Gebührengerechtigkeit schaffen: Mit dieser Prämisse hatten die Kommunalen Betriebe zum Jahresbeginn 2017 die mehr als 6 000 Parzellen vom Steinberg bis ins Neurott und Oberlinden unter die Lupe nehmen lassen, die an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen sind. Zum Handeln gezwungen sahen sich die KBL, weil die letzte Datenerhebung dieser Art mehr als 20 Jahre zurücklag. Stichproben hatten ergeben, dass umgestaltete Hofeinfahrten, zusätzliche Terrassen oder Anbauten nicht berücksichtigt waren. Zwar sind die Eigentümer verpflichtet, solche Änderungen den Kommunalen Betrieben zu melden, was aber häufig aus Unkenntnis der gebührenrechtlichen Zusammenhänge unterbleibt.

Sämtliche bebauten und befestigten Flächen wurden vom Flugzeug aus fotografiert. Aus den Luftbildern und Angaben aus dem Liegenschaftskataster erstellte die KBL für jedes Grundstück einen Erfassungsbogen, der an die Eigentümer mit der Bitte um Prüfung und eventueller Korrektur geschickt wurde. Denn auf den Luftbildern ist nicht erkennbar, ob beispielsweise gepflasterte Hofeinfahrten an das Kanalnetz angeschlossen sind oder Material verwendet wurde, das Wasser versickern lässt. „Deswegen haben wir die Eigentümer in deren eigenem Interesse um Mitwirkung gebeten“, erklärt Pusdrowski.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Wer die Angaben nicht überprüft und gegebenenfalls geändert hat, zahlt eventuell für eine Fläche, die gar nicht in den Kanal entwässert. Die rund 600 Haus- und Grundstückseigentümer, die sich bislang nicht geäußert haben, können dies nach wie per Telefon, 203-221 oder -222, Fax (203-718) oder E-Mail (ref332@langen.de) nachholen. „Sie erhalten dann abermals den Erfassungsbogen, können aber auch direkt ins Rathaus kommen, um sich im Referat Kasse und Steuern beraten zu lassen und Änderungen vorzunehmen“, erläutert Manfred Pusdrowski.

Mit diesen sieben Tipps sparen Sie im Alltag viel Geld

Dass das Ganze der Gebührengerechtigkeit dient, liegt aus zweierlei Gründen auf der Hand. Zum einen verdienen die KBL nichts an höheren Gebühren, da dieser Posten von Gesetz wegen in Einnahmen und Ausgaben gleich sein muss. Zum anderen tragen aktuelle Daten all jenen Grundeigentümern Rechnung, die in den vergangenen Jahren mehr oder weniger große Geldsummen in die Hand genommen haben, um versiegelte Flächen in Blumenbeete, Rasen oder Rasengittersteine umzuwandeln oder Regenwasser in Zisternen zu sammeln.

Zum besseren Verständnis etwas Gebührentheorie: Die Entwässerungs-Infrastruktur verursacht jährlich Kosten von etwa 7,5 Millionen Euro, die gemäß gesetzlicher Vorgaben durch Gebühren gedeckt werden müssen. Diese setzen sich aus dem Anteil für das Schmutz- und Regenwasser zusammen. Im ersten Fall richtet sich die Höhe nach der von den Stadtwerken bezogenen Frischwassermenge. Der Kostenanteil, den Haus- und Grundstückseigentümer sowie Mieter für das Regenwasser zu zahlen haben, berechnet sich anhand des Umfangs der versiegelten – also wasserundurchlässigen – Flächen auf dem Grundstück.

In der Vergangenheit wurde zur Gebührenermittlung die versiegelte Fläche auf zehn Quadratmeter gerundet. Das hatte zur Folge, dass je angefangene zehn Quadratmeter (in bisherigen Bescheiden abgekürzt AQM) eine Gebühreneinheit (8,46 Euro) erhoben wurde. Inzwischen haben die Stadtverordneten eine Satzungsänderung beschlossen. Demnach wird jetzt mit der tatsächlichen Quadratmeterzahl (0,85 Euro je angefangenen QM) abgerechnet. Auch dies ist nach Pusdrowskis Worten ein Beitrag zur Gebührengerechtigkeit. (hob)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare