Plötzlich fehlt die Bank

Anwohnerin ärgert sich über entfernte Sitzgruppe auf dem Spielplatz

Nur ein heller Fleck zeugt noch davon, dass hier bis vor Kurzem Tisch und Bänke zum Verweilen einluden. Das mittlerweile eingezäunte Gelände soll von einem „Schließdienst“ der Anwohner künftig in den Abendstunden abgesperrt werden.
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Nur ein heller Fleck zeugt noch davon, dass hier bis vor Kurzem Tisch und Bänke zum Verweilen einluden. Das mittlerweile eingezäunte Gelände soll von einem „Schließdienst“ der Anwohner künftig in den Abendstunden abgesperrt werden.

Der Spielplatz in der Sophie-Scholl-Straße in Langen ist plötzlich eingezäunt, die Sitzgelegenheit wurde entfernt.

Langen – Der Spielplatz in der Sophie-Scholl-Straße in Langen ist plötzlich eingezäunt, die Sitzgelegenheit wurde entfernt. Laut Stadt hatte sich der Bereich zu einem nächtlichen Treffpunkt für Jugendliche entwickelt, Anwohner fühlten sich angeblich gestört.

Sie war nur eine Kleinigkeit im Stadtbild, aber sie fehlt: Die Sitzbank mit Tisch am Sophie-Scholl-Spielgelände im Langener Nordend ist verschwunden. Monika Bauder, die unweit davon entfernt wohnt, ärgert sich darüber: „Viele ältere Leute haben diese Sitzgruppe genutzt, um auf dem Rückweg von den Einkaufsmärkten an der Winkelwiese eine kurze Rast mit ihren Einkaufstüten zu machen.“ Auch Bewohner des nahen Ginkgo-Hauses saßen dort gerne tagsüber, weiß sie.

Langen: Stadt entfernt Sitzgelegenheiten von Spielplatz - Anwohnerin beschwert sich

Plötzlich ist die Sitzgelegenheit mit Tisch vom einen auf den anderen Tag weg. Das Gerücht macht die Runde, dass eine Anwohnerin in der Nachbarschaft Unterschriften gegen die Bank gesammelt hat, angeblich weil sie sich durch die gerne frequentierte Sitzgruppe gestört fühlte. Die natürlich zuerst da war. „Ich kann doch auch nicht neben die Stadtkirche ziehen und mich über das Glockengeläut beschweren“, sagt Bauder. „Sollen wir jetzt etwa eine Gegenpartei starten?“, fragt sie.

Für sie ist es unverständlich, dass die Sitzgelegenheit jetzt abgebaut wurde. „Na klar, da haben sich auch mal ein paar Jugendliche getroffen. Aber wir hatten eben lange Lockdowns. Nachts war da gar nichts los“, meint die Langenerin. Einzige Sitzmöglichkeit ist nun noch ein kleines Holzpferd, das einsam auf dem Areal der früheren Sitzgruppe ein trauriges Bild abgibt.

Zudem ist der Bereich neuerdings eingezäunt. Ein Bauarbeiter habe ihr auf ihre Nachfrage erklärt, das sei zum Schutz der Kinder vor den Autos, erzählt Bauder. Das leuchtet der Anwohnerin in der mit Pollern versehenen Spielstraße nicht ein. Sie wundert sich, was dahinter steckt.

Spielplatz in Langen: Stadt erhält Beschwerden über nächtliche Lärmbelästigung

„Es ist in der Tat so, dass der Spielplatz in der Sophie-Scholl-Straße komplett eingezäunt wurde. Zudem wurde die Sitzbank entfernt“, erklärt Stadt-Pressesprecher Markus Schaible auf Anfrage unserer Zeitung. Die Unterschriftensammlung bestätigt die Stadt nicht. Schaible nennt als Grund: Zuletzt waren in der Stadtverwaltung zahlreiche Beschwerden „wegen nächtlicher Umtriebe und damit einhergehender Lärmbelästigung“ auf dem Spielgelände, das sehr dicht an der umgebenden Wohnbebauung liegt, eingegangen. „Das Areal hatte sich in der Corona-Zeit offenbar zu einer Art Treffpunkt von ortsfremden jungen Menschen entwickelt. Dies sollen der Abbau der Bank und der Zaun künftig wieder ändern“, teilt der Stadtsprecher mit.

Die Anwohner werden nach seinen Angaben einen „Schließdienst“ einführen, sodass das Gelände über Nacht nicht zugängig sein wird. Der zuständige Fachdienst Migration, Jugend und Spielplätze will die Situation genau beobachten und hofft, „dass die Maßnahmen zügig zum Erfolg führen“. Die Stadt will die Sitzgelegenheiten wieder aufbauen lassen, wenn sich die Situation dort beruhigt hat. Meist gelinge es, solche Konflikte auch auf andere Weise zu lösen und Sitzgelegenheiten für alle zu erhalten. „Wir hoffen natürlich, dass so eine drastische Maßnahme ein Einzelfall bleibt“, schließt der Stadtsprecher. Das hofft auch Anwohnerin Monika Bauder, die weiß, dass viele ihrer Nachbarn die Sitzgruppe ebenfalls sehnlichst vermissen. (Julia Radgen)

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