Aufnahmestopp in der Hölle

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Mathias Tretter in der Stadthalle Langen.

Langen - Wenn EHEC Gottes Strafe für Kochshows ist, Sarkozy als der Präsident gewordene Schwanzvergleich tituliert wird und jedem Euro sein eigenes Rettungspaket zusteht, dann kann das nur eines bedeuten: Mathias Tretter rechnet mit dem vergangenen Jahr ab. Von Sina Gebhardt

Mit seinem Programm „nachgeTRETTERt“ hatte der Kabarettist zu einem satirischen Jahresrückblick in die Stadthalle eingeladen.

Tretter macht sich auf einen Streifzug durch das Jahr 2011 – und der hat es in sich. Bissig, zynisch und scharfzüngig werden Atomausstieg, Schuldenkarussell, Lebensmittelskandale und Staatsmänner jeder Nation aufs Korn genommen. Da bleibt keine Zeit zum „heestern“ (das vom Kabarettisten erfundene Verb steht für „etwas Langweiliges tun, damit sich das Leben länger anfühlt“), denn davon hatte der Satiriker genug: „27 Euro-Rettungspakete, jedes Paket die letzte Chance – da zieht sich das Jahr.“

Gerade die Politiker haben es dem gebürtigen Würzburger angetan: Rösler fällt Merkel höchstens in den Rücken, wenn er beim Hinterherlaufen gestolpert ist, Koch wird selbst von Schimmelpilzen gemieden, weil an ihm sowieso schon alles faul ist und Merkel holt sich im Vieraugengespräch mit dem Papst „Tipps, wie man mit kleinen Jungs umgeht“. Aber nicht nur wir Deutschen haben zu leiden, denn auch die Italiener sind mit Berlusconi, dem „Lust-Methusalix mit Haarteil“, gestraft: „Bei Minderjährigen hört der Spaß auf. Es reicht, dass sie den Vatikan im Land haben.“

Aber das Trettersche Repertoire erstreckt sich natürlich auch auf andere Thematiken. Für den Kabarettisten steht fest, dass Steve Jobs in drei Tagen dank der „Resurrection-App“ wieder auferstehen wird und dass nach Bin Laden, Gaddafi und Kim Jong Il in der Hölle zur Zeit Aufnahmestopp herrscht. Auch die Griechenland-Anleihen der Hypo Real Estate lassen für den Künstler nur einen Vergleich zu: „Das ist so, als stünden Sie am Bahnhof und ein Penner wirft Ihnen Geld in den Kaffeebecher.“

Bei Tretters Gag-Feuerwerk ist Aufmerksamkeit gefragt, um keine der rasant abgefeuerten Pointen zu verpassen. Mit Doppelsinnigkeiten geizt der Wahl-Leipziger nicht, wenn der von uns abgeschriebene Guttenberg mit einem Plagiat verglichen und Pakistan zum „Laden-Hüter“ ernannt wird. Aber auch weniger gelungene Wortspiele finden sich in seinem Programm: Der vermeintlich ungewollte Versprecher mit Iren und Irren ist kaum neu und auch die Erklärung, dass der Grieche der klassische Wirtschaftsflüchtling sei, weil er „in ein anderes Land flieht und dort eine Wirtschaft aufmacht“, ist wenig originell.

In mehr als zwei Stunden handelt der Kabarettist die ganze Themenpalette des vergangenen Jahres ab. Mit viel Applaus wird Tretter belohnt und schenkt dafür seinerseits dem Publikum eine großartige Zugabe: Als perfekte Merkel-Parodie – typische Gestik, die Mundwinkel runtergezogen – hält er die Weihnachtsansprache der Kanzlerin und sorgt so für einen furiosen Abschluss.

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