„Aussie“ auf Genuss-Mission

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Bei der Weinprobe mit Cameron Ashmead (Mitte) erfuhren die Besucher viel Wissenswertes – und natürlich auch viele amüsante Anekdoten aus dem Land down under.

Langen ‐ Der Mann weiß, worauf es ankommt: „Wir sind hier zum Trinken, nicht zum Reden“, sagt Cameron Ashmead und dreht sich zu Monika Eigl-Anthes um: „Nächster Wein, bitte.“ Von Markus Schaible

Wenig später können die Besucher der Weinprobe ihre Nase ins Glas stecken, um den Duft von „Ode to Lorraine“ zu schnuppern. „Lorraine ist meine Mutter – Sie müssen jetzt also Gutes über diesen Wein sagen“, bemerkt Ashmead – und erzählt mit einem verschmitzten Lächeln, was es mit der Ode an die Mama auf sich hat.

Es ist keine so ganz alltägliche Weinprobe an diesem Winterabend: Denn der Mann, der die roten Kostbarkeiten aus dem Familien-Weingut vorstellt, ist um den halben Globus geflogen, um dies zu tun – nicht in Frankfurt, Berlin oder sonst einer Großstadt, sondern in Langen. Diese Ehre verdankt Monika Eigl-Anthes, die das Fachgeschäft Welt der Weine in der Friedrichstraße betreibt, der Tatsache, dass der deutsche Importeur der aus tralischen Elderton-Weine ebenfalls in der Sterzbachstadt ansässig ist.

Cameron Ashmead erhebt sein Glas, die Gäste tun es ihm gleich und lassen sich die elegant-samtige Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Shiraz und Merlot über die Zunge fließen. Da fällt es nicht schwer, nur Gutes zu sagen.

Als Austauschschüler kam Cameron nach Bremerhaven

Aber das war eigentlich auch nicht zu erwarten: Elderton gewinnt für seine Weine regelmäßig bedeutende Preise wie die World’s Best Shiraz Trophy, landete auf der Liste der 100 weltbesten Weingüter des Wine & Spirit Magazine und bekommt von Wein-Papst Robert Parker des Öfteren höchste Punktzahlen. Nächster Wein, bitte.

Dass es überhaupt so weit kam, ist mehreren Zufällen gedankt, erzählt Cameron, ältester Sohn der Weingut-Gründer Neil und Lorraine Ashmead: „Mein Vater hat in Saudi-Arabien Caterpillar-Traktoren verkauft. Weil er Australier ist, konnte er einen Tag ohne Alkohol nicht ertragen, also hat er Bier und Wein selbst hergestellt. Am Anfang war er nicht sehr gut!“

Zufall zwei: Als sich die Familie bei ihrer Rückkehr nach Australien ein bereits drei Jahre leer stehendes Haus im Barossa Valley nahe Adelaide anschaut, ködert sie der Makler: „Wenn Sie es nehmen, erhalten Sie 30 Hektar Weinberge drum herum umsonst dazu.“ Die heute teilweise 120 Jahre alten Reben entpuppen sich als außergewöhnlich gut. Nächster Wein, bitte.

Obwohl das Trinken wie gesagt im Vordergrund steht, ist Cameron Ashmead auch nach tagsüber 600 gefahrenen Kilometern noch in Plauderlaune – im Übrigen auf Deutsch. Schon als Jugendlicher kam er als Austauschschüler nach Bremerhaven – „aber da habe ich nichts gelernt, nur Bier getrunken, da man das in Deutschland schon ab 16 darf“. Später arbeitete er dann drei Jahre in München als Banker. Nächster Wein, bitte.

Ich bin viel lustiger in Englisch“, bemerkt er – wie muss eine Weinprobe dann aussehen? Denn ob es nun um die Verwendung von Drehverschlüssen („Wir sind faul, ein Drehverschluss ist viel schneller zu öffnen“), um sein Heimatland („Direkt gesagt: Es ist ein bisschen so wie in England – wir saufen zu viel“) oder um die Namensgebung der Weine geht, der sympathische Australier hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen: „Dieser Wein heißt Friend’s – ich glaube, mein Bruder hat ihn so genannt, weil er keine Freunde hat.“ Nächster Wein, bitte.

Für den Schluss hat sich der Mann, der bei Elderton für die Vermarktung zuständig ist, das Flaggschiff aufgehoben: Command Shiraz Single Vineyard 2005, gewonnen aus den ältesten Reben des Weinguts mit zehn Meter tiefen Wurzeln, drei Jahre in amerikanischer und französischer Eiche ausgebaut und mit 97 Parker-Punkten bedacht. Da hat der Winzer hervorragende Arbeit geleistet – dabei war der doch eigentlich nur eingestellt worden, weil sein Bruder in der australischen Rugby-Nationalmannschaft spielte und die Ashmead-Familie auf Freikarten für die Weltmeisterschaft hoffte. Behauptet zumindest Cameron.

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