Ausstellung zum Ersten Weltkrieg

Der Urkatastrophe nachgespürt

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Im Alten Rathaus baut Stadtarchivar Heribert Gött derzeit die Ausstellung zum Ersten Weltkrieg auf, die Dreieichschüler mit seiner Unterstützung erarbeitet haben.

Langen - Das tödliche Attentat auf den österreichischen Thronfolger in Sarajewo vor 100 Jahren war der Auslöser: 1914 begann der Erste Weltkrieg – eine Katastrophe, die schnell auch in Langen spürbar war.

Daran erinnert nicht nur die Serie von Herbert Bauch in unserer Zeitung, sondern nun auch eine Ausstellung, die von der Dreieichschule gemeinsam mit der Stadt zusammengestellt wurde.

„Der Titel ist ein wenig irreführend“, gibt Heribert Gött, ehrenamtlicher Stadtarchivar und ehemaliger Lehrer der Dreieichschule, zu: „Langen en France“ heißt die Schau im Stadtmuseum, die sich aber auch mit allen anderen Facetten der Urkatastrophe der neueren europäischen Geschichte befasst. Dennoch nimmt der Blick Richtung Frankreich einen breiten Raum ein, schließlich war Langen als Teil des „Mainzer Brückenkopfes“ bis 1930 von französischen Truppen besetzt.

Erarbeitet wurde die Ausstellung von Schülern der neunten Klassen der Dreieichschule gemeinsam mit ihren Geschichtslehrern. Die Gymnasiasten besuchten bei ihren Recherchen das ehemalige Schlachtfeld Verdun und trafen sich mit Schülern aus Langens Partnerstadt Romorantin-Lanthenay in Paris. Heribert Gött steuerte Dokumente und Schriftstücke mit Bezug zu Langen bei.

„Es ist eine laienhafte Ausstellung“, macht Gött klar, dass die Schau keine professionellen Ambitionen hat. „Wir wollen anreißen und dokumentieren.“ Dennoch biete sie einen guten Überblick. Eine Chronologie der Ereignisse bis zur Kriegserklärung des Deutschen Reiches macht deutlich, wie der Großteil der Staaten des alten Kontinents auf die kriegerische Auseinandersetzung zusteuerte. Die Situation an der Westfront mit der Schlacht um Verdun veranschaulichen Fotos, Karten und Zeitungsberichte aus Frankreich und Deutschland.

Wie sich die mehrheitlich deutschstämmige Bevölkerung der Gemeinde Oregon im US-Bundesstaat Wisconsin während des Krieges verhielt, haben Austauschschüler im Rahmen der Schulpartnerschaft mit der Oregon High School recherchiert. Die deutsche Besatzungspolitik in Frankreich beschreibt ein Soldatensprachführer mit den wichtigsten Befehlen in Deutsch und Französisch. Was die Soldaten dachten und fühlten, zeigen eindrucksvolle Briefe an ihre Familien. Außerdem gibt es Beschreibungen über die Fronten im Osten und auf dem Balkan.

Der Erste Weltkrieg auf Feldpostkarten

Der Erste Weltkrieg auf Feldpostkarten

Zu sehen sind auch zeitgenössische Exponate aus Privatbesitz, die die Militarisierung der Gesellschaft veranschaulichen. Heinrich Jakobi steuerte Spielzeuge aus dem Kaiserreich bei, Uwe Jäckel Orden, Uniformen, Pfeifen, die typischen Pickelhauben und Helme aus den Königreichen Preußen, Sachsen und Bayern sowie den Großherzogtümern Hessen und Baden. Dritter Leihgeber ist Gundolf Kirchner, der Waffen aus der Zeit bis 1914 zur Verfügung stellt.

Eröffnet wird die Ausstellung im Stadtmuseum im Alten Rathaus am Wilhelm-Leuschner-Platz am Freitag, 17. Oktober, um 20 Uhr von Bürgermeister Frieder Gebhardt. Weitere Redner sind Dr. Wolfgang Geiger von der Dreieichschule und Stadtarchivar Heribert Gött. J ble

Die Ausstellung ist bis 14. Dezember zu sehen: samstags von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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