Scheck für „AusZeit“-Gruppen

Wo Demenz keinen Makel darstellt

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Die zwei „AusZeit“-Gruppen der Haltestelle werden dieses Jahr mit 3000 Euro vom Kreis unterstützt. Den Scheck brachte Kreisbeigeordneter Carsten Müller (Zweiter von rechts). Sichtlich gut an kommt der Geldsegen bei (von links) Bürgermeister Frieder Gebhardt, Projektleiter Bodo Erny sowie Yvonne Weber und Martin Salomon vom Team der Haltestelle.

Langen - Die „AusZeit“-Betreuer erleben wöchentlich, wie Menschen aufblühen – sowohl ihre an Demenz erkrankten Gäste, als auch die pflegenden Angehörigen, die nach einigen Stunden Freizeit wieder Energie für den Alltag getankt haben. Von Cora Werwitzke

Der Kreis Offenbach fördert die beiden „AusZeit“-Gruppen des Begegnungszentrums Haltestelle nun mit 3000 Euro. Kreisbeigeordneter Carsten Müller lobt die Schaffung „eines niedrigschwelligen Angebots, dass Demenzkranke in allen Phasen aufnimmt und Angehörige entlastet“.

„Bei AusZeit erleben unsere Teilnehmer gemeinsam vier Stunden lang einen schönen Nachmittag“, sagt Yvonne Weber, die für die Gruppe im Begegnungszentrum Haltestelle zuständig ist. Menschen mit Demenz haben bei Veranstaltungen oft Angst vor Ausgrenzung, wenn Gedächtnisstörungen auffallen. Viele meiden deshalb Kontakte mit der Außenwelt. In den „AusZeit“-Gruppen können Betroffene unbefangen einen Nachmittag verbringen. Schnell machen sie die Erfahrung, dass alle so sein können wie sie sind und Demenz keinen Makel darstellt.

Anni Müller, die als eine von 13 Ehrenamtlichen in dem Projekt mitwirkt, betont: „Wir möchten, dass sich die Menschen bei uns wohlfühlen. Von unseren Gästen konnten wir schon manch altes Volkslied neu lernen und gemeinsam über Langener Geschichten und Brauchtümer schmunzeln.“ Sowieso wird an den Nachmittagen viel gelacht. Das Programm ist abwechslungsreich und für Frauen und Männer gleichermaßen interessant. Handwerklich arbeiten, spazieren gehen, singen, kochen, backen, tanzen, spielen und manchmal beim Fingeryoga entspannen – die Bandbreite ist groß.

Ein Teilnehmer war begeisterter Mundharmonikaspieler. In der „AusZeit“ fand er einen Partner, der mit ihm dieses Hobby teilte. Gemeinsam gaben die beiden zur Freude der Gruppe ihre Lieblingslieder zum Besten. Alles kann, nichts muss in der AusZeit. Wenn Yvonne Weber zum Tanzen im Sitzen einlädt, kommt von Walzer bis Samba richtig Bewegung in die Runde. Kein Fuß steht mehr still.

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„AusZeit“ gibt es seit 2009. Durchschnittlich nehmen sechs Leute an den Angeboten teil. Martin Salomon, Leiter des Begegnungszentrums, freut sich über jeden Gast: „Unser Angebot ist auch für Menschen mit leichten Symptomen gedacht.“ Rund 30.000 Euro im Jahr kostet es, die Gruppen zu finanzieren. Personalkosten von Hauptamtlichen und Aufwandsentschädigungen für Ehrenamtliche machen davon einen großen Teil aus.

Wer möchte, kann ohne Anmeldung einfach vorbeikommen. Die „AusZeit“-Gruppe in der Haltestelle, Elisabethenstraße 59a, trifft sich jeden Dienstag und die Gruppe an der Südlichen Ringstraße jeden Donnerstag, jeweils von 14 bis 18 Uhr. Der Schnuppernachmittag ist kostenlos. Danach fällt ein Beitrag von 20 Euro pro Treffen an, der in den meisten Fällen von den Pflegekassen übernommen wird. Infos gibt es bei Yvonne Weber unter s  203-922 und Bodo Erny unter der Nummer  203-924.

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