Pflege im Langener Naturschutzgebiet soll seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten

Bagger im Einsatz für die Natur

Sieht ein bisschen wüst aus, ist aber Landschaftspflege: Im Langener Naturschutzgebiet kamen Bagger zum Einsatz. Das Stück Baumstamm bleibt extra liegen – damit sich Insekten wie der Hirschkäfer ansiedeln können.
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Sieht ein bisschen wüst aus, ist aber Landschaftspflege: Im Langener Naturschutzgebiet kamen Bagger zum Einsatz. Das Stück Baumstamm bleibt extra liegen – damit sich Insekten wie der Hirschkäfer ansiedeln können.

Vor gut einem Monat sorgten Baggerarbeiten im ehemaligen Steinbruch auf dem Oberen Steinberg für Aufsehen, nun sind Mitarbeiter von HessenForst auch mit schwerem Gerät im Naturschutzgebiet „Kammereckswiesen, Herchwiesen, Schmale Wiesen und Belzbornwiesen“ im Süden von Langen unterwegs. Dieser Einsatz sorgte wieder für etliche besorgte Nachfragen von Bürgern im Rathaus.

Langen – Doch Sandra Trinkaus von der städtischen Umweltberatung kann auch diesmal beruhigen: „Die Landschaftspflegemaßnahmen von HessenForst dienen der Pflege und Weiterentwicklung der lokalen Schutzgebiete. Sie sind mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach abgesprochen.“ Wie am Steinbruch mögen die Arbeiten mit schwerem Gerät brachial aussehen, sind aber ein Beitrag zum Umweltschutz. In den benannten Gebieten werden etwa aus fremden Ländern eingeschleppte Pflanzen, die einheimische Arten verdrängen, entfernt.

Das Langener Naturschutzgebiet beherbergt eine kleine Sandfläche, die sich vermutlich aus einer ehemaligen Sanddüne entwickelt hat. Auf diesem extrem mageren Standort konnte sich eine seltene Tier- und Pflanzenwelt entwickeln. Dazu gehören Kriechweide, Silbergras und Sandglöckchen sowie trockenheitsliebende Insekten. Die Pflegemaßnahmen zielen darauf ab, diesen Standort zu erhalten, erklärt die Fachfrau aus dem Rathaus. Deshalb müssten nährstoffreiche Humusschichten entfernt werden. „Was im heimischen Garten äußerst willkommen ist, ist in dem Schutzgebiet ausdrücklich nicht gewünscht. Auch Sträucher wie Ginster oder Brombeeren, die das Gebiet überwuchern, oder Birken und Weiden, die Schatten auf den Borstgrasrasen-Standort werfen, werden entfernt, um die seltene trockenheits- und stressresistente Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern“, so Trinkaus.

Ähnlich wird das bei sogenannten eutrophierten Teichen (reich an Nährstoffen) gemacht: Der Nährstoffeintrag durch Wasservögel, Laub und verschattende Bäume schädigt die Gewässerökologie. Auch dort sind weitreichende Maßnahmen notwendig, um den Lebensraum, eine große Artenvielfalt und eine gute Wasserqualität zu erhalten.

Gleich mehrere Rundwege unterschiedlicher Länge führen durch die Landschafts- (gelb gekennzeichnet) und Naturschutzgebiete (grün) im Langener Stadtgebiet.

In Langens Südgemarkung galt es unter anderem, ein großflächiges Vorkommen des Japanischen Staudenknöterichs zu entfernen. Dieser aus Asien eingewanderte pflanzliche Plagegeist breitet sich schnell aus und vertreibt heimische Pflanzen. Das geschnittene Material verbleibt deshalb nicht als Mulchmaterial im Naturschutzgebiet, sondern wird entfernt. Von einer markanten Eiche, die einem Sturm zum Opfer gefallen ist, bleibt nach der Entfernung der großen Äste ein großes Stammstück erhalten. Es wird gezielt mit Erde eingedeckt, damit sich dort Insekten wie der Hirschkäfer entwickeln können. Die sehr selten gewordenen größten europäischen Käfer leben gerne im durch Pilzbefall zermürbten Totholz von Eichen.

Offizielle Wege

Ein Infoflyer zeigt das offizielle Wegenetz mit Routen, die begangen werden können. Er kann auf langen.de heruntergeladen werden.

Das Forstamt Langen und die Umweltberatung nehmen die Pflegemaßnahme zum Anlass für einen Appell: Bürger aus Langen und Egelsbach sollten mithelfen, den Trockenrasen mit seiner abwechslungsreichen Struktur und Artenzusammensetzung zu schützen. Denn bei den Arbeiten zeigte sich, dass der empfindliche Lebensraum Ziel vieler Spaziergänger ist, die sich oft nicht an die offiziellen Wege halten und mitten durch das Naturschutzgebiet gehen, häufig mit freilaufenden Hunden. Zahlreiche Trampelpfade zeugen davon. „Dabei werden klare Regeln und die eindeutige Beschilderung missachtet“, betont Trinkaus: „Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Ordnungswidrigkeit, die mit Geldstrafen geahndet werden kann.“ Damit in dem Naturschutzgebiet die vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten erhalten bleiben, besteht ein generelles Betretungsverbot, auf das natürlich Schilder hinweisen. Spaziergänger müssen auf den Wegen bleiben und Hunde anleinen. „Nur so können die trittempfindlichen, bodenbrütenden Vögel und Pflanzen erhalten werden“, sagt Trinkaus.  (jrd)

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