Mängel, falsche Ursprungspläne und Terminänderungen

3,3 Millionen Euro! Bahnbrücke deutlich teurer

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Die Bahnstrecke durch Langen ist als Nord-Süd-Achse eine der Hauptlinien durch Deutschland, auf der auch reichlich europäischer Güterverkehr rollt. Aus diesem Grund ist die Terminplanung für die Absenkung der Brücke auf ihr ursprüngliches Niveau äußert schwierig.

Langen - Böse Überraschung bei der Sanierung der Bahnbrücke: Die Arbeiten werden deutlich teurer als geplant. Grund sind unvorhergesehene Mängel, Abweichung von den Originalplänen, die allgemeine Steigerung der Baupreise, aber auch Kosten, die durch Änderungen der Terminpläne seitens der Deutschen Bahn entstehen. Im Raum stehen derzeit Gesamtkosten von 3,3 Millionen Euro. Von Markus Schaible

Wer ein altes Bauwerk saniert, muss immer mit unvorhergesehenen Mehrkosten rechnen – diese Erkenntnis ist alles andere als neu. Und wenn dann auch noch weitere Überraschungen dazu kommen, kann es gleich richtig teuer werden. So viel teurer, dass der Magistrat nun statt 1,4 Millionen Euro für dieses Jahr 2,6 Millionen im Haushalt für die fast 50 Jahre alte Bahnbrücke bereitstellen will. Im Wesentlichen geht es um bereits jetzt erfolgte Nachforderungen des beauftragten Bauunternehmens Leonhard Weiss aus Langen. Diese sind aber noch nicht in Stein gemeißelt: „Wir akzeptieren die Forderungen nicht so ohne weiteres“, betont Manfred Pusdrowski, Leiter der Kommunalen Betriebe, die die Bauleitung innehaben. Vielmehr würden sie gemeinsam mit dem Ingenieurbüro im Detail geprüft. Er hofft, dass sich die Summe noch deutlich verringert.

Allerdings haben die Forderungen grundsätzlich ihre Berechtigung, mussten die Arbeiter doch mit etlichen bösen Überraschungen kämpfen. Der ursprünglichen Kostenkalkulation lagen die früheren Baupläne zugrunde, doch die Realität entpuppte sich als völlig anders. Sprich: Das Innenleben der Brücke stellte sich anders dar als gedacht. „Niemand konnte in die Brücke hineinschauen. Erst als sie angehoben wurde, konnten weitere Erkenntnisse gewonnen und zusätzliche Mängel erkannt werden“, verdeutlicht Pusdrowski die Problematik.

Als die Brücke angehoben war, zeigte sich, dass die vier Lager auf den Brückenfundamenten derart geschädigt sind, dass sie ausgetauscht werden müssen. Weil die alten Pläne den Übergang zu den Straßenenden anders darstellen, musste dort erheblich nachgebessert werden. Für die sogenannte Festhaltekonstruktion der Brücke, die sie in ihrer erhöhten Lage in der Längs- und Querrichtung sichert, waren deutliche Änderungen nötig. Überdies verteuerte sich das zum Schutz benachbarter Gebäude und der Oberleitungen der Bahn äußerst aufwendige Gerüst.

Dass es teurer werden würde, stand übrigens schon zu Beginn der Arbeiten fest. Denn die allgemeine Entwicklung der Baupreise machte auch vor diesem Vorhaben nicht Halt. So lag nach Ende der Ausschreibung das Angebot des günstigsten Bieters, der auch den Zuschlag erhielt, um rund 100.000 Euro über der Kostenschätzung.

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Für nicht unerhebliche Kostensteigerungen sorgt auch die Deutsche Bahn: Obwohl die Zeitpläne der Arbeiten über drei Jahre hinweg im Detail abgestimmt worden waren, erzwang sie im Mai kurzfristig eine Verschiebung der Brückenanhebungen um eine Woche. Die damit verbundene Neuausschreibung sorgte dafür, dass es teurer wird. Aber damit nicht genug: Die Arbeiten, die trotz des Verlusts von einer Woche genau im Zeitplan liegen, müssen nun kurzfristig zwei Wochen früher beendet sein. Denn die Bahn hat den Termin, an dem sie die Absenkung genehmigt, vorgezogen. Nunmehr soll sie vom 20. bis 22. Oktober stattfinden. Damit müssen die Arbeiter deutlich mehr Gas geben – womit der Baufirma eine Beschleunigungsvergütung zusteht.

Bilder: Brücke in Langen angehoben

Pusdrowski und Erster Stadtrat Stefan Löbig hoffen nun inständig, dass der Absenkungstermin haltbar ist. Andernfalls könne sich die Öffnung der Brücke (aktuell noch immer vorgesehen für Mitte Dezember) um Monate verzögern, da die Bahn dann erst eine komplette Neuplanung der Termine (bei der sogar der europäische Güter-Bahnverkehr zu berücksichtigen ist) vornehmen müsse.

Pusdrowski mag dennoch keine Kritik an der Bahn üben: „Ich hoffe, dass die Bahn ihr kooperatives Verhalten fortsetzt“, sagt der KBL-Betriebsleiter. Der Haupt- und Finanzausschuss wird sich mit der zusätzlichen Anmeldung für den Nachtragshaushalt in seiner Sitzung am Donnerstag, 27. September, befassen. Die Stadtverordnetenversammlung entscheidet darüber am Donnerstag, 18. Oktober. Beginn ist jeweils um 20 Uhr im Rathaus.

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